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Christa
Ludwig
»Leicht muss man sein«

Erinnerungen
an die Zukunft

Aufgezeichnet von
Erna Cuesta und Franz Zoglauer

Mit 58 Abbildungen

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© 2018 by Amalthea Signum Verlag, Wien

Alle Rechte vorbehalten

Inhalt

Vorwort

Erste Annäherung

Musik der Kindheit

NS-Zeit und Entbehrungen der Nachkriegszeit

Von Apfelkuchen und Schlagsahne

Die Mutter: Autorität und treibende Kraft

Zum Talent verdammt

Die Wiener Oper und der Urwiener Walter Berry als Ehemann

Die Schwiegermutter und der ideale Gatte

Musik, die heilige und heilende Kunst

Die menschliche Stimme, ein Geschenk des Himmels

Krisen – und wie man sie bewältigt

Die Angst – ein ständiger Begleiter

Von Diven und Paradiesvögeln

Karajan, gestylt und genial

Leonard Bernstein, der Himmelstürmer

Die guten Chefs von anno dazumal

Eine Primadonna des Liedgesanges

Von Sprache und Fremdsprache

Frauen im Opernbetrieb

Von Konserven und Schallplatten

Eine Lehrerin nach dem Vorbild ihrer Mutter

Abschied und Leichtigkeit des Seins oder die Kunst des Augenblicks

Biografische Zeittafel

Rollenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Bildnachweis

Namenregister

Vorwort

Schwerer werden, leichter sein, diesen Gedanken von Paul Celan empfand ich erst, als mein Mann vor sechs Jahren starb.

Ich fühlte mich verloren. Gute Worte konnten nicht helfen, jedoch manche Gedanken von Dichtern. So heißt es etwa in einem Liebessonett von Pablo Neruda, dass man sich Bilder in der Luft aufhängen soll. Das sind Gedanken, die »leicht« machen. Natürlich sind da auch die Worte von Hofmannsthal in Der Rosenkavalier, wo ich als Marschallin gesagt habe: »Leicht muss man sein, mit leichtem Herz und leichten Händen halten und nehmen, halten und lassen.«

Das Lassen ist wohl das Schwerste im Leben. Zuerst muss man die Eltern gehen lassen, dann die Freunde, das Berufsleben und Menschen, die man liebt. Als ich aufhörte zu singen, war das auch ein seltsames Erlebnis, obwohl ich froh war, mich mit fast 67 Jahren, nach fünfzig Jahren Berufsleben, nicht mehr nur um meine Stimme kümmern zu müssen. Plötzlich, von einem Tag auf den anderen, sang ich nicht mehr und habe auch seit diesem Tag keinen Ton mehr gesungen. Ich habe diese Seite meines Lebensbuches umgeschlagen und verließ mit leichtem Herzen und leichten Händen meinen Sängerberuf. Es gibt so viel Wundervolles im Leben, dass es mir leichtfiel. Ich sah endlich das Leben mit offenen Augen und die Realität, bis dahin hatte ich wie in einer Traumwelt gelebt.

Die Musik, die mich mein ganzes Leben begleitet hat, war über hundert Jahre alt, ebenso die herrliche Poesie, die den Liedern zugrunde liegt. Zurückblickend muss ich sagen, dass ich meinem Schicksal unendlich dankbar bin, so gelebt haben zu dürfen. Auch, dass ich immer das Glück hatte, zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Menschen kennengelernt zu haben, von denen ich viel gelernt habe, nicht nur beruflich, sondern vielmehr für mein denkendes Leben. Allen voran meine Mutter, die mir viele Weisheiten mitgegeben hat. So sind meine bisher gelebten neunzig Jahre nicht das Ende, sondern ich fühle mich immer noch auf dem Weg. Es gibt noch vieles kennenzulernen und zu erkennen. So denke ich an das kleine, sehr wichtige Gedicht von Hilde Domin:

Nicht müde werden,

sondern dem Wunder

leise wie einem Vogel

die Hand hinhalten.

Christa Ludwig

Erste Annäherung

Wie nähert man sich einer Persönlichkeit, die so unsentimental ist und so bewusst in der Gegenwart lebt wie Christa Ludwig? Musikfreunden ist sie in bester Erinnerung. Ihre unverwechselbare Stimme, ihre Bühnenpräsenz und ihre Gestaltungskunst begeisterten nicht nur das Publikum, sondern auch Dirigenten wie Böhm, Bernstein oder Karajan. Ihre Haltung, ihre Einstellung zum Leben, ihr Humor, kurz, all das, was sie aus Erfolgen und Krisen gelernt hat, geht über die Biografie eines Sängerlebens bei Weitem hinaus. Man kann erstaunlich viel von dieser Frau lernen. Dazu kommt noch ihr hohes Alter, das man ihr nicht ansieht und das sie geradezu virtuos bewältigt. Ihre Augen sind nach wie vor jung und lebendig, ihre Neugierde scheint ungebrochen. Und es gibt kaum etwas, zu dem Christa Ludwig nichts zu sagen hätte, Kluges und Weises, Treffendes und Pointiertes. Selbst wenn sie innehält, ihren Schilderungen da und dort eine Pause gönnt, um dann umso präziser in die Tiefe gehen zu können, machen sie ihre Überlegungen selten sprachlos, mehr noch: Es genügen lose Anmerkungen zum Hier und Jetzt, ein Blick zurück, Momentaufnahmen, und schon fliegen ihr mit bewundernswerter Leichtigkeit die Gedanken zu, lässt sie ihnen mit einer ebenso bewundernswerten Klarheit und verblüffend entwaffnenden Natürlichkeit – in Ludwigs Fall gleichzusetzen mit unerschrockener Ehrlichkeit – ohne zu zögern freien Lauf.

So fokussiert Christa Ludwig in ihrem Tun und Sagen wirkt, so scharf beobachtet sie auch und springt mit sanftem Ton, aber nicht minder kokett und nuancenreich von einer Bemerkung zur anderen … Ganz gleich, worüber man sich mit Christa Ludwig unterhält, sie nimmt lustvoll den Faden auf und spinnt ihn weiter oder führt das Gespräch in unmerklichen Wendungen auf andere Pfade – solange sie will und Spaß daran hat. Sie bestimmt das Tempo, den Anfang und das Ende. Das war wohl schon immer so. Ihr ganzes Leben lang. Und wenn die Umstände es einmal nicht erlaubt haben, haben ihre Disziplin und ihre Prinzipien sie gelehrt, das Beste daraus zu machen, wieder das Heft in die Hand zu nehmen und selbst zu entscheiden.

Eine Lebenseinstellung? Ein Wesenszug? Eine Frage des Charakters? Die französische Tageszeitung Le Monde hat es vor Jahren auf den Punkt gebracht und an ihrem Entschluss, ihre Karriere – vor fast einem Vierteljahrhundert – zu beenden, festgemacht: Christa Ludwig hat stets das »Ah, die Ludwig singt nicht mehr?« dem »Ah, die Ludwig singt immer noch?« vorgezogen. Apropos: Erinnert sie sich noch an ihre Abschiedsvorstellung am 14. Dezember 1994 in der Wiener Staatsoper?

»Und ob! Es war Elektra von Richard Strauss. Heinrich Hollreiser dirigierte. Er war damals achtzig Jahre alt, und ich glaube, es war auch seine letzte Vorstellung. Ich trug nicht den von Regisseur Harry Kupfer vorgesehenen Kopfschmuck, der nämlich scheußlich aussah, sondern eine normale Kopfbedeckung wie alle Klytämnestras auf der Welt. Ich fand es toll, dass Hildegard Behrens die Titelpartie gesungen hat. Sie war eine Sängerin, die ich ganz besonders verehrte, weil jeder Ton von ihr schön war. Heute ist sie nur mit Nina Stemme vergleichbar. Gefreut habe mich dann, als mir Direktor Holender einen Blumenstrauß überreichte, vor mir niederkniete, irgendetwas erzählte wie ›ein Stern fällt vom Himmel‹ und das ganze Publikum in Gelächter ausbrach.«

Träumt Christa Ludwig manchmal heute noch davon, aufzutreten und zu singen? »Einen Albtraum meinen Sie wohl? Eine Stimme, die ruft: ›Du musst jetzt rausgehen, Christa, und singen‹, und ich antworte: ›Ich kann doch nicht mehr. Ich bin ja so froh, dass das alles zu Ende ist!‹«

Vergangenes ist bei ihr tatsächlich vergangen. Sie hat gelernt, sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen, Schlussstriche zu ziehen und Neuanfänge zu riskieren. Die zahlreichen Fotos von ihrer Familie und ihren unzähligen Rollen liegen in den Laden eines Kästchens im ersten Stock ihres hellen, ringsum begrünten Bungalows über den Weinbergen von Klosterneuburg. Opernplüsch und goldene Quasten wird man hier vergeblich suchen. Vom Aufbewahren und Sammeln hält die Künstlerin nicht viel. Nur wenige Objekte in dem geräumigen und hellen Wohnraum erinnern an ihre Zeit als Sängerin, etwa Porzellanfiguren des Octavian und des kleinen Mohren aus dem Rosenkavalier. Sie haben richtig gelesen, Korrektheit wäre hier fehl am Platz. Der kleine Mohr ist eine von Hofmannsthal zum Leben erweckte Kunstfigur, die aus der Welt orientalischer Märchen in das ebenso künstliche Wien zur Zeit Kaiserin Maria Theresias hineingeraten ist. Es ist jene Opernwelt, in der silberne Rosen musikalisch zu blühen beginnen.

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Nach meinem letzten Schrei kniete sogar der Direktor: Abschiedsvorstellung an der Wiener Staatsoper am 14. Dezember 1994 als Klytämnestra in Elektra mit Generalsekretär Georg Springer, Hildegard Behrens (Elektra), Franz Grundheber (Orest), Sue Patchell (Chrysothemis), Direktor Ioan Holender, Heinz Zednik (Aegisth), Kulturminister Rudolf Scholten (von links nach rechts)

An den Wänden gibt es Zeichnungen, Karikaturen wie etwa von James Levine als Liedbegleiter oder eine Widmung von Leonard Bernstein. Diese vom 2. März 1990 beweist einmal mehr die große Verehrung des Dirigenten für die Künstlerin.

»Ich dachte immer, Christa Ludwig sei die größte Brahms-Sängerin ihrer Generation, jedoch nur so lange, bis ich sie Richard Strauss singen hörte. Da war sie die größte Marschallin, und dann hörte ich ihre Mahler-Interpretation. Wieder musste ich sie auf einen anderen Thron setzen. Als ich sie Wagner singen hörte, geschah das Gleiche, und als ich vor Kurzem ihre unglaubliche Interpretation der Alten Dame in meiner Operette Candide hörte, musste ich aufgeben. Sie ist einfach die Beste und der beste aller möglichen Menschen.«

Man hat Christa Ludwig allerorts geehrt und verehrt, vor allem in der Wiener Staatsoper, wo man seit zwanzig Jahren eine Matinee zu ihren runden beziehungsweise halbrunden Geburtstagen veranstaltet: »Zu meinem 70er wurde ich gefeiert, zu meinem 75er, meinem 80er, meinem 85er – immer vor vollem Haus. Und dann gibt es diese schöne Wiener Geschichte, die man einander erzählt: Treffen ein Berliner und ein Wiener am Stehplatz aufeinander. Der Wiener applaudiert einem Sänger heftig zu. Der Berliner merkt an: ›Aber er hat doch heute grauenhaft gesungen!‹ Der Wiener antwortet: ›Ja, aber in einer anderen Rolle vor zwanzig Jahren war er fantastisch.‹«

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Blumen zum Geburtstag: Staatsoperndirektor Ioan Holender gratuliert und dankt für zahlreiche Sternstunden.

»Ich bin wie ein
russischer General,
der Orden und
Plaketten sammelt,
einzig, um diejenigen
zu ärgern, die gerne
welche hätten!«

Überhaupt scherzt die beherzte Dame gerne darüber, dass sie mit zunehmendem Alter Auszeichnungen und Ehrungen etwas abgewinnen kann, und wenn es nur einer typischen Ludwig’schen Stichelei und der Ironie wegen ist. »Ich bin wie ein russischer General, der Orden und Plaketten sammelt, einzig, um diejenigen zu ärgern, die gerne welche hätten!«

Ihr Klavier, ein weißer Flügel, fügt sich gut in die freundlich offene Atmosphäre des großen Wohnzimmers. Er scheint ganz auf Heutiges und Künftiges und nicht auf die Sehnsucht nach Vergangenem gestimmt zu sein. Christa Ludwigs Neugierde nach neuen Herausforderungen ist nach wie vor groß. An Angeboten herrscht kein Mangel. In öffentlichen Gesprächen erzählt sie aus ihrem Leben und überrascht ihr Publikum immer wieder mit Lebensweisheit und Witz. In Meisterkursen für Opern- und Liedgesang bringt sie jungen Sängerinnen und Sängern nicht nur fachlichen Feinschliff bei, sondern gibt auch Ratschläge für den Umgang mit ahnungslosen Direktoren, unvorbereiteten Regisseuren, unflexiblen Dirigenten und eifersüchtigen Kollegen. Neuerdings wagte sie sogar eine echte Premiere: Im Wiener Theater im Salon von Maresa Hörbiger stellte sie sich bei einer Lesung erstmals als Rezitatorin mit Texten von Dichtern wie Alfred Polgar, Rainer Maria Rilke, Christian Morgenstern und Hugo von Hofmannsthal vor. Zu Beginn rezitierte sie den Monolog der Marschallin im Rosenkavalier über Zeit und Vergänglichkeit, so, als wäre sie nie Sängerin gewesen – ohne falsches Pathos, zurückgenommen, wortdeutlich.

Die Zeit, die ist ein sonderbar’ Ding.

Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts.

Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie.

Sie ist um uns herum, sie ist auch in uns drinnen.

In den Gesichtern rieselt sie, im Spiegel da rieselt sie.

(…)

Und zwischen mir und dir, da fließt sie wieder.

Lautlos, wie eine Sanduhr.

Oh Quinquin!

Manchmal hör’ ich sie fließen, unaufhaltsam.

Manchmal steh’ ich auf, mitten in der Nacht,

und lass’ die Uhren alle, alle stehn.

Christa Ludwig weiß, Texte mit der richtigen Brise Leben zu erfüllen, und sie lässt den bei Gesangskollegen bei gesprochenem Text oft übertriebenen Atem- und Gefühlsüberschwang gar nicht erst aufkommen. Erinnerungen an ihre Marschallin auf der Opernbühne werden wieder wach. Sie spielte keine dekadente Wienerin, die wehmütig über die Vergänglichkeit sinniert, sondern eine Frau, die über das Leben und ihren jungen Liebhaber, der bestimmt nicht der letzte sein wird, nur allzu gut Bescheid weiß. Ihre Mutter hoffte einst, sie möge so lange ihre Stimme behalten, bis sie wisse, worum es sich handle. Das hat Christa Ludwig nach eigenen Worten um die vierzig erreicht. Es heißt, zwischen den Zeilen der Musik lesen zu können, und das erfordert eine gewisse Reife. Mit ihrer Stimme verlieh sie der Marschallin unvergesslichen und beseelten Schönklang. Für Christa Ludwig war diese Partie die einzige, an der sie immer weiterarbeiten und ihre Interpretation weiterentwickeln konnte.

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Eine Partie mit vielen Lebensweisheiten: die Marschallin im Rosenkavalier an der Wiener Staatsoper 1968

Musik der Kindheit

Die Arie der Königin der Nacht geht über zwei Oktaven und ist wegen ihrer Koloraturen und Spitzentöne eine Herausforderung für jede Sopransolistin. Eigentlich unvorstellbar, dass eine Mezzosopranistin wie Christa Ludwig auch dieses gefürchtete Musikstück gesungen hat.

»Sie werden es nicht glauben: nicht als junges Mädchen, sondern als Kind. Ich war vier oder fünf Jahre alt. Ich kannte die ganze Oper, fast alle Arien auswendig. Ich hörte nämlich die jungen Leute im Nebenzimmer singen, die bei meinen Eltern Unterricht hatten. Als ich dann etwas älter wurde, so mit acht oder neun Jahren, durfte ich schon dabeisitzen und machte alle nach. Auch das Spielen beeindruckte mich, da mein Vater dramatischen Unterricht gab. Ich konnte viele Opern in- und auswendig.«

Mit Operngesang kam Christa Ludwig noch viel früher in Berührung. Die musikalische Bildung beginnt ja nach neueren Erkenntnissen bereits im Körper der Mutter. »Meine Mutter hat mit mir im Bauch Bizets Carmen gesungen. Ich habe dabei furchtbar gestrampelt und geboxt, und sie durfte beim Sterben nicht mehr hinfallen. Sie konnte nur noch behutsam in die Arme ihres Mörders Don José sinken. Ich kenne die Melodien aus Carmen also schon aus dem Bauch der Mutter.«

In Österreich gehörte es zur Tradition, dass das von den Eltern auf die Kinder übertragene Talent gefördert und ausgebildet wurde. Musikerdynastien wie die Familie Strauß und die kammermusikalischen Formationen der großen Orchester setzten sich so von Generation zu Generation fort. Christa Ludwig ist nicht nur davon überzeugt, dass man vor allem durch das Elternhaus zur Musik hingeführt wird, ihrer Ansicht nach lässt sich das sogar auf Vorfahren und Verwandte ausweiten. Ihr Großonkel Anton Schittenhelm war einer der verlässlichsten und vielseitigsten Tenöre der Wiener Hofoper. Er stand insgesamt 2500 Mal auf der Bühne, betreute nach seiner Pensionierung das Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde, spielte nebenbei auch in der Hofmusikkapelle Violine und starb 1923 in Wien.

Musik war Christa Ludwig also in die Wiege gelegt. Ihre Mutter war ihre wichtigste Bezugsperson und prägte ihr Denken und Verhalten wie sonst niemand. Die 1993 verstorbene Eugenie Besalla-Ludwig entstammte einer kleinbürgerlichen und keineswegs wohlhabenden Familie. Sie war die Tochter eines wortkargen Ostpreußen und einer Rheinländerin, die ihr den teuren Gesangsunterricht durch Heimarbeit wie das Nähen von Hemden finanzierte. Ein erfahrener Lehrer am Berliner Konservatorium erkannte das Talent und die schöne Stimme der jungen Frau, und sie bekam bald ein Stipendium. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie ans Stadttheater Aachen engagiert, wo sie sich in Christa Ludwigs Vater, den um elf Jahre älteren Regisseur, Direktor und gebürtigen Wiener Anton Ludwig verliebte. Dieser hatte drei Kinder, ließ sich von seiner Frau scheiden und heiratete Eugenie Besalla. Er war ein erfolgreicher Bariton, der in der Wiener Volksoper als Papageno in Mozarts Oper Die Zauberflöte gastierte und sogar an der Metropolitan Opera in New York in Leoncavallos Der Bajazzo den Silvio an der Seite von Enrico Caruso als Canio sang. Caruso riet dem jungen Kollegen, ins Tenorfach zu wechseln. Einige Jahre hindurch versuchten die Eltern, immer ein Doppelengagement zu bekommen. Die Mutter musste dem Vater oft die größere Gage überlassen. Einmal versprach ihr ein Agent ein Engagement in einem deutschen Opernhaus als Sängerin und Anton Ludwig den Posten eines Oberregisseurs. Als das Engagement nicht zustande kam, verprügelte sie den Agenten mit einem Regenschirm, wurde verurteilt und musste Strafe zahlen.

FledermausRingElektra