Die Habsburger

Ein biographisches Lexikon

Herausgegeben von Brigitte Hamann



Überarbeitete
, ergänzte und korrigierte E-Book-Ausgabe

Herausgegeben und mit einem Vorwort von Georg Hamann









Amalthea

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© 2016 by Amalthea Signum Verlag, Wien

Alle Rechte vorbehalten

Grundlage für diese Ausgabe ist die 2001 bei Amalthea erschienene Ausgabe, eine unveränderte Neuauflage der 1988 erstmals bei Verlag Carl Ueberreuter erschienenen Ausgabe.

Covergestaltung: Kurt Tutschek

Coverabbildung: Stammbaum des Hauses Habsburg-Lothringen 1708–1911, Öl auf Leinwand von M. Juhász, Budapest, nach einer Zeichnung von Franz Angeli, um 1911 © IMAGNO/Österreichische Nationalbibliothek

Herstellung: Hannes Strobl, Satz·Grafik·Design, Neunkirchen

eISBN 978-3-903083-44-8

Vorwort zur E-Book-Ausgabe 2016

Die Habsburger waren eine der bedeutendsten Familien der europäischen Hocharistokratie, ja, mehr noch: Sie waren eine der mächtigsten Dynastien der neuzeitlichen Weltgeschichte. Rund vierhundert Jahre lang stellten sie die Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und schufen durch umsichtige Heiratspolitik die Grundlagen eines enormen Imperiums, das von der Sierra Nevada Kaliforniens bis nach Argentinien reichte und große Teile der pazifischen Inselwelt umfasste. In Europa herrschten sie einst über Territorien von der Nordseeküste Hollands bis auf den Balkan und von Gibraltar bis an die russische Grenze. Gemessen an ihrer Bedeutung ist es umso erstaunlicher, dass es so lange dauerte, bis ein Habsburger-Lexikon erschien.

Es war ein sehr ehrgeiziges Projekt, das in den späten 1980er Jahren initiiert wurde: Die Biographien sämtlicher Familienmitglieder des Hauses Habsburg (beziehungsweise Habsburg-Lothringen) sollten von international renommierten, meist an Universitäten lehrenden Historikern und Historikerinnen in einem Sammelband zusammengefasst werden. Zum einen sollte dadurch der Fachwelt die praktische Möglichkeit zum schnellen Nachschlagen gegeben werden, zum anderen wollte das Lexikon von Anfang an auch die tausenden geschichtsinteressierten Laien im In- und Ausland dazu einladen, sich einen Überblick über die (bekanntlich oft komplizierten) Verwandtschaftsverhältnisse, Heiratsbeziehungen und biographischen Details der Habsburger zu verschaffen.

Das Buch war somit schon seit seinem erstmaligen Erscheinen im Jahr 1988 mehr als ein trockenes, wissenschaftliches Nachschlagewerk. Es wurde nicht nur zu einem informativen, sondern auch zu einem höchst spannenden „Lesebuch“ für alle Interessierte, in dem es sich gut und bereichernd schmökern ließ. Dementsprechend erfolgreich wurde es schließlich auch. In fünf immer wieder verbesserten und korrigierten Auflagen ist es in Druckform erschienen.

Freilich haben sich die Zeiten seither verändert. Das Internet gab es 1988 noch nicht in seiner heutigen Form und Online-Lexika wie Wikipedia schon gar nicht. Das Habsburger-Lexikon ist ein Standardwerk geblieben und liegt nun erstmals in vollem Umfang als E-Book vor.

Den neuesten Erkenntnissen der Geschichtswissenschaft folgend, mussten einige Aktualisierungen vorgenommen werden. In die bereits bestehenden Texte wurde dabei allerdings nur dann eingegriffen, wenn es sich um eindeutige (fachliche) Fehler oder Druckfehler der zuletzt erschienenen Print-Ausgabe handelte. Darüber hinaus mussten alle Artikel überarbeitet werden, die in der Zwischenzeit verstorbene Mitglieder der Familie betrafen.

Auch musste der in den letzten 25 Jahren erschienenen Fachliteratur Rechnung getragen werden. Eine große Zahl neuer Biographien wurde den schon bestehenden Literaturhinweisen hinzugefügt.

Durch die Fülle an Daten und Namen, die jedes Lexikon ausmacht, besteht die Gefahr, dass selbst nach mehrfacher Korrektur der ein oder andere Fehler übersehen worden ist. Jene Bitte, die bereits in der Originalausgabe formuliert wurde, sei deshalb für alle Leser und Leserinnen an dieser Stelle wiederholt: Wenn Sie wichtige Korrekturvorschläge haben sollten, zögern Sie bitte nicht, diese dem Verlag mitzuteilen.

Wien, im Sommer 2016

Georg Hamann

Einleitung

Dieses Lexikon enthält die Lebensläufe von rund vierhundert Habsburgern. Aufgenommen sind sämtliche Mitglieder der Familie von Rudolf von Habsburg bis zu jenen, die bis zum Zusammenbruch der Monarchie in Österreich (Stichdatum: November 1918) geboren wurden beziehungsweise bis zu diesem Zeitpunkt in die Familie eingeheiratet haben.

Kleinkinder sind nicht aufgenommen – mit ganz wenig Ausnahmen: So erscheint der vorletzte spanische Habsburger, der nur vier Jahre alt gewordene Philipp Prosper auf, weil er kurze Zeit lang von realer politischer Bedeutung war (und zwar im Zusammenhang mit dem Pyrenäenfrieden zwischen Spanien und Frankreich 1659) und außerdem in einem prächtigen Porträt von Velásquez auch bildlich für die Nachwelt Gestalt angenommen hat.

Weiters wurden nur eheliche Kinder aufgenommen. Freilich gibt es auch hier wichtige Ausnahmen. Auf den legendären Sieger von Lepanto, Don Juan d’Austria, den legitimierten Sohn Kaiser Karl V. mit der Regensburger Bürgerstochter Barbara Blomberg, konnte hier ebensowenig verzichtet werden wie auf seinen gleichnamigen Verwandten, den legitimierten Sohn König Philipps IV. und der Schauspielerin Maria Calderon. Und auch Margarete, die tüchtige Statthalterin der spanischen Niederlande, Tochter Karls V. und einer Niederländerin, gehört in die Geschichte des Hauses Habsburg unbedingt hinein. Außerdem sind die beiden Söhne aus der geheimen Ehe Ferdinands II. von Tirol mit Philippine Welser, Andreas und Karl von Burgau, vertreten wie die beiden legitimierten Söhne Kaiser Maximilians I. mit einer Salzburgerin, Georg und Cornelius.

Die Artikel sind von rund vierzig Historikern verfaßt. Eigenheiten dieser Autoren wurden beibehalten und die Vereinheitlichung nicht auf die Spitze getrieben. Jeder Artikel bildet so für sich eine Einheit. Mit Absicht wurden internationale Fachleute zur Mitarbeit gewonnen, um vor allem die Internationalität der Geschichte des Hauses Habsburg zu unterstreichen und keineswegs alles aus dem Wiener Blickwinkel zu sehen.

Die Anordnung der Biographien ist alphabetisch und innerhalb desselben Namens chronologisch. Die schwierige Einordnung von Doppelnamen ist so geregelt: Stets ist der erste Name ausschlaggebend – also Franz Ferdinand ist unter Franz zu finden, Karl Ambros unter Karl usw. Eine Ausnahme bildet der Name Maria. Er ist als einziger aufgeteilt. Das heißt, es gibt eine Reihe Maria, Maria Anna, Maria Antonia usw. Die Vielfalt der Schreibweisen (etwa Marie Louise, Maria Luisa, Maria Ludovika) mag auf den ersten Blick verwirrend sein, war aber kaum zu vereinheitlichen. Denn gerade die Frauen änderten sehr häufig ihre Namen: aus der wienerischen Maria Antonia wurde in Paris Marie Antoinette, aus der spanischen Maria Teresa in Wien Maria Theresia usw. Die jeweils gängigste und wichtigste Form wurde als Stichwort gewählt.

Jeder Artikel bringt im Vorspann den Hinweis auf habsburgische Abkunft bzw. Ehepartner. Die (habsburgischen) Kinder sind bei den Müttern vollzählig erwähnt. Wenn eine Habsburgerin allerdings in eine andere Familie einheiratete, sind ihre Kinder (da ja keine Habsburger) nicht vollständig angeführt. Da dieses Lexikon sowohl die eingeheirateten Habsburgerinnen als auch diejenigen, die als Habsburgerinnen geboren und dann in eine andere Familie einheirateten, porträtiert, ist die Zahl der Frauen etwa doppelt so hoch wie die der Männer.

Die Internationalität der Habsburger Geschichte ist ja hauptsächlich auf diese rege Heiratspolitik zurückzuführen. So hatte König Ludwig XIV. von Frankreich sowohl eine habsburgische Mutter als auch eine habsburgische Ehefrau. Habsburgerinnen waren Königinnen von Frankreich, von Polen, von Spanien, von Portugal. Leopoldine wurde Kaiserin von Brasilien und Anna 1594 als Königin von Polen in Upsala auch zur Königin von Schweden gekrönt. Auch Königin Maria Tudor von England („Bloody Mary“) war als Gemahlin Philipps II. in dieses Lexikon aufzunehmen.

Sämtliche hier vertretenen Habsburger sind auch auf den Stammtafeln zu finden. Von der Beigabe von Landkarten wurde nach langer Überlegung Abstand genommen. Denn sinnvollerweise müßte es eine ganze Reihe von Karten sein, und dafür fehlt hier der Platz. Es sei also auf die historischen Atlanten verwiesen.

Auch die Literaturangaben boten Schwierigkeiten. Vollständigkeit hätte der gebotene Platz nicht erlaubt. Es wird hier nur die Standardliteratur erwähnt, auch Dissertationen, gelegentlich wenn überhaupt keine Literatur vorhanden ist, auch Romane, die extra gekennzeichnet sind. Auch die internationalen biographischen Handbücher sind nicht zitiert. Ihre Benützung wird für eine spezielle Beschäftigung mit dem Thema als selbstverständlich angenommen.

Wien, im Frühjahr 1988

Brigitte Hamann

Die Habsburger vor König Rudolf I.

Die um die Mitte des 12. Jahrhunderts aufgezeichnete Gründungsgeschichte des habsburgischen Hausklosters Muri im Aargau nennt Guntram den Reichen, der etwa in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts gelebt haben dürfte, als Ahnherrn des Geschlechts. Ob er mit einem Grafen gleichen Namens identifiziert werden kann, der unter Otto dem Großen 952 wegen Hochverrats mit dem Verlust seiner Güter bestraft wurde, bleibt ungewiß. Weiter zurückreichende genealogische Vermutungen sind hypothetisch.

Guntrams Sohn Lanzelin (Landolt) soll den Ort Muri in seine Gewalt gebracht haben. Dessen Sohn Ratbod (gest. vor 1045) jedenfalls stiftete dort ein Kloster, das zur Begräbnisstätte mehrerer älterer Habsburger wurde und dessen reiche Ausstattung den weitgespannten Besitz der Familie erkennen läßt. Ratbod ist 1023 als Graf im Klettgau, einer fruchtbaren Landschaft nördlich des Rheins zwischen Waldshut und Schaffhausen, bezeugt. Seine Gattin Ita war wohl eine Tochter der Herzogin Beatrix von Lothringen, der Schwester des Stammvaters des französischen Königshauses Hugo Capet.

Gefördert oder vielleicht sogar angeregt wurde die Stiftung des Klosters Muri durch Bischof Werner von Straßburg (1002–1028), einen Jugendfreund Kaiser Heinrichs II. Er zog unter anderem 1020 mit schwäbischen Adeligen gegen das Burgunderreich zu Felde und starb als kaiserlicher Gesandter am Hofe von Konstantinopel. Wenn wir den Angaben der Acta Murensia, der Gründungsgeschichte von Muri, Glauben schenken dürfen, war er ein Bruder Itas, der Gattin Ratbods. Im Gegensatz dazu bezeichnet ihn die am Anfang des 12. Jahrhunderts gefälschte Gründungsurkunde von Muri ebenso wie die Ebersheimer Chronik als Ratbods Bruder, also als Habsburger. Wie dem auch sei, er hat jedenfalls als einflußreicher Staatsmann maßgeblich zur Stärkung des Ansehens der Familie beigetragen.

Ratbod teilte den Familienbesitz mit seinem jüngeren Bruder Rudolf I. Er selbst übernahm die Güter im Aargau und im Klettgau, während Rudolf jene im Oberelsaß und in der Rauhen Alb erhielt. Letzterer stiftete gemeinsam mit seiner Gemahlin Kunigunde, die möglicherweise dem Haus der Grafen von Zollern angehörte, das Nonnenkloster Ottmarsheim im Oberelsaß, das er der Römischen Kirche übereignete. Es wurde 1049 von dem aus vornehmstem alemannischen Adel stammenden Papst Leo IX. eingeweiht. Daß die Klosterkirche als Oktogon nach dem Vorbild der Aachener Pfalzkapelle Karls des Großen gestaltet wurde, zeugt vom Selbstbewußtsein der Stifterfamilie.

Nach dem Tode Rudolfs I., dessen Ehe kinderlos blieb, vereinigte Ratbod wieder das gesamte Erbe des Hauses in seiner Hand, das er seinen drei Söhnen Otto I., Albrecht I. und Werner I. (II., wenn man Bischof Werner von Straßburg als Habsburger ansieht) hinterließ. Werner (gest. 1096) war der bedeutendste unter ihnen. Vermählt mit Reginlind aus unbekanntem Geschlecht, reformierte er das Hauskloster Muri im Geiste der gregorianisch-hirsauischen Richtung und stand in den schweren Kämpfen des Investiturstreites auf der Seite der päpstlichen Partei. Er hatte zwei Söhne, Otto II. und Albrecht II.

Otto II. (gest. 8. September 1111) war der erste, der sich, wie es damals allgemein üblich wurde, nach dem Stammsitz seiner Familie »Graf von Habsburg« nannte. Es ist aber nicht sicher, ob die im sogenannten »Eigen« zwischen Aare und Reuß gelegene, in den zwanziger Jahren des 11. Jahrhunderts gegründete »Habsburg« (Habichtsburg) wirklich der älteste Ansitz des zweifellos schon vor deren Errichtung reichbegüterten und vornehmen Hauses anzusehen ist. Möglicherweise ist das Haus Habsburg gar nicht im Aargau, sondern im Oberelsaß beheimatet gewesen. Otto II., der 1108 im Gefolge Kaiser Heinrichs V. auf einem Feldzug gegen Ungarn als erster seines Hauses den Boden Österreichs betrat, war Vogt bedeutender Besitzungen des Bistums Straßburg und vielleicht bereits Landgraf im Oberelsaß.

Sicher bekleidete diese Würde im Jahre 1135 sein Sohn Werner II. (III.), dem es auch gelang, die Vogtei des altehrwürdigen und reichbegüterten Benediktinerklosters Murbach im Oberelsaß in seinen Besitz zu bringen. Murbach hatte ein Tochterkloster in Luzern; die Besitzungen erstreckten sich von den Vogesen bis in den Zürich- und Aargau. Von seinem 1141 verstorbenen Oheim Albrecht II. erbte Werner außerdem die Vogteigewalt über das Hauskloster Muri. Er stand in guten Beziehungen zum staufischen Hause und erlag wahrscheinlich im Sommer 1167 vor Rom der Seuche, die das kaiserliche Heer dezimierte.

Sein einziger Sohn Albrecht III. (gest. vor dem 1. März 1201) war mit Ita, der Tochter Rudolfs, des letzten Grafen von Pfullendorf, vermählt; er beerbte jedoch seinen Schwiegervater nicht, weil dieser seinen Besitz an Friedrich Barbarossa übergeben hatte. Der Kaiser entschädigte den Habsburger durch bedeutende Zuwendungen aus dem Erbe des 1172/73 erloschenen Grafengeschlechts von Lenzburg; Abrecht erhielt den Westteil der Grafschaft im Zürichgau bis zur Reuß und die Vogtei über das Kloster Säckingen am Rhein. Ob er auch die 1232 als habsburgisch belegte Grafschaft im Aargau bereits damals erwerben konnte, ist unsicher.

Der Sohn von Albrecht III., Rudolf II. (gest. vor 10. April 1232, verheiratet mit Agnes aus dem Hause der Edlen von Staufen, die zwischen Speyer und Worms beheimatet waren und nicht mit der Kaiserdynastie zu verwechseln sind), nahm an den politischen Auseinandersetzungen, die das Reich nach dem Tode Heinrichs VI. erschütterten, lebhaften Anteil. Anfangs auf der Seite Ottos IV. stehend, wandte er sich bald der staufischen Partei zu und trat in ein nahes, persönliches Verhältnis zu Friedrich II., der nach dem Aussterben des Hauses der Zähringer die Reichsvogtei Uri an die Habsburger gab (1218). Diese – wegen der kurz davor erfolgten Eröffnung der Straße über den St. Gotthard – wichtige Position verloren sie jedoch bereits 1231 wieder, als König Heinrich VII. den Urnern die Reichsunmittelbarkeit bestätigte. Wichtig für die Habsburger war der Erwerb der Grafschaft im Frickgau, die ein Bindeglied zwischen ihren elsässischen und aargauischen Gütern darstellte.

Die Söhne Rudolfs II., Albrecht IV. (gest. 1239 oder 1240 auf einer Fahrt ins Heilige Land) und Rudolf III., teilten in den Jahren 1232–1239 die Besitzungen ihres Hauses. Seither gab es neben der von Albrecht IV. begründeten Hauptlinie noch eine verhältnismäßig unbedeutende jüngere (Laufenburger) Linie, die 1415 erlosch. Letztere erhielt die Grafschaftsrechte im südlichen Zürichgau (Zug, Schwyz, Unterwalden) samt den dortigen Allodial- und Lehensgütern, die Vogtei über die Hausklöster Muri und Ottmarsheim sowie ferner Sempach, Willisau und Laufenburg. Die Landgrafschaft im Oberelsaß, anfangs beiden Linien gemeinsam, ging sehr bald an die Hauptlinie über.

Albrecht IV. unterhielt enge Beziehungen zum Kaiserhof. 1228 war er als erwählter Kriegshauptmann der Stadt Straßburg erfolgreich. Er hinterließ aus seiner Ehe mit Heilwig von Kiburg drei Söhne. Der älteste war Rudolf IV., der spätere König. Sein Bruder Hartmann geriet als kaiserlicher Parteigänger in der Lombardei in Gefangenschaft, in der er vor 1253 starb, während sich Albrecht V. der geistlichen Laufbahn zuwandte und als Domherr von Basel und Straßburg gleich seinen Verwandten aus der Laufenberger Linie der päpstlichen Richtung anhing.

Die Schwestern Albrechts IV., Heilwig und Gertrud, waren mit den Grafen Hermann und Ludwig von Froburg vermählt. Von seinen zwei Töchtern war eine in erster Ehe mit dem Grafen Heinrich von Küssaberg verheiratet, in zweiter Ehe mit Otto von Ochsenstein, während die andere in das Dominikanerinnenkloster Adelhausen bei Freiburg im Breisgau eintrat. Außerdem bestanden verwandtschaftliche Beziehungen der älteren Habsburger zu den Grafen von Mömpelgard, Pfirt, Leiningen, den Burggrafen von Nürnberg und anderen Geschlechtern.

Alle diese persönlichen und Familienverbindungen lassen erkennen, welchem Lebenskreis die Habsburger anfänglich angehörten. Sie zählten nicht zu den Reichsfürsten, sie waren nicht mit auswärtigen Dynastien versippt, und sie beherrschten kein in sich geschlossenes Territorium. Sie standen aber mit den führenden Adelshäusern in weiten Teilen des sich auflösenden Herzogtums Schwaben und des Oberelsaß sowie mit den bischöflichen Kirchen von Basel und Straßburg in mannigfaltiger Beziehung. Ihre politische Interessensphäre berührte sich sehr stark mit jener des staufischen Kaiserhauses. Als Grafen mit öffentlichen Hoheitsrechten ausgestattet, im Besitz reicher Allodial- und Lehensgüter und wichtiger Kirchenvogteien, führten sie einen zähen und erfolgreichen Kampf um den Ausbau ihrer Position, der vielfach durch das Aussterben mächtiger Dynastenfamilien begünstigt wurde.

Lit.: Die beste Gesamtdarstellung bei Oswald Redlich, Rudolf von Habsburg, 1903, Nachdruck 1965, 5–21, mit Stammtafeln; Vollständige kritische Bewertung der Quellenaussagen bei Harald Steinacker, Regesta Habsburgica 1/1, Die Regesten der Grafen von Habsburg bis 1281, 1905; Alphons Lhotsky, Apis Colonna. Fabeln und Theorien über die Abkunft der Habsburger, Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 55, 1944.

A.

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