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Elfriede Ott

Auch lachen kann man lernen

ELFRIEDE OTT

AUCH LACHEN

KANN MAM

LERNER

MEINE JÜDISCHEN UND ANDERE WITZE

MIT ZEICHNUNGEN VON CHRISTIAN QUALTINGER

AMALTHEA

Ich danke Brigitte Sinhuber, Uli Schulenburg und Fritzi Kubik für die lebhafte Mitarbeit an meinem Buch.

© 2015 by Amalthea Signum Verlag, Wien

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Elisabeth Pirker/OFFBEAT

Umschlagfoto: © Oliver Schopf

Zeichnungen: © Christian Qualtinger/Thomas Sessler Verlag

Satz: VerlagsService Dietmar Schmitz GmbH, Heimstetten

Gesetzt aus der 11,75/14,75 Punkt Adobe Garamond Pro

ISBN 978-3-85002-910-0

eISBN 978-3-902998-81-1

Da sollen einmal – bitte, ich weiß nicht, ob’s wirklich wahr ist! –, da sollen einmal in einem Affenkäfig zwei uralte Paviane nebeneinander gesessen sein. Die haben sich durch die Gitterstäbe die Menschen angeschaut, die vorbeikamen. Viele Menschen waren da: dumme, dicke, hässliche, hagere, alberne (die zu den Tieren immer so »Eiguckiputzi« machen wie bei einem Säugling). Also die beiden betrachten sinnend die Prachtexemplare der vorbeispazierenden Menschheit. Auf einmal schüttelt der eine sein kluges Haupt und sagt zum andern: »No, sag selbst – war der Darwin nicht unser größter Feind …?«

VORWORT

Ein neues Buch mit Witzigem? Ich bin leider gar keine Witzfrau!

Mit jüdischen Witzen? Bei diesem Thema muss ich zu Hans Weigel greifen. Er hat zu einer Zeit, in der das eigentlich noch nicht möglich war, ein kleines Buch geschrieben zu genau diesem Thema. Der Titel des Buches lautete »Man derf schon. Kaleidoskop jüdischer und anderer Witze«, und es erschien 1987. Ich durfte damals sogar am Entstehen des Buches mitwirken.

Es war Sommer – wir waren gerade auf Urlaub auf einer Alm und diskutierten, ob man über jüdische Witze schon lachen dürfe. Hans war fasziniert von diesem Thema. Meine Auffassung – meine Überzeugung – war, dass es nichts mehr zum Lachen gibt, seit der jüdische Witz tot ist. Er ist das Zentrum des Humors, weil er Tiefe hat und immer ins Menschliche trifft.

Hans war in der Folge der Kritik einiger Zeitgenossen ausgesetzt, die für dieses Buch kein Verständnis hatten, allen voran Friedrich Torberg und Gerhard Bronner. Trotz unserer Bedenken entschied sich Hans, sein Vorhaben umzusetzen. Die Witze, die er schon in seinem Kopf hatte, kamen ihm wieder ins Bewusstsein. Einer seiner Lieblingswitze, den er mir damals erzählte, ist der Seilbahnwitz, der Ihnen nicht erspart bleibt.

Leider hab ich schon immer unter Witzen gelitten, weil ich sie mir nicht gemerkt habe! Ich spielte zu dieser Zeit in den Kammerspielen mit allen meinen Lieblingspartnern: Ernst Waldbrunn, Maxi Böhm, Fredi Böhm, Fritz Muliar … und die haben in den Pausen ununterbrochen Witze erzählt.

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»Was ist ein Witz? Eine Wahrheit, die passiert sein könnte!«

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Maxi kommt in das Theater und stürzt in meine Garderobe: »Stell dir vor, was mir passiert ist: Geh ich über die Rotenturmstraße, kommt ein Autofahrer, bremst knapp vor mir und schreit mich wütend an: ›Können S’ denn net aufpassen, Sie sind heut schon der Dritte, in den ich fast hineingefahren wäre.‹«

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Da mein vorletztes Buch »Worüber ich lache« von Ihnen, meinen verehrten Leserinnen und Lesern, mit Freude angenommen wurde, dachte ich, ich muss mit Hans Weigels Buch als Unterstützung eine neue Sammlung vorlegen. »Man derf schon« hat Hans mir gewidmet, und so schaue ich ein bissl hinein und fühl mich auch berechtigt, mir einiges auszuborgen für den ersten Teil dieses Buches, in dem Sie seine klugen und pointierten Gedanken mit von ihm ausgewählten Beispielen lesen können. Danach folgt meine ganz persönliche Sammlung von Witzen, in die ich eigene Erlebnisse und Begegnungen eingefügt habe.

Ein Schwerpunkt wird auf dem jüdischen Witz liegen. Nun sind im Grunde genommen zwei Fragen zu klären: Was ist ein Witz im Allgemeinen und was macht den jüdischen Witz im Speziellen aus?

Schon Hans Weigel hat vor über 20 Jahren auf die erste Frage keine rechte Antwort gewusst, und ich denke nicht, dass ich inzwischen eine gefunden habe, die ihn befriedigt hätte. Ich glaube auch nicht, dass das besonders wichtig ist. Ganz einfach, weil ich – so wie er – gerne Menschen unterhalten und sie zum Lachen bringen möchte.

Wann aber ist nun etwas, das wir nicht erklären können, jüdisch? Oder anders gefragt: Was ist ein jüdischer Witz? Reicht es, dass Herr Kohn und Herr Löwy in ein Gebäude gehen, damit ein jüdischer Witz herauskommt? JA!

Sicher, es gibt einen bestimmten Jargon, einen besonderen Geist. Hans schreibt in Bezug auf den jüdischen Flüsterwitz: von »tragisch rührender Abwehr« oder »selbstironischer Größe«. Es gibt Witzarten, die (ähnliche) Stereotype aufgreifen. Mir fallen spontan Burgenländer-, Ostfriesen- und Schottenwitze ein. In diesen Witzen sind die Personen und Nationalitäten charakteristisch für die jeweilige Landschaft. Selbstverständlich mögen wir die Burgenländer lieber als die Ostfriesen.

Der jüdische Witz hat ein Charakteristikum: Er rührt – er lässt die Seele schwingen.

Die Witze sind thematisch geordnet von klassischen Gestalten wie dem kleinen Moritz bis zur Frau Pollack und dem Grafen Bobby.

Mir liegt der politische Witz wenig am Herzen, und er hat in meiner Auswahl auch keinen Platz. Außerdem ändern sich die Situationen täglich, die Akteure sind rasch vergessen und die Konstellationen schnell überholt.

Sie werden in diesem Buch neben dem jüdischen Witz auch den christlichen Witz und die theatralische Anekdote finden. Sie besteht vorwiegend darin, dass man sich über skurrile Situationen der Theater-, Opern- oder überhaupt Künstlerwelt und ihre diversen komischen Fehlleistungen amüsiert. Außerdem finden Sie den charmanten Witz sowie den intellektuellen Witz, der den Intellekt nicht zum Thema hat, sondern ihn voraussetzt, um die meist gut versteckten Pointen zu entdecken.

Abschließend sei gesagt, dass all diese Definitionen und Klassifikationen meine eigenen sind und keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit stellen.

Und jetzt komme ich endlich zum Lieblingswitz von Hans Weigel, dem vorhin erwähnten Seilbahnwitz. Ich konnte ihn immer und immer wieder hören, und Hans dehnte ihn auch noch auf die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer aus. Es ist ein Unendlichkeitswitz! Im Laufe der Zeit hielt ich mir dann schon die Ohren zu, wenn ich ihn hörte:

Zwei Herren sitzen in einer Seilbahn, die, wie schon der Name sagt, an einem Seil bergauf gezogen wird. Der eine Herr sitzt stumm zuhörend daneben, während der andere mit einer ihm gegenübersitzenden Dame allmählich ins Gespräch kommt.

DIE DAME: Ich hab das Gefühl, dass Sie technisch sehr versiert sind, und da …

DER ANDERE HERR: Aber gar nicht, gnädige Frau …

DIE DAME: Aber mit so Seilbahnen wie der, in der wir jetzt sitzen, kennen Sie sich doch aus!

DER ANDERE HERR: Ein ganz klein wenig, gnädige Frau, weil ich mit einem Ingenieur befreundet bin.

DIE DAME: No, dann erklären Sie mir etwas, bitte. Unser Zug hängt doch an einem Seil. Was geschieht, wenn das Seil reißt?

DER ANDERE HERR: Das Seil kann nicht reißen, gnädige Frau. Es hat die vielfache Tragfähigkeit. Es könnte zehn solche Züge hinaufziehen, und es wird außerdem jeden Morgen genau überprüft.

DIE DAME: No ja, am Morgen! Und was geschieht am Nachmittag?

DER ANDERE HERR: Kann es auch nicht reißen. Aber selbst für den völlig auszuschließenden Fall, dass etwas mit dem Seil nicht in Ordnung sein sollte, sollte, sage ich … Der Zug hängt auch an einem zweiten Seil, einem Reserveseil; und wenn das Seil versagen sollte – sollte, sage ich –, ist dieses Reserveseil da und zieht den Zug in die Höhe beziehungsweise hält ihn bei der Abwärtsbewegung.

DIE DAME: No ja, schön, aber wenn etwas mit dem Seil nicht in Ordnung ist, könnte ja auch etwas mit dem Reserveseil nicht in Ordnung sein.

DER ANDERE HERR: Könnte nicht, sage ich. Aber mein Freund, der Ingenieur, hat mir erzählt, dass es auch noch eine automatische Bremse gibt. Die ist genau programmiert; und wenn irgendetwas mit der Geschwindigkeit nicht normal ist, tritt diese Bremse in Funktion und bringt den Zug zum Stehen.

DIE DAME: Ja, aber wenn ein Seil nicht in Ordnung ist und ein Reserveseil nicht in Ordnung ist, könnte doch auch eine Bremse nicht in Ordnung sein. Was geschieht dann?

DER ANDERE HERR: Liebe gnädige Frau, es ist völlig sinnlos, dass wir dieses Gespräch führen; aber so viel weiß ich immerhin, dass vor der Einführung der automatischen Bremsen da eine Handbremse war, und die ist noch immer da, sehen Sie: dort vorn, wo der Zugbegleiter steht. Der beobachtet alles genau, und sobald etwas irregulär ist, setzt er die Handbremse in Funktion, und der Zug bleibt stehen.

DIE DAME: Das ist lächerlich! Wenn die Handbremse so perfekt wäre, hätte man ja die automatische Bremse nicht eingeführt! Also sagen Sie mir, bitte, was geschieht, wenn das Seil reißt und das Reserveseil reißt und die automatische Bremse versagt und die Handbremse versagt?

DER ANDERE HERR (schon etwas zornig): Es ist wirklich lächerlich, gnädige Frau, verzeihen Sie bitte, aber wie gesagt, mein Freund, der Ingenieur – der Zug gleitet auf Schienen, und in diese Schienen sind in Abständen von je einem Meter rechts und links Bolzen eingebaut, die schiebt der Zug, wenn er sich bewegt, weg, und sobald er vorbei ist, kommen sie wieder rechts und links in ihre Position und halten den Zug, wenn etwas nicht in Ordnung ist, spätestens nach einem Meter auf.

DIE DAME (nicht aus der Ruhe zu bringen): Na ja, aber diese Bolzen sind an unwegsamen Stellen, die kann man bestimmt nicht regelmäßig kontrollieren. Die können zum Beispiel verrosten … Jetzt sagen Sie mir, bitte, was passiert, wenn das Seil reißt und das Reserveseil reißt und die automatischen Bremsen versagen und die Handbremse versagt oder auch der Zugbegleiter, und wenn die Bolzen defekt sind!

DER ANDERE HERR (sehr zornig): Wenn das Seil reißt und das Reserveseil reißt und die automatischen Bremsen versagen und die Handbremse versagt oder auch der Zugbegleiter und wenn die Bolzen defekt sind, dann, gnädige Frau, dann können Sie mich!

DER EINE HERR (sehr ruhig): Mich schon seit dem Reserveseil!

Hans Weigel war ein »Apropos«-Erzähler. Man konnte ihn prüfen. Er wusste zu jeder Situation einen Witz. Aus seinem Urgrund heraus. Aus seiner witzigen, scharfen, weichen, geschliffenen, mutigen, empfindlichen, bäuerlichen Seele heraus. Den nun folgenden Witz musste er einfach immer wieder vorspielen.

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Hans, den Kopf tief über ein Buch gebeugt, Brille tief auf der Nase.

Vater: »Moritz, halt dich grad!«

Hans führte den Befehl aus, indem seine Augen über den oberen Brillenrand schauten!

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Hans Weigel musste mir auch immer wieder Geschichten aus seiner Kindheit erzählen. Von seiner Kinderfrau, die er wie ein Kind behandelt hat, von seiner Klavierlehrerin, die gesagt hat: »Wenn ich dich noch einmal unterrichte, kannst du mich anspucken!«, und wie er in seinen Kalender geschrieben hat: »Tante anspucken!!!«

Eine Angst hat uns immer gemeinsam überfallen: Die Angst vor der Witzlosigkeit der Mitmenschen. Das Heraussprudeln einer Pointe, die unerwidert bleibt. Da ist nichts mehr zu retten. Jede Erklärung macht alles noch schlimmer. Die Pointe stürzt ab. Bleibt liegen – man hat das Gefühl, nach Jahren wird man noch darüber stolpern.

Es gibt beim Schreiben von Dialogen die so seltene Begabung des Wissens einer Pointe. Wenn ich in den Kammerspielen ein Stück gespielt habe, in dem die Leute zum Lachen gebracht werden sollten, hat mir oft Hans beim Textlernen zugehört und einfach so mit Zwischensätzen dreingeredet. Ich hab sofort mitgeschrieben, und seine Zwischenrufe sind oft Höhepunkte des Abends gewesen.

Und jetzt soll wieder Hans selbst zu Wort kommen.

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»Weil Kürze doch des Witzes Seele ist«, so sagt Polonius bei Shakespeare. Und wenn Shakespeare beziehungsweise die Kompanie Schlegel, Tieck und Konsorten den Terminus »Witz« nicht in dem Sinn verwenden wie wir heute, weil er bei ihnen etwa mit »Geist« identisch ist, gilt auch für das, was dieser Schrift Inhalt sein soll, und auch »Witz« genannt wird, das Gebot der Kürze.

Es wird im Folgenden möglichst viele Witze geben, und sie werden möglichst authentisch und möglichst kurzgefasst sein. Ja, aber … aber es gibt Ausnahmen. Und der schon weiter oben erzählte Seilbahn- oder Reserveseil-Witz ist eine solche Ausnahme. Er ist für mich ein Ur-Witz. Ein Witz, der zum Bestandteil des Bewusstseins wird. Den man zitieren und dabei Einverständnis voraussetzen kann. Ein Ehe- oder Liebespaar, das immer wieder auseinandergeht und wieder zusammenkommt – man sagt bei der jüngsten »endgültigen« Trennung: Reserveseil. Und alles ist klar.

Diesen Witz kann man nicht kürzen, man muss ihn in seiner ganzen Breite produzieren und konsumieren, man kann ihn erzählend ad libitum ausschmücken, man kann ihn vorspielen, wobei es wichtig ist, dass die letzte Replik des »anderen Herrn« unterspielt, kaum betont wird, um nicht verfrüht als Pointe empfunden zu werden, denn sie ist ja nur deren Auftakt.

Wird dieser Witz erzählt, ist ein relativ zahlreiches Auditorium angemessen, allgemeine Konzentration; man schalte das Telefon aus, sperre die Hunde hinaus, gebe Auftrag, dass niemand eintrete, bitte um größtmögliche Aufmerksamkeit. Der Erfolg wird diese Modalitäten rechtfertigen.

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Bei dieser Gelegenheit fällt mir Mikosch ein. Dieser magyarische Landedelmann ist ein großer Missversteher und Wörtlichnehmer. Er ließ sich in Wien gern Geschichten erzählen und Rätsel aufgeben.

Einmal fragte ihn der Portier des Hotels Bristol: »Wer ist das, Herr Baron? Es ist nicht mein Bruder und nicht meine Schwester, und ist doch das Kind meiner Eltern?«

»Weiß ich, bitte, nicht.«

»Das bin ich.«

»Großartig, muss ich zu Hause gleich erzählen!«

Mikosch kommt nach Hause und fragt alsbald die Runde seiner Freunde: »Wer ist das? Ist nicht mein Bruder und nicht meine Schwester und ist doch Kind meiner Eltern. – Wisst ihr nicht? Das ist der Portier vom Hotel Bristol in Wien.«

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Die Narren Shakespeares. Eigentlich die Weisen. Sie witzeln die Wahrheit. Sie beweinen, worüber sie lächeln machen. Die Meditationen des Grafen Bobby, auf den ersten Blick leicht schwachsinnig, sind oft sehr weise.

Graf Bobby angesichts eines unter der Last von Paketen stöhnenden Postboten: »Warum schleppen Sie sich so ab? Könnten Sie das nicht durch die Post zustellen lassen?«

Graf Bobby, nach kurzer Ehe geschieden: »Es hat sich herausgestellt: Meine Frau war eine Jungfrau.«

»Und deshalb lässt du dich scheiden?«

»Ja, ich gehe von dem Standpunkt aus: Hab’n die anderen sie nicht wollen, will ich sie auch nicht.«

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Er ist ebenso blöd, wie der »dumme August« dumm ist. Die tiefe Weisheit verbirgt sich im Seichten. Der Graf Bobby ist relativ neueren Datums als Witzfigur, anfangs nannte man ihn »Altgraf«, aber ich erinnere mich dunkel daran, dass irgendjemand insofern protestierte, als es nur einen Aristokraten gab, der den Titel »Altgraf« führte, dass also eine Art Porträtähnlichkeit gegeben sei. Der dazugehörige Partner ist fast immer sein Freund Rudi, gelegentlich auch »Mucki« genannt. Graf Bobby hatte einen Sohn, auf den war er sehr stolz.

»Stellt’s euch vor, neulich läutet’s an der Wohnungstür, mein Bub geht aufmachen und kommt zurück. ›Papa – Papa – Soldat – Soldat!‹, und dann war’s tatsächlich der Briefträger!«

»Großartig, Bobby! Wie alt ist denn dein Bub?«

»Im Dezember wird er 28.«

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Ein junger Mann, dem nachgesagt wurde, dass seine erotischen Interessen eher Männern als Frauen gelten, heiratete überaschenderweise. Die beste Freundin ließ sich von der Braut versprechen, dass sie am nächsten Tag erfahren werde, wie »es« gewesen ist.

»Wir sind in die Wohnung gekommen.«

»Und?«

»Er hat mir den Mantel ausgezogen.«

»Und?«

»Er hat mir die Schuhe ausgezogen.«

»Und?«

»Er hat mir das Kleid ausgezogen.«

»Und?«

»Er hat mir die Wäsche ausgezogen.«

»Und?«

»Er hat mir die Strümpfe ausgezogen.«

»Und?«

»Er hat mir den Büstenhalter ausgezogen.«

»Und?«

»Dann hat er sich das alles angezogen und ist ins Café Paulanerhof gegangen.«

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Graf Bobby tritt in ein Geschäft und verlangt einen Globus. Er dreht nachdenklich die bunte Weltkugel nach allen Seiten. Dann sagt er zögernd: »Ganz fesch, der Globus. Aber jetzt sagen S’ amal: Ham S’ net an Globus von Österreich-Ungarn?«

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Graf Bobby muss verreisen und fürchtet, seine Freundin, die Mizzi, könnte ihn mit dem Grafen Schmeidl betrügen. Er beauftragt daher den Baron Mucki, während seiner Abwesenheit die beiden nicht aus den Augen zu lassen. Nach seiner Rückkehr stürzt Bobby zu Mucki und fragt atemlos: »No, was war?«

»Hör zu, Bobby«, sagt Mucki ein wenig verlegen, »die ersten Tag war gar nix. Aber am Samstag hat die Mizzi mit dem Graf Schmeidl im Separee vom ›Sacher‹ soupiert. No ja – mindestens zehn Flaschen Champagner haben s’ getrunken.

»Na und …?«

»Ja, und dann sind s’ ausgefahren mit dem Fiaker – ich hinten nach – vor ein kleines Hotel. Da sind s’ ausgestiegen und haben beim Portier ein Zimmer verlangt. Ein Zimmer.«

»Na und … ?«

»Ja, und dann sind s’ halt in das Zimmer gegangen. Ich hint nach und hab durch das Schlüsselloch geschaut.«

»Na und … ?«

»Ja, und dann haben s’ sich halt ausgezogen.«

»Na und … ?«

»Ja, und dann sind s’ halt mitsammen ins Bett gegangen.«

»Na und … ?«

Ja, und dann ist das Licht ausgegangen und ich hab nix mehr sehen können.«

»O Gott«, sagt Bobby, »immer diese schreckliche Ungewissheit!«

Bobby kommt sehr spät nach Hause. Frau Wotruba, mütterlich um ihn besorgt, macht ihm gelinde Vorwürfe: »Aber Herr Graf! Die ganze Nacht waren S’ nicht zu Haus! Und jetzt ist es sogar glücklich halb fünf geworden …«

Bobby schüttelt nachsichtig den Kopf: »No, wär ich die ganze Nacht zu Haus geblieben, dann wär es jetzt doch auch halb fünf!«

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Auf der Donau ziehen schwer beladene Lastkähne. Sie liegen tief, nur einen knappen Meter mit dem Deck über dem Wasserspiegel.

Bobby sieht ihnen besorgt nach. »Schau dir das an, Mucki«, sagt er missbilligend. »So a Leichtsinn! Jetzt braucht das Wasser nur um einen Meter zu steigen und die Katastrophe ist da!«

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In der Trambahn redet der Schaffner Graf Bobby mit einem schallenden »Küss die Hand, Herr Graf!« an.

Bobby fragt verwundert: »Woher kennen S’ mich denn?«

»Wenn sich Herr Graf erinnern wollen, bittschön«, sagt der Schaffner, »ich hab doch bei die Dragoner unter Herrn Graf gedient! Ich bin Ihnen halt der Lubarsch! Lubarsch, Jaroslav, linker Fligel! Aus Böhmen!«

»Richtig!«, sagt Bobby erfreut. »No – und wie geht’s Ihnen jetzt?«

»Schlecht, Herr Graf, bittschön! Schwere Arbeit, Frau krank, zwölf Kinder, Podagra, ka Geld!«

»Ja um Gottes willen«, sagt Bobby mitleidig, »da muss man doch etwas tun für Sie! Was kann man denn da bloß tun? Wissen S’ was – geben Sie mir halt noch so an Fahrschein!«

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Stell dir vor, Mucki: Ich fahr nach Linz, und neben mir sitzt ein Herr und liest Zeitung. Auf einmal fällt er um und ist tot. Der Schlag hat ihn getroffen. Furchtbar peinlich! Stell dir vor: dicht neben mir. Wie leicht hätt’ der mich treffen können!«

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Eines Tages besucht Mucki seinen Freund und ist sehr erstaunt, ihn hinter einer großen Pauke zu finden, die er mitten in sein Arbeitszimmer gestellt hat. Da singt er mit verzücktem Gesicht, blickt leer vor sich hin und macht etwa alle drei Minuten einen hallenden Paukenschlag.

»Ja, Bobby«, erkundigt sich Mucki, »was tust du denn da?«

»Psst«, sagt Bobby, »ich musiziere.«

»Ja, was denn?«

»Mozart!«

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Graf Bobby hat sich entschlossen, an einer Kreuzfahrt durch das Mittelmeer teilzunehmen. Schon eine ganze Woche lang schleicht er um eine junge Dame herum, ohne dass sie sich die Mühe macht, seine Nähe zu würdigen. Als sie wieder einmal einsam an der Reling lehnt, wagt Bobby einen Frontalangriff: »Fräulein, fahren Sie auch mit diesem Schiff?«

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Baron Mucki berichtet, er habe im Varieté einen kleinen Zwerg gesehen.