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GEORG MARKUS

Wenn man
trotzdem lacht

Geschichte und Geschichten
des österreichischen Humors

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www.amalthea.at

© 2012 by Amalthea Signum Verlag, Wien

Alle Rechte vorbehalten

Umschlagsgestaltung: Kurt Hamtil, Verlagsbüro Wien

Umschlagfotos Vorderseite: Johann Nestroy/IMAGNO, Helmut Qualtinger/Erich Lessing,

Karl Farkas/IMAGNO, Maxi Böhm/Gerhard Bartl, Hans Moser/Archiv; Rückseite: Peter

Altenberg/IMAGNO, Gerhard Bronner/privat, Ernst Waldbrunn/Gerhard Sokol, Cissy

Kraner/Doliwa, Fritz Grünbaum/IMAGNO

Herstellung und Satz: VerlagsService Dr. Helmut Neuberger

& Karl Schaumann GmbH, Heimstetten

Gesetzt aus der 12,5/17,15 Goudy

Printed in the EU

ISBN 978-3-85002-804-2

eISBN 978-3-902998-61-3

Für Daniela, Mathias und Moritz,
die meinem Leben
viel Humor schenken

INHALT

Man muss schon sehr viel Humor haben

Fast kein Vorwort

Woher der Wiener Schmäh kommt

Eine Spurensuche

»Aber bitte keine Namen«

Der Humor der Österreicher

»Das Schönste am Seitensprung ist der Anlauf«

Das Unterhaltungskabarett der 1920er Jahre

»Am liebsten ließe ich mich von mir scheiden«

Die Kabarettgenies Fritz Grünbaum und Karl Farkas

»Von nun an wird gesiegt!«

Ein Abstecher zum politischen Witz

»Majestät, ich heiß auch Prohaska«

Pointen, die verboten waren

»Der Mensch ist gut, die Leut’ sind ein Gesindel«

Die Wurzeln des Lachens

»Die Nächstenliebe beginnt bei sich selbst«

Johann Nestroy, der Vater des österreichischen Humors

»Am End’ weiß keiner nix«

Ferdinand Raimund oder Die Tragödie des Komödianten

»Es is a Unglück, wenn aner net Deutsch versteht«

Die Volksschauspieler

»Nichtswürdiger Herr Direktor!«

Der Frosch-König Alexander Girardi

»Wie nehm man denn?«

Hans Moser erfindet den Dienstmann

»Die Zeit von eins bis fünf ist dem Humor geweiht«

Die Meister aus dem Kaffeehaus

»Aber was, bitte sehr, macht man dazwischen?«

Der Sprechsteller Anton Kuh

Lachender Philosoph

Der geniale Dilettant Egon Friedell

»Ich habe ja auch kein Pferd«

In Gesellschaft allein sein: Alfred Polgar

»Und was bin ich geworden? Ein Schnorrer!«

Der Bohemien Peter Altenberg

»Dienst an sich ist Strafe genug«

Roda Roda, der Mann mit dem Monokel

»Der zweite Donnerstag in Scheibbs«

Eigenartiges von Fritz von Herzmanovsky-Orlando

»Humor, der keinen Spaß versteht«

Witz und literarische Kleinkunst von 1931 bis 1938

Vom Maturakränzchen auf die Bühne

Das politische Kabarett

»Auch die Brünetten sind gern allein in ihren Betten«

Ironie und Selbstironie des Peter Hammerschlag

»Gott erhalte die Dinge, gegen die ich bin«

Das Doppelleben des Hans Weigel

»Geh ma halt a bisserl unter«

Jura Soyfer erobert die Kleinkunst

»Eher lernt ein Zebra geigen«

Schüttelreime made in Austria

»… und glaubt er ist ein Meisterschüttler«

Franz Mittler und andere Reimkönige

»Schönheit vergeht, mies bleibt man immer«

Drei Humorkanonen

Der Krankenkassenpatient

Hermann Leopoldi, Klavierhumorist

»Ich glaub, ich bin nicht ganz normal«

Der Volks-Chansonnier Armin Berg

»Das Publikum ist noch müde«

Der Schauspieler und Kabarettist Paul Morgan

»Liest du denn nie das Telefonbuch

Vom Grafen Bobby bis Sigmund Freud

»Ganz die Väter«

Alter Adel

»Nein danke, wir trinken aus der Flasche«

Die neureiche Frau von Pollak

Sigmund Freud lacht …

… und analysiert den Witz

»Weil doch das Porto demnächst teurer wird«

Der Burgenländerwitz

»Wer etwas zu sagen hat, der schweige«

Die Fackel und ihr Herausgeber

»Herr vergib ihnen, denn sie wissen, was sie tun«

Karl Kraus als Satiriker

»Mir wer’n s’ schon demoralisieren!«

Kabarett und verbotene Witze in der Nazizeit

»Ein echter Chineser geht net unter«

oder KZ auf Urlaub

»Das haben wir von dem sogenannten Wiener Humor«

Todesstrafe für einen Witz

Da hört sich der Spaß auf

Verfolgt, vertrieben, vernichtet

»Natürlich sterb ich nicht nur so daher«

Die Ermordung der Humoristen

»Die Kunst, Hitler zu überleben«

Humoristen im Exil

Das Lachen des Jahrhunderts

Karl Farkas kehrt zurück

»Zu alt, um ein zorniger junger Mann zu sein«

Wieder am Simpl

Die Rebellen

Eine neue Form des Kabaretts

»Der Papa wird’s schon richten«

Gerhard Bronner und seine Klassiker

»In Linz müsste man sein«

Das Genie Helmut Qualtinger

Die Ideen des Merz

Qualtingers kongenialer Partner

»Bronner, ich hab eine phantastische Idee«

Peter Wehle, der lachende Zweite

»Tauben vergiften im Park«

Der Musik- und Sprachvirtuose Georg Kreisler

»Dös g’fallet euch Bürgerlichen«

Der volkstümliche Humor

Goethe bei den Löwingers

Lacher für die »kleinen Leute«

Frau Sopherl und Herr Adabei

Vinzenz Chiavaccis Volkstypen

»Wann i, vastehst, was z’reden hätt«

Das Mysterium des Josef Weinheber

Ein Zwickl für den Wondra

Ein Duo erregt Lachstürme

»Wir bringen Ihnen jetzt, ob Sie es hör’n woll’n oder nicht«

Die Wortakrobaten Pirron und Knapp

»Dann war’s doch die Pestsäule«

Die 3 Spitzbuben

»Der Totengräber von St. Stephan«

Die Tschaunerbühne

»Dass dir vierzehn Tag der Schädel wackelt«

»Mundl« und die Familie Sackbauer

Turm auf g’sturbn

Was sich in Österreich alles reimt

Lachen unter Tränen

Jüdischer Witz und jüdische Anekdoten

Treffen sich zwei Chinesen

Sagt der Kohn zum Blau

Humorist wider Willen

Friedrich Torberg, der Vater der Tante Jolesch

»Schule Farkas«

Von Maxi Böhm bis Fritz Muliar

Zwischen Klamauk und Tragödie

Das schwere Los des Maxi Böhm

Er blödelte sich durchs Leben

»Mehr als ein Komiker«: Ernst Waldbrunn

Der Hugo ließ sie nicht verkommen

Hugo Wiener & Cissy Kraner

»Vor dem Lesen vernichten«

Das Phänomen Heinz Conrads

Vom Kabarett ans Burgtheater

Der Volksschauspieler Fritz Muliar

Hat der Humor Zukunft?

Von Steinhauer bis Grissemann

»Verlernen Sie das Lachen nicht.

Sie werden es noch brauchen«

Quellenverzeichnis

MAN MUSS SCHON SEHR VIEL HUMOR HABEN

Fast kein Vorwort

Vorwörter pflegen ernsthaft zu beschreiben, was auf den folgenden 340 Seiten eines Buches stehen wird. Soll man aber ein Buch, das die Geschichte des österreichischen Humors erzählt, mit ernsthaften Worten beginnen? Das würde so manchen Leser zu Recht dazu bringen, es gleich wieder beiseitezulegen.

Wozu also ein Vorwort? Ich kann Sie beruhigen: Es ist keines – oder besser gesagt – fast keines. Dieses Buch erzählt die Geschichte des österreichischen Humors anhand der Biografien und einzelner Anekdoten seiner Schöpfer und Interpreten. Und anhand zahlreicher Beispiele, die diesen Humor dokumentieren. Die Beispiele können nur in Auszügen wiedergegeben werden, denn würde ich ganze Kabarettnummern, Satiren, Chansons oder Witzsammlungen zitieren, entstünde kein Buch, sondern ein 24-bändiger Brockhaus des österreichischen Humors. Ja, in diesem Land findet man, sobald man sich auf die Suche begibt, eine unglaubliche Fülle an Pointen.

Sie werden hier Neues, Ihnen noch Unbekanntes finden, aber auch manch »alten Bekannten«, denn was wäre ein Humorbuch ohne Klassiker, wie das eine oder andere Nestroy-Zitat, den G’schupften Ferdl und diese oder jene Doppelconférence der Herren Farkas und Waldbrunn.

Dass ich nur fast kein Vorwort schreibe, liegt daran, dass ich erwähnen muss, dass dieses Buch in dieser Form nicht entstanden wäre, hätte ich nicht das Glück gehabt, vielen legendären Meistern des österreichischen Humors persönlich begegnet zu sein. Ich konnte sie noch fragen und erhielt auf diese Weise wertvolle Geschichten und Hinweise aus erster Hand. Unter ihnen waren Karl Farkas, Helmut Qualtinger, Gerhard Bronner, Georg Kreisler, Maxi Böhm, Heinz Conrads, Fritz Eckhardt, Paul Hörbiger, Stella Kadmon, Fritz Muliar, Helly Möslein, Bobby Pirron, Friedrich Torberg, Hans Weigel, Ernst Waldbrunn, Peter Wehle, Paul Löwinger, Martin Flossmann, Cissy Kraner und Hugo Wiener. Was sie mir erzählten, ist Teil dieses Buches.

Zu danken habe ich auch Erika Conrads, Felix Dvorak, Erwin Javor, Peter Minich, Guggi Löwinger, Elfriede Ott, Vera Borek, Louise Martini, Trude Marzik, Helmut Zwickl, Ronald Leopoldi und Carina Kerschbaumsteiner, Maximilian Deym und Victoria Bauernberger vom Amalthea-Verlag sowie Dietmar Schmitz. Und ganz besonders Ulrich Schulenburg und Maria Teuchmann vom Thomas-Sessler-Verlag.

Jemand hat einmal auf die Frage, warum es gerade in Österreich eine solche Vielfalt von Humor gibt, geantwortet: »Weil man schon sehr viel Humor haben muss, um in diesem Land leben zu können.«

Damit ist alles gesagt, und ich hör jetzt auf, bevor das noch ein wirkliches Vorwort wird.

Georg Markus
Wien, im August 2012

Woher der Wiener Schmäh kommt

Eine Spurensuche

»Aber bitte keine Namen«
Der Humor der Österreicher

Man kann dem Österreicher so manches nachsagen, nur eines nicht: humorlos zu sein. Das Lachen ist hierzulande von geradezu existenzieller Bedeutung und die Heiterkeit mit der anderer Völker nicht vergleichbar. Es gab zu allen Zeiten Menschen, die ihren Frohsinn nicht verloren hatten – selbst dann, wenn die Umstände ganz und gar nicht danach waren. Zu den mit einer eigenen Humorbegabung ausgestatteten Österreichern zählten berühmte Satiriker, Kabarettisten und Komödianten, aber auch einfache Leute, denen der Schmäh in die Wiege gelegt wurde.

Paul Morgan war ein Profi. Seine Karriere begann gerade, als die österreichisch-ungarische Monarchie ihrem Ende entgegensah, er stellte sich auf Wiener Kabarettbühnen und erzählte lebensnahe Geschichten – wie die von Herrn Pinkus, den ein Problem plagte, das manch einem bekannt vorkommen wird:

»Sie scheinen ein diskreter Mensch zu sein«, sagte Herr Pinkus zu mir, »ich kann Ihnen also getrost anvertrauen, was mir gestern passierte. Ich gehe durch die … na, wie heißt die Straße gleich rechts von der …, die parallel zur … Dingsda läuft. Gegenüber liegt der … -platz, wo an der Ecke das Café … Also, wie ich so gehe, begegne ich der kleinen blonden Frau … Wie heißt sie bloß, Sie kennen sie bestimmt. Ihr Mann hat die Lederhandlung in der Dingsstraße, seinen Kompagnon kennen Sie auch … dessen erste Frau war eine geborene … – Herrgott noch einmal, die dicke Frau, sie liegt mir auf der Zunge.

Also, die blonde Frau erzählt mir, ihr Mann wäre verreist nach … wie heißt das Nest da oben bei … Wir unterhalten uns – wer kommt des Weges? Der Herr … dieser lange, magere Mensch … Sie wissen schon, wen ich meine. Nun, der sieht mich mit der kleinen Frau, glaubt Gott weiß was und sagt, er wird’s ihrem Manne schreiben, dem Dingsda, der jetzt in Dings ist.

Na, was sagen Sie zu der Gemeinheit, mir solche Dinge zu sagen?«

Zu guter Letzt verabschiedete sich Herr Pinkus von Paul Morgan mit den Worten: »Sie können die Geschichte meinetwegen jedem weitererzählen – aber bitte keine Namen!«

Das also ist der Wiener Schmäh. Er kommt – um es ganz offen zu sagen – von überall her, nur nicht aus Wien, wie Hans Weigel, ein Kenner des Heiteren, nachwies: »Der österreichische Komiker Girardi hatte einen italienischen Namen, und seine große Antipodin, die Wiener Volksschauspielerin Hansi Niese, stammte aus Sachsen. Nestroy war böhmischen Ursprungs, Ödön von Horváth balkanisch-magyarisch, selbst das Herrscherhaus wurde aus der Schweiz importiert, und das Wiener Schnitzel stammt aus Italien.« Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen: Hans Moser, der eigentlich Julier hieß, hatte französische Ahnen, die von Karl Farkas kamen aus Ungarn, Fritz Grünbaum wurde in Brünn und Paul Hörbiger in Budapest geboren.

Was, bitte sehr, ist dann das Österreichische am Wiener Schmäh?

Nun, es ist genau diese Mischung, die den Bewohnern des Landes zu einem so ausgeprägt hohen Maß an guter Laune verholfen hat.

Den Humor in der Form, wie wir ihn heute kennen, gibt es seit knapp zweihundert Jahren, beginnend mit Nestroy und Raimund. Was davor war, ist schwer mit unserem Heiterkeitsverständnis zu vereinbaren. Scherze, die der vornestroyanischen Zeit entstammen, können uns nicht mehr zum Lachen bringen, selbst der berühmte Komiker Stranitzky* würde uns mit seinen Reimen, die er – als Wiener Mädel verkleidet – vortrug, kaum ein Schmunzeln entlocken, zu sehr haben sich die Zeiten geändert. In schier endlos langen Strophen jammert Stranitzky als ewige Jungfrau, weil kein Mannsbild an ihm/ihr picken bleiben will, bis er/sie endlich zum Schluss kommt:

Alle Morgen früh, fall ich nieder auf die Knie,

Und ruf alle Götter an, mir zu geben einen Mann!

Mag er bucklig sein – haben auch ein halbes Bein,

Mag er hinken oder stinken,

Nur dass ich nicht bleib allein!

Die Leute haben damals gebrüllt vor Lachen, und Stranitzky war ihr Abgott, eine Art Heinz Conrads der Barockzeit, aber es war nicht unser Humor, bestenfalls ein Vorläufer desselben. Wesentlich näher kommen wir der Sache, sobald wir uns den Pointen des Theatergenies Johann Nestroy nähern. Sein Satz

Die Phönizier haben das Geld erfunden – aber warum so wenig?

würde jedem modernen Kabarettprogramm ebensolche Lacher bescheren wie zu seiner Zeit. Und dieses Zitat von zeitlosem Witz ist nur eines von Hunderten, die er uns hinterlassen hat.

Das Wort Schmäh bedeutet in Österreich eigentlich Lüge, aber unter Wiener Schmäh versteht man den Humor der Bewohner dieser Stadt. Wiener Schmäh haben, heißt nicht einfach lustig sein, er beinhaltet auch Melancholie, Sarkasmus und ein bisserl Bösartigkeit. Der Schmäh war und ist in allen Schichten zu Hause, an der Ringstraße wie in der Vorstadt, auch wenn er da nasal und dort im tiefsten Dialekt vorgetragen wird. Den Wiener Schmäh beherrschen Sektionschefs und Prostituierte, Kutscher und Rechtsanwälte, Oberärzte und Unterläufel.

Eine Frau war gestorben. An ihrem offenen Grab stand ihr Gatte neben dem Hausfreund. Der Hausfreund war völlig gebrochen und weinte fassungslos. Schließlich legte der Gatte tröstend seinen Arm um die Schulter des anderen und meinte: »Nimm’s nicht so schwer. Ich werde sicher noch einmal heiraten!«

Während die Deutschen den Wiener Schmäh – so sie ihn mundartlich verstehen – im Allgemeinen lieben und heute noch für dessen große Vertreter Hans Moser, Paul Hörbiger und Peter Alexander schwärmen, kommt es umgekehrt selten vor, dass der Wiener für deutschen Ulk – auch Schnurre, Klamauk oder Narretei genannt – ein besonderes Faible entwickelt, Loriot und Heinz Erhardt vielleicht ausgenommen. »Der Wiener fällt auf den Schmäh nur selten herein«, meinte Wiens Lokalphilosoph Jörg Mauthe, »der Fremde aber mit Sicherheit. Er nennt’s dann Wiener Charme«.

Zu Österreichs bedeutendsten Satirikern neben Nestroy und Raimund zählen Karl Kraus, Egon Friedell, Alfred Polgar, Fritz Grünbaum, Helmut Qualtinger und Karl Farkas – um mit einer wirklich winzig kleinen Auswahl anhand weniger Beispiele zu beginnen.

Karl Kraus:

Der Wiener wird nie untergeh’n, sondern im Gegenteil, immer hinaufgehen und sich’s richten.

Egon Friedell:

Gott nimmt die Welt nicht ernst, sonst hätte er sie nicht schaffen können.

Alfred Polgar:

Es hat sich bewährt, an das Gute im Menschen zu glauben, aber sich auf das Schlechte zu verlassen.

Fritz Grünbaum:

Auf einen Mann, der Geschichte macht, kommen mindestens tausend Frauen, die Geschichten machen.

Karl Farkas:

Gott hat aus dem Chaos die Welt erschaffen, und wir haben aus der Welt ein Chaos gemacht.

Helmut Qualtinger:

Das Problem für jeden Wiener: Man kann es in Wien nicht aushalten. Aber woanders auch nicht.

Neben diesen und Dutzenden anderen Großen des Wiener Humors haben sich die »kleinen Leute«, wie erwähnt, ihren eigenen Schmäh geschaffen: den Witz – und mit ihm eine Reihe von Witzfiguren. Da wären einmal der Altgraf Bobby und dessen nicht minder vertrottelter Gefährte Rudi.

Bobby und Rudi sind zu den Olympischen Spielen geladen. Bobby fragt, während er die Leichtathleten beobachtet: »Sag, verstehst du das, Rudi, warum rennen denn die Leut’ ständig auf dem Platz hintereinander her?«

»Natürlich«, entgegnet der Freund, »das ist ein Wettrennen. Einer wird der Erste und gewinnt.«

»Aha, verstehe«, sagt Bobby. »Aber warum rennen dann die anderen?«

Zum ehernen Bestand unter Österreichs Witzfiguren zählt auch die neureiche Frau Pollak, die parvenühaft und ungeübt im Gebrauch von Fremdwörtern als Quelle immer wieder neuen Gelächters lebendig bleibt:

»Stellen Sie sich vor, Frau Pollak, in New York wird alle fünf Minuten ein Mann überfahren!«

»Mein Gott, der Arme!«

Zu den Fixpunkten im österreichischen Humor gehören des Weiteren die Witze über die Burgenländer, die ausgerechnet dann ihre Hochkonjunktur erlebten, als einer aus ihren Reihen – nämlich Fred Sinowatz – österreichischer Bundeskanzler wurde:

Warum lagern die Burgenländer so viele leere Weinflaschen im Eiskasten? – Es könnt’ einmal wer kommen, der nix trinken mag.

»Was Humor ist, das hat wohl noch niemand zu erklären vermocht«, meinte Egon Friedell, »und ich glaube, schon der bloße Versuch, diesen Begriff näher bestimmen zu wollen, ist ein Beweis von Humorlosigkeit.«

Da ich mich dieser Gefahr nicht aussetzen will, wende ich mich der ungleich humorvolleren Praxis zu.

* Josef Anton Stranitzky (1676–1726) schuf die Figur des Wiener »Hanswurst«

»Das Schönste am Seitensprung ist der Anlauf«

Das Unterhaltungskabarett der 1920er Jahre

»Am liebsten ließe ich mich von mir scheiden«
Die Kabarettgenies Fritz Grünbaum und Karl Farkas

Mit diesem Zitat von Egon Friedell sind wir in den 1920er Jahren, der Blütezeit des Kabaretts und der Satire, angelangt. Unterhaltungskanonen wie Fritz Grünbaum, Karl Farkas, Hermann Leopoldi, Armin Berg und Paul Morgan brachten das Publikum zum Lachen, dazu kamen die literarischen Kabaretts um Peter Hammerschlag und Jura Soyfer und geniale Satiriker wie Karl Kraus, Anton Kuh, Roda Roda, Alfred Polgar und Friedell eben. Egal, ob es damals um bloße Unterhaltung oder um politisch-zeitkritische Texte ging – alles spielte sich auf höchstem Niveau ab.

Die Zeiten waren schlecht. Und das war die beste Voraussetzung dafür, dass Kabarett und Satire mehr Zuspruch fanden als je zuvor. Die mächtige Monarchie war nach einem grausamen Krieg zur kleinen, bedeutungslosen Republik geworden, deren Bewohner hungern und frieren mussten und auch noch in eine gigantische Inflation schlitterten. Der kürzeste Witz in dieser Zeit:

Treffen sich zwei Kaufleute: »Servus, was treibst du?«

»Preise!«

Die Tristesse erweckte eine Sehnsucht nach befreiendem Lachen, die Menschen wollten Kummer und Sorgen wenigstens für ein paar Stunden loswerden. Kabaretts, Revue- und Operettenhäuser schossen aus dem Boden und boten Humoristen reichlich Gelegenheit für ihre Aufführungen.

Da waren zunächst zwei Brettlgenies, die füreinander bestimmt waren, die einfach zusammenkommen mussten: Fritz Grünbaum und Karl Farkas galten in der Zwischenkriegszeit als die unumschränkten Herrscher des Kabaretts, denen das Publikum zu Füßen lag. Grünbaum war zuerst da, er war um dreizehn Jahre älter, und sein Stern ging wie ein Komet auf. Das Publikum brüllte vor Lachen, wenn er etwa sein Gedicht Die Schöpfung vortrug.

Wenn man so näher betrachtet die Welt,

Die ganze Schöpfung: den Wald und das Feld,

Die Ochsen zu Land und im Wasser die Fischel,

Die Christen in Linz und die Juden in Ischl,

Die Sonn, die bei Tag ist, und den Mond, der bei Nacht ist,

Kurz wenn man bedenkt, wie schön das gemacht ist,

Und weiß, dass das Ganze mit Haut und mit Haar

Doch eigentlich nur eine Postarbeit war,

Weil alles, der Körper, der Geist und die Seele,

Die Hunde, die Pferde, das Schwein, die Kamele,

Die Antisemiten und Israeliten,

Die Rosen, die Lilien und die Banditen,

Die Bankdirektoren, die Schuster und Affen,

Kurz, alles in nur sieben Tagen geschaffen.

Da kann man nur sagen, bewundernd die Pracht:

»Besser, pardon, hätt ich’s auch nicht gemacht« …

Grünbaum war am 7. April 1880 in Brünn als Sohn eines jüdischen Kunsthändlers zur Welt gekommen und begann als Stegreifsprecher, um sein Jusstudium in Wien zu finanzieren. Schon seine ersten Auftritte waren so komisch, dass man ihn als professionellen Conférencier ins Kabarett Hölle holte.

Gestern war ich bei Kopplers geladen.

Wir sind schon befreundet aus Grado, vom Baden.

Das heißt, Freunde vom Baden sind wir nicht,

Wenn ich schon ganz erzählen soll die Geschicht’.

Das Baden macht nämlich uns beiden kein’ Spaß:

Die Luft ist zu trocken, das Meer ist zu nass,

Dann spritzen die Wellen, man hat keine Ruh’,

Man badet und badet und weiß nicht, wozu!

Na, schließlich war uns das beiden zu fad,

Er schimpfte aufs Schwimmen und ich auf das Bad.

Er ging nicht ins Wasser, und ich blieb am Strand,

Was brauch ich viel reden? Heut sind wir bekannt.

Und gestern war ich zum Essen dort.

Also bei Kopplers ist Essen ein Sport.

Alles ist frisch, was dort kommt auf den Tisch,

Nur die Frau Koppler ist nicht mehr ganz frisch.

Aber, was schadet ein übles Gesicht?

Wenn man nicht hinschaut, bemerkt man es nicht.

Ich bin sogar bei der Hausfrau gesessen.

No, ich hab nicht geschaut, ich hab nur gegessen,

Den Blick auf den Teller, das Auge voll Glanz,

Ich kann Ihnen sagen: Das war eine Gans!

Ich meine natürlich nicht die neben mir,

Sondern die Gans auf dem Essgeschirr …

Die Hölle befand sich im Keller des Theaters an der Wien und nützte diese Lage insofern, als sie sich über die »oben« gespielten Operetten lustig machte. Während etwa auf der großen Bühne Lehárs Lustige Witwe aufgeführt wurde, lief in der Hölle die Parodie Die zweite Ehe der lustigen Witwe. Mit den Jahren entwickelte sich das Etablissement vom Kleinoperettentheater zum Kabarett und wurde schließlich zu der Bühne, auf der Fritz Grünbaum die moderne Conférence erfand. Während sich seine Vorgänger meist durch anzügliche Witze und billige Späße hervortaten, faszinierte er durch geistreiches Wortspiel, oft mit aktuellen Bezügen. Vom Keller des Theaters an der Wien aus wurde Grünbaum auf den Wiener und Berliner Revue- und Kabarettbühnen zur absoluten Nummer eins. Der 1,55 Meter kleine und nicht gerade attraktive Fritz Grünbaum wusste seine Chance zu nützen – auch indem er sein wenig vorteilhaftes Äußeres voll Selbstironie in Reimform beschrieb.

Ich bitte, beginnen wir mit der Figur.

Es ist doch sicher, dass meine Statur

An Größe und Breite und überhaupt

Keine michelangelesken Reminiszenzen erlaubt.

Ja, dass ich im Urteil der sehenden Leute

Eher quasi einen Missgriff der Schöpfung bedeute.

Nennen Sie meine Bedenken nicht kleinlich,

So klein wie ich sein, ist wirklich peinlich …

Und über seinen schütteren Haarkranz dichtete er:

Am liebsten ließe ich mich von mir scheiden,

Ich kann nämlich Leute mit Glatze nicht leiden …

Innerlich trag ich den Lockenschatz

Und äußerlich scheint mir die Sonn auf die Glatz!

Für die damalige Zeit außergewöhnlich waren auch die auf offener Bühne vorgetragenen »Publikumsbeschimpfungen« Fritz Grünbaums:

Wenn ich so abends im Cabaret

Schmonzes plaudernd auf dem Podium steh

Da grübel ich oft so in mich hinein:

Wie reizend könnt mein Beruf doch sein

Und wie wär mir beim Cabaret alles doch recht

Wenn’s nur kein Publikum geben möcht …

An dieser Stelle unterbrach sich Grünbaum eines Abends, blickte durch seine dicken Brillen in die erste Tischreihe und sagte: »Meine sehr geehrten Damen und Herren, da ganz vorne. Es ist schon schlimm genug, dass ich Sie in dieser Zeit essen sehen muss, aber muss ich Sie auch noch essen hören?« Um dann mit seinem Gedicht fortzufahren:

Ich hab einen Hass auf das Publikum!

Ich schwör’s – ich schau mich nicht einmal um.

Wenn ich hier auf dem Podium steh

Und notgedrungen hinunterseh

Natürlich – jetzt schrei’n Sie sofort drauf »Oho!«

Aber was soll ich mir tun? Es ist trotzdem so.

Und wenn Sie auch schrei’n, dass die Ohren mir klingen

Sie können ja doch nicht zur Liebe mich zwingen!

Im Herbst 1922 sprang dem 29-jährigen Schauspieler Karl Farkas im Wiener Tagblatt das Inserat »Das Cabaret Simplicissimus sucht Nachwuchskräfte« ins Auge. Er bewarb sich als »Blitzdichter« und forderte Kabarettdirektor Egon Dorn bei seinem Vorstellungsgespräch auf, ihm aktuelle Themen oder prominente Namen zu nennen, auf die er ein Gedicht machen würde. Dorn rief ihm »Leo Slezak« zu, worauf Farkas in der Sekunde dichtete: »Glaubt mir, dass ich euch keinen Schmäh sag’, der beste Sänger ist der Slezak.« Der junge Schauspieler wurde engagiert und trat von nun an täglich im Simpl auf. Das Publikum rief ihm die Namen berühmter Künstler zu, die er zu Kurzgedichten formte: »Die Frau, der ich mein Interesse lieh, das ist die Paula Wessely.« Als ihm eines Abends der Name des Geigers Jan Kubelik zugerufen wurde, »blitzdichtete« Farkas gleich vierzeilig:

Wenn ich in der Stube lieg’,

Denk ich an den Kubelik.

Der hat sogar bei Richard Strauss,

Die allerbeste Strichart ’raus.

Farkas war am 28. Oktober 1893 als Sohn des aus Ungarn stammenden Schuhfabrikanten Moriz Farkas in Wien zur Welt gekommen. Die Vorzeichen, Schauspieler oder gar Kabarettist zu werden, standen schlecht, denn sein Vater bekämpfte die künstlerischen Neigungen seiner beiden Söhne vehement. Bis es zu einer Katastrophe kam. Karls neunzehnjähriger Bruder Stefan wollte akademischer Maler werden, wurde aber vom Vater gezwungen, in die familieneigene Schuhfabrik einzusteigen. Da erhängte sich Stefan Farkas in seinem Zimmer in der elterlichen Wohnung.

Der Vater erkannte nun, wohin sein autoritäres Verhalten geführt hatte. Noch unter schwerem Schock stehend, sagte er zu Karl, für den er bereits eine Karriere als Rechtsanwalt vorgesehen hatte: »Mein Sohn, ich will dich zu nichts zwingen. Mach deine Matura und werde dann, was du für richtig hältst.«

Karl Farkas absolvierte die Handelsakademie und die Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien. Nach dem Krieg rüstete er als Leutnant ab, war als Schauspieler, Opern- und Operettenregisseur in Olmütz, Mährisch-Ostrau und Linz tätig.

Im Herbst 1921 kam er an die Neue Wiener Bühne, spielte Klassiker und Komödien. »Doch auf die Idee, Kabarettist zu werden, wäre ich nie gekommen«, erzählte er später, »da Kabarettisten für mich in dieser Zeit noch zur Gattung niederer Lebewesen zählten.«

Die Inflation der frühen Zwanzigerjahre machte es nötig, über den eigenen Schatten zu springen und sich um einen Nebenerwerb zu kümmern, um überleben zu können.

Farkas wurde nach seinem Vorsprechen im Simpl sehr bald als neuer Star unter den Wiener Kabarettisten gefeiert und war über Nacht eine Berühmtheit. Die Wiener stürmten das Kabarett auf der Wollzeile, um die neuesten Farkas-Reime zu hören – etwa in dem Lied Pflückt ein Mädel Ribisel zur Musik von Ralph Benatzky:

In Wien geht man so gern auf Urlaub,

Genießt die Wälder im Naturlaub.

Doch muss man, ist die Kasse klein,

Sich in Gastein kastein.

Und statt ans Mittelmeer zu fahren,

Hat man keine Mittel mehr zu fahren.

Im Schrebergarten pflückt man heut’,

Die Urlaubsfrüchte mit der Maid:

Pflückt ein Mädel Ribisel,

Zwickt man sie ins Knie bissl.

Pflückt das Mädel Orchideen,

Kriegt sie häufig Storchideen.

Pflückt der Jüngling grüne Mandeln,

Kriegt er Sehnsucht anzubandeln.

Pflückt er mit ihr Rosmarien,

Was geht’s uns an, loss’ mar ihn …

Neben Grünbaum zählte nun auch Farkas zur ersten Garnitur der Conférenciers, für deren Berufsstand er selbstverständlich eine originelle Beschreibung fand:

Ein Conférencier ist ein Mann, der dem Publikum möglichst heiter zu erklären versucht, dass es heutzutage nichts zu lachen gibt.

Doch im Mittelpunkt blieb weiterhin Farkas’ Genie als Blitzdichter. »Es war atemberaubend«, erinnerten sich Simpl-Besucher, »die Leute riefen ihm die dümmsten Sachen zu – und Farkas machte daraus in Sekunden ein kluges Gedicht«. Als etwa der in Genf beheimatete Völkerbund 1922 den Sanierungsplan für Österreich genehmigte, »schüttelte« Farkas den Unterschied zwischen »Frankfurtern« und »Wienern« aus dem Ärmel:

Die Frankfurter werden mit Senf garniert,

Die Wiener werden in Genf saniert.

In dem 1912 als Biercabaret Simplicissimus eröffneten Etablissement – es ist heute das älteste bestehende deutschsprachige Kabarett – traf Farkas auf den kongenialen Fritz Grünbaum, mit dem er nun die ursprünglich aus Budapest kommende Doppelconférence etablierte.

FARKAS: Ich gehe vorgestern über die Straße – ein gellender Pfiff, ein Mann in jagender Hast an mir vorbei, trägt einen Frauenhut.

GRÜNBAUM: Auf dem Kopf?

FARKAS: In der Hand! Hinter ihm die Polizei. Der Mann hatte nämlich in dieser Nacht viermal in ein und demselben Modesalon einen Einbruch verübt.

GRÜNBAUM: Da muss er ja den ganzen Laden ausgeräumt haben.

FARKAS: Nein, einen einzigen Hut hat er gestohlen – für die Frau, die er liebt!

GRÜNBAUM: Warum musste er wegen eines Hutes viermal einbrechen?

FARKAS: Sie hat ihn immer wieder zurückgeschickt – umtauschen!

Neben ihrer Arbeit fürs Unterhaltungskabarett drehten Grünbaum und Farkas Filme, sie schrieben und übersetzten Stücke, Revuen und Textbücher, inszenierten und waren Theaterdirektoren. Farkas bekanntestes Stück war Die Wunder-Bar, er textete den Evergreen Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt und glänzte als schöner Sigismund im Weißen Rössl. Grünbaum wiederum verfasste Libretti für die »Silberne Operette«, die von Ziehrer, Lehár und Kálmán vertont wurden. Die Dollarprinzessin mit der Musik von Leo Fall ist sein bekanntestes Werk, das Robert-Stolz-Lied Du sollst der Kaiser meiner Seele sein und Ich hab das Fräul’n Helen baden sehen sind seine größten Schlager. Trotz der vielen Erfolge in anderen Bereichen blieben Farkas und Grünbaum dem Kabarett treu. Auch wenn Letzterer seine Auftritte so definierte:

Das Cabaret ist mein Ruin!

Naja, jetzt steck ich einmal drin

Und denk mir »Vorwärts mit Courage!«

Und schließlich hab ich doch die Gage

Und kann – was nicht imstand die meisten –

Mir’s reizendste Verhältnis leisten

Allein – ich tu das nicht aus Neigung!

Mir fehlt die inn’re Überzeugung,

Mir fehlt der unbefang’ne Sinn –

Das Cabaret ist mein Ruin!

Farkas wurde schon in der Ersten Republik auch seiner »Definitionen« wegen geliebt, mit denen er Begriffe aus dem Alltagsleben in witziger Form erklärte (und die er in der Zweiten Republik selbstverständlich gerne »wiederverwertete«):

Wir Wiener blicken vertrauensvoll in unsere Vergangenheit.

Politische Umstürze bestehen in der Regel darin, dass die Insassen des Regierungsgebäudes und die der Gefängnisse gegenseitig ausgetauscht werden.

Wenn ein Mann nachgibt, wenn er Unrecht hat, ist er höflich; gibt er nach, wenn er Recht hat, ist er verheiratet.

Die berühmte »gute alte Zeit« verdankt ihr Renommee meist nur dem Umstand, dass ältere Leute schon ein schlechtes Gedächtnis haben.

Wer Geld hat, kommt nach Österreich. Wer kein’s hat, ist schon hier geboren.

Das Sprichwort heißt: Der Dumme hat’s Glück! Aber das geht sich nicht aus. Denn für das bisserl Glück gibt’s zu viel Dumme auf der Welt.

Im Laufe der Zeit ändert sich ein Ehemann: Einst erschöpfte er sich in Beteuerungen – später beteuert er seine Erschöpfung.

Krieg besteht darin, dass Menschen einander töten, ohne einander zu kennen, und zwar auf Befehl von Leuten, die einander sehr gut kennen, aber sich hüten werden, sich gegenseitig umzubringen.

Der Krieg zerstört das, was er zu beschützen vorgibt und bringt die Menschen um, damit sie einer besseren Zukunft entgegensehen.

Ein Flirt ist die Kunst, mit einem blauen Auge davonzukommen, wenn man zu tief in zwei blaue Augen geschaut hat.

Es ist keine Frage, dass die Menschen noch sehr viele Erfindungen machen werden, die Frage ist nur, ob sie diese Erfindungen auch überleben werden.

Das Schönste am Seitensprung ist der Anlauf.

Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen.

Keine Frau ist so schlecht, dass sie nicht die bessere Hälfte eines Mannes sein könnte.

Junge Männer möchten gern treu sein – sind es aber nicht. Altere Männer möchten gern untreu sein – können es aber nicht.

Nur wenn ein Diplomat nicht daran denkt, was er sagt, dann sagt er, was er denkt.

Ein Arzt ist ein Mann, dessen Profession es ist, uns davor zu bewahren, eines natürlichen Todes zu sterben.

Die guten Bücher sollte man verbieten, damit sie auch gelesen werden.

Wie glücklich könnte ein Mann mit seiner Frau leben, wenn er sie nie kennengelernt hätte.

Die zuletzt genannte Pointe traf auf das wirkliche Leben des Karl Farkas nicht zu. Farkas hatte die Schauspielerin Anny Hán bei Probenarbeiten in den Wiener Kammerspielen kennengelernt, sie 1924 geheiratet und mit ihr eine sehr glückliche Ehe geführt. Getrübt wurde das Glück nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Robert, der durch eine Gehirnhautentzündung sein Leben lang geistig behindert blieb – was der Familie in der Nazizeit ein zusätzliches Problem bescherte.

Fritz Grünbaum war dreimal verheiratet, zuletzt mit Lilly Herzl, einer Nichte Theodor Herzls. Doch das Schicksal sollte das Ehepaar grausam treffen.

»Von nun an wird gesiegt!«

Ein Abstecher zum politischen Witz

»Majestät, ich heiß auch Prohaska«
Pointen, die verboten waren

Wie in Zeiten von Not und Elend das Kabarett zu neuer Blüte fand, so erreichte in Zeiten der Zensur der verbotene politische Witz besondere Popularität. Eine gute Pointe war in Monarchien und Diktaturen oft die einzige Möglichkeit, sich gegen die Obrigkeit zur Wehr zu setzen, oder wie es der deutsche Kabarettist Werner Finck formulierte: »Ein Diktator kann Wahlen verfälschen, Meinungsäußerungen knebeln, Fanatiker unschädlich machen. Nur gegen den Witz ist er machtlos.« Tatsächlich ist die Ventilfunktion des Witzes fast so alt wie die Politik, gegen die er sich richtet.

Als sich Roms blutrünstiger Kaiser Nero vor zweitausend Jahren in einen männlichen Sklaven verliebte und diesen sogar öffentlich heiratete, flüsterte der Dichter Seneca seinem Nachbarn an der Hochzeitstafel zu: »Das hätte schon sein Vater tun sollen!«