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G. Praschl-Bichler · J. Cachée

»… von dem
müden Haupte
nehm’ die Krone
ich herab«

Kaiserin Elisabeth privat

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Bildnachweis

Alles im Buch veröffentlichte Bildmaterial
(mit Ausnahme der Bilder Nr. 14–16 aus den Museen
des Mobiliendepots/ehemalige Hofsilber- und Tafelkammer
sowie 30 aus der Porträtsammlung der
Österreichischen Nationalbibliothek, alle Wien)
entstammt einem Privatarchiv.

2. Auflage 1995

Inhalt

Vorwort

1
»… mein Engel, wenn Du mich lieb hast,
so gräme Dich nicht so sehr …«

(Kaiser Franz Joseph an seine Gemahlin)

Über den Alltag und die Sorgen einer jungen Kaiserin

2
»… im Sommer zog sie die Schuhe über die
nackten Füße und trug das Kleid unmittelbar
auf dem nackten Körper.«

(Gräfin Larisch-Wallersee über ihre Tante, die Kaiserin)

Die Garderobe der Kaiserin

3
»Ich bin die Sklavin meiner Haare!«

(Kaiserin Elisabeth über sich selbst)

Über die Haarpflegerituale der Kaiserin

4
»(Vor dem Spiegel) standen die zwei Kaiserinnen
und nahmen an ihren Waden Maß …«

(Graf Hanns Wilczek über die »Wadenkonkurrenz« zwischen
Kaiserin Eugénie von Frankreich und Elisabeth)

Über den Körperkult Elisabeths

5
»Hoffentlich wirst Du in meiner angenehmen
Gesellschaft wieder Freude … am Essen
bekommen.«

(Kaiser Franz Joseph an seine Gemahlin)

Über die Essensgewohnheiten der Kaiserin

6
»Auf den (Turn)Stricken hängend, machte sie
einen phantastischen Eindruck wie ein Wesen
zwischen Schlange und Vogel.«

(Constantin Christomanos über Kaiserin Elisabeth)

Über die sportlichen Aktivitäten der Kaiserin

7
»Trotzdem für Ihre Majestät die Kaiserin
eher ein Eisenbad indiziert ist, kommt
Allerhöchstdieselbe doch zuerst nach Kissingen aus
folgendem Grund …«

(Dr. Kerzl in einem Brief anläßlich eines bevorstehenden
Kuraufenthaltes der Kaiserin)

Über Krankheiten, Kuren und Arzneien

8
»Auf Flügeln des Gesanges, Herzliebchen,
trag ich dich fort …«

(aus dem Lyrischen Intermezzo von Heinrich Heine,
vertont von Felix Mendelssohn-Bartholdy)

Über die künstlerischen Talente der Kaiserin

9
»Wird mir die Welt zu bitter, die Menschen
zu fatal, So schwing ich mich aufs Flügelroß und
mache mich von der Erde los …«

(aus dem poetischen Tagebuch der Kaiserin Elisabeth)

Über die Reisen der Kaiserin

10
»Bitte mir einen kleinen Plan aller Appartements …
zu senden … damit Madame (die Kaiserin), die
benötigten Zimmer auswählen kann.«

(Brief eines Hofsekretärs an den Vermieter von Schloß Sassetôt)

Über Reisevorbereitungen und Reiseaufwand anhand
eines Aufenthaltes in Frankreich

11
»Nicht soll Titania unter Menschen gehn
In diese Welt, wo niemand sie versteht …«

(aus dem poetischen Tagebuch der Kaiserin Elisabeth)

Über Ängste, Aberglauben, Depressionen

12
»… jetzt kniet der alte Kaiser allein am Sarge
seiner Gattin, so einsam, als es ein Mensch auf Erden
nur sein kann …«

(Franz Karl Ginzkey über den verwitweten
Kaiser Franz Joseph)

Das Ende

13
»Es ist ein Elend, wenn man so … von den
Launen einer Person abhängt!«

(Kaiser Franz Joseph über die Friseuse Elisabeths)

Über Hofdamen und Bedienstete der Kaiserin

14
»Es ist ein wunderschönes Bild, die Gestalt
vorzüglich und auch das in jugendlicherem Alter
gedachte Gesicht ähnlich und mit sehr
angenehmem Ausdrucke …«

(Kaiser Franz Joseph über ein nach dem Tod der Kaiserin
gefertigtes Porträt von Julius Benczur)

Bilddokumente und Erinnerungsstücke

Kurzbiographien

Quellen und Literatur

Dank

Register

Vorwort

Dieses Buch vom Privatleben der Kaiserin Elisabeth versteht sich als ergänzendes Gegenstück zu dem vor ein paar Monaten im Amalthea Verlag erschienenen Werk »Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus gehen!« – Kaiser Franz Joseph ganz privat. Wie dieses basiert es auf der Arbeit zweier Autoren. Ein erstes, knapp hundertseitiges Manuskript (Archivmaterial verschiedener ehemaliger Hofdienststellen) stammt von Josef Korzer-Cachée, dem 1987 verstorbenen Verfasser der »Hofküche des Kaisers« (Amalthea Verlag 1985), der in seiner Tätigkeit als Beamter der österreichischen Schlösserverwaltung Material über die Habsburger zusammentrug.1)

Wegen der regen Nachfrage nach dem Buch über den privaten Kaiser Franz Joseph habe ich mich entschlossen, auch dieses – zwar wenig umfangreiche – aber interessante Manuskript zu verwerten. In mehrmonatiger Forschungsarbeit ist es gelungen, aus der Skizze ein plastisches Ganzes zu schaffen, wozu ich mich etlicher Notizen, Briefe und persönlicher Aufzeichnungen verschiedener Zeitgenossen Elisabeths bediente. In Gesprächen mit Nachkommen konnte ich noch einiges Unbekanntes in Erfahrung bringen, um das Werk abzurunden, denn das Thema schien reizvoll genug, ihm einen eigenen Band zu widmen. Wie aktuell es gerade in den letzten Monaten geworden ist, bestätigte vor kurzem eine Wiener Journalistin, die in einem Artikel über »Habsburg in Ewigkeit«2) über den gegenwärtigen Habsburg-Buchtrend räsonierte. Rechtfertigung lieferten ihr zwei verständliche Gründe: Daß nämlich, erstens, was in Großbritannien gut und teuer ist (die Leser mit Skandalgeschichten der Windsors zu versorgen), im deutschen Sprachraum mit der Aufarbeitung der Habsburger Geschichte recht und billig sein muß und daß, zweitens, die toten Mitglieder der österreichischen Herrscherfamilie aus der Kapuzinergruft etwas vermögen, was die Engländer erst zu beweisen hätten: auch »hundert Jahre später« noch aktuell zu sein.

Anlässe genug, das Werk über die »private Kaiserin von Österreich« zu veröffentlichen.

Eine besondere Attraktion stellt das Bildmaterial dar, das einem privaten Archiv entstammt. Absolut einmalig sind die erstmals ziemlich lückenlos wiedergegebenen Aufnahmen der auserwählten Damen um die Kaiserin, die nicht nur ihr offizielles Gefolge bildeten, sondern auch ihre besten Freundinnen waren. Es handelt sich um die von der Kaiserin über alles geschätzte

Ida von Ferenczy, ihre Vorleserin (mit der sie das Duwort tauschte, obwohl deren Familie dem niederen ungarischen Adel entstammte und daher nicht hoffähig war),

um Gräfin Marie Festetics (die in ihren Tagebucheintragungen wichtiges Material über das Leben der Kaiserin hinterließ),

um die sportliche Gräfin Sarolta Mailáth (die als eine der wenigen bei den »Spazierläufen« der Kaiserin das Schrittempo zu halten vermochte),

um Gräfin Irma Sztáray (die die Kaiserin auf ihrer letzten Reise begleitete und in deren Armen sie verstarb) und

endlich um die launenhafte und umworbene Leibfriseuse der Kaiserin, Franziska Feifalik, die mit der Erfindung der Kronenfrisur einen wesentlichen Beitrag zur Gesamterscheinung der Kaiserin leistete.

Was Kaiserin Elisabeth selbst betrifft, so ist es gar nicht so einfach, selten oder nie gezeigte Photos von ihr zu finden, da sie sich nur bis zu ihrem etwa vierzigsten Lebensjahr ablichten ließ und für die verbleibenden zwanzig Jahre nur einige mehr oder minder gute Gemälde, Lithographien oder Stiche existieren. Für die wenigen bestehenden Photos gilt, daß es sich bei dem Material beinahe ausnahmslos um Repräsentationsbilder handelt, daß die meisten von ihnen für Veröffentlichungen schon verwendet wurden und daß es von Elisabeth – im Unterschied zu anderen Mitgliedern des Kaiserhauses – keine Privataufnahmen gibt. Alles, was familiär gewesen sein könnte, wurde ausnahmslos mit dem Pinsel oder Zeichenstift mehr oder minder begabter Künstler festgehalten und stellt einen ebensolchen Dokumentationswert dar.

Als Titel dieses Bandes wurde ein Vers gewählt, der dem von der Kaiserin geführten poetischen Tagebuch entstammt. Den Anlaß zu dem Gedicht bildete der alljährlich im Winter stattfindende Hofball, dem die Kaiserin ohnehin meist fernblieb. Wenn sie aber doch einmal erschien, dann fand sie das Fest verdrießlich, was sie in dem angesprochenen Gedicht deutlich zum Ausdruck bringt: Der Ball war anstrengend, eben hat er sein Ende genommen. Eine »Alltagsgeste« – das Abnehmen der Krone – beschließt den Abend, so wie jeder andere Mensch nach durchtanzter Ballnacht beim Nachhausekommen die Schuhe abstreift.

Dieses Buch hat aber gar nicht das repräsentative Leben der Kaiserin zum Inhalt, sondern das der privaten Elisabeth Habsburg-Wittelsbach: wie sie ihr Dasein gestaltete, welche Personen es mit ihr teilen durften, welchen Lieblingsbeschäftigungen sie nachging, welchen Verpflichtungen sie floh und wohin sie sich auf die Flucht begab. Es soll vorsichtig ihre typischen Charaktereigenschaften aufdecken, von denen viele ihre Persönlichkeit seit Kindertagen prägten.

Von den zahlreichen Werken, die bis jetzt über die Kaiserin erschienen sind, hat sich noch keines ausschließlich ihrem Privatleben gewidmet, was hiermit – beinahe hundert Jahre nach ihrem Tod – geschehen soll. Das vorliegende Buch hat den Alltag der Elisabeth Habsburg zum Inhalt, die zum Beispiel viel Sorgfalt auf ihre Toilette und die Körperpflege aufwendete. Zu den besonderen Allüren zählte die Haarpflege, die nur von einer – zur engen Vertrauten gewordenen – Friseuse ausgeführt werden durfte und die einem Ritual gleich gehandhabt wurde. Ein großer Kult wurde auch mit der Figur getrieben, der zuliebe die Kaiserin immer wieder strenge Fasten- und Hungerkuren einlegte und die sie durch Ausüben zahlreicher Sportarten in Form hielt. Verschiedene Leiden durchtrieben dieses Figurenprogramm, weshalb oft noch härtere Maßnahmen gesetzt und langwierige Heilkuren unternommen werden mußten, um die Eitelkeit halbwegs befriedigen zu können. Ihr wurden die meisten Opfer gebracht: Wegen der schlechten Zähne, die die Kaiserin seit Kindheit hatte, sprach und lächelte sie mit beinahe geschlossenem Mund, wenn sie leichte allergische Ausschläge hatte, die mitunter auch Teile des Gesichts befielen, vermied sie jede Gesellschaft, und wegen zunehmender Alterserscheinungen ließ sie sich ab dem vierten/fünften Lebensjahrzehnt nicht mehr porträtieren oder fotografieren.

Künstlerisch betätigte sich die Kaiserin als Zitherspielerin und als Dichterin. In Nachahmung ihres großen Vorbilds Heinrich Heine verfaßte sie seit Kindertagen kleine Gedichte. Außerdem ließ sie sich in mehreren Sprachen unterrichten und Literatur vortragen. Sie war extrem abergläubisch, nahm an spiritistischen Sitzungen teil und interessierte sich für die Unterbringung und Pflege von geistig Abnormen sowie über Heilmethoden dieser Krankheiten, da sie wegen der zahlreichen psychisch labilen Wittelsbacher Verwandten ständig befürchtete, selbst dem Wahnsinn zu verfallen. Trotz der vielen und verschiedenartigen Beschäftigungen plagte Elisabeth ein Leben lang der Unruhegeist, dem sie gerne nachgab, um ausgiebige Reisen zu unternehmen, und es ist beinahe typisch, daß ihr Leben auf einer Reise endete, tragisch und knapp, so wie sie es vorausgeahnt hatte.

Wien, im Februar 1995

Gabriele Praschl-Bichler

1) Der Ordnung halber sei hinzugefügt, daß wie bei dem früheren Werk über den privaten Kaiser Franz Joseph einige Quellenangaben und Dokumente verlorengegangen waren.

2) Anita Pollak im Kurier, 26. November 1994.

1

»… mein Engel, wenn Du mich lieb hast, so gräme Dich nicht so sehr …«

(Kaiser Franz Joseph an seine Gemahlin)

Über den Alltag und die Sorgen
einer jungen Kaiserin

Auf die Frage, wie eine Kaiserin »privat lebte«, müßten hunderte Antworten gegeben werden, da hunderte Kaiserinnen auf zumindest ebensoviele Arten ihr Dasein gestalteten. Klimatische Voraussetzungen, verschieden großer Reichtum, politisches Engagement, verschieden starker Machteinfluß, der Platz im Herzen der Untertanen, der persönliche Charakter, das Aussehen und die persönlichen Verhältnisse haben völlig unterschiedliche Typen von Herrscherinnen hervorgebracht, die aber alle zumindest etwas Gemeinsames verband: ein Leben »in der Öffentlichkeit« vor einer großen Anzahl von Neugierigen und Schaulustigen führen zu müssen. Die Antwort auf die Frage, wie Kaiserin Elisabeth ihr Leben verbrachte, muß sofort mit diesem Problem in Zusammenhang gebracht werden. Es stellte die Mühsal ihres Lebens dar, die sie spätestens ab dem Tag ihrer offiziellen Verlobung mit Kaiser Franz Joseph begriff und die sie ab diesem Zeitpunkt auf ein Mindestmaß herabzusetzen suchte, wenn es ihr nicht sogar – in späteren Lebensjahren – gelang, ihr ganz zu entfliehen.

Über die historische Gestalt der Kaiserin ist in den beinahe hundert Jahren seit ihrem Tod viel geschrieben worden, dem in dem vorliegenden Band erstmals das »Nur-Private« hinzugefügt werden soll: das Verhalten Elisabeths innerhalb ihrer Familie, zu ihr nahestehenden Personen, Eigenheiten ihres Wesens, ihr persönlicher Tagesablauf und wenig oder kaum bekannte Ereignisse ihres Lebens, in denen sie den ihr typischen Charakter entfaltete. Viele ihrer Eigenwilligkeiten sind durch die Veröffentlichung ihres Tagebuchs in Gedichtform bekannt geworden, die meisten Eigenschaften waren seit der frühesten Jugend stark ausgeprägt.

Heute, wo man soviel über Elisabeth in Erfahrung gebracht hat, maßt man sich gern das Urteil an, daß eine Verbindung zwischen ihr und dem jungen österreichischen Kaiser nicht hätte zustande kommen dürfen und daß die ältere, für die Heirat mit Franz Joseph vorgesehene Schwester Elisabeths, Helene, die bessere Ehefrau abgegeben hätte. Und doch schien es 1853 – als die beiden jungen Menschen in Ischl aufeinandertrafen, die als Paar nicht füreinander bestimmt waren – eine glückliche Entscheidung gewesen zu sein. Die spontane Liebe des Kaisers zu seiner Cousine Elisabeth brachte das Rad der Geschichte auf dem ihm vorbestimmten Weg zum Rollen, und das Schicksal der nachmaligen Kaiserin nahm den bekannten, immer verhängnisvoller werdenden Verlauf.

Herzogin Elisabeth in Bayern, die von ihren Eltern und Geschwistern liebevoll Sisi genannt wurde, war am Weihnachtsabend des Jahres 1837 im elterlichen Palais in München zur Welt gekommen und hatte schon bei der Geburt zwei Zähne, was nach der Volksmeinung nichts anderes als großes Glück bedeuten konnte. Zudem war sie an einem Sonntag geboren, ein Umstand, der ebenfalls Gutes verhieß, und auf den die Kaiserin in späteren Lebensjahren in einem Gedicht zu sprechen kam:

»Ich bin ein Sonntagskind, ein Kind der Sonne;

Die goldnen Strahlen wand sie mir zum Throne,

Mit ihrem Glanze flocht sie meine Krone,

In ihrem Licht ist es, daß ich wohne,

Doch wenn sie mir je schwindet, muß ich sterben.«

Zu Zeiten der Verlobung des jungen Paares erinnerte man sich der verheißungsvollen Zeichen und deutete sie – was die Zukunft der beiden betraf – als glückbringend. Die Familien Habsburg und Wittelsbach freuten sich über die nahverwandtschaftliche Verbindung (Kaiser Franz Joseph und Elisabeth waren Cousins ersten Grades, beider Mütter waren Schwestern und entstammten dem königlichen Zweig der bayrischen Familie) innerhalb der beiden deutschen Fürstenhäuser, und die Untertanen freuten sich, daß ihr junger Herrscher die Bürden seines Amtes fortan nicht mehr allein zu tragen hätte. Die Kunde von der Hochzeit mit der »Bayrischen« (dem aus Bayern stammenden Mädchen) verwandelte der Volksmund alsbald in eine Verbindung mit einer »Bäurischen«, was den österreichischen Volksdichter Peter Rosegger zu einer eigenen Geschichte anregte:

»Als der Kaiser die Kaiserin nahm

In den fünfziger Jahren ging in meiner Waldheimat eines Tages das Gerede, unser junger Kaiser wolle heiraten, und zwar eine Bäurische!

Das brachte die sauberen Dirndeln der Gegend in nicht geringe Aufregung, und manch eines meinte: Wenn der Herr Kaiser schon eine Bäurische mag, so hätte er mal auch in unserer Pfarr herumsuchen können. In einem seidenen Kittel und mit dem guldenen Kampel im Haar täte unsereines auch wem gleichschauen.

Der Gemeinderichter hat den Irrtum aufgeklärt dahin, daß der hohe Herr eine bayrische Prinzessin nimmt und daß die Kaiserhochzeit auch in unserer Kirche gefeiert werden würde.

Da lebte in der Gegend ein armes Kleinhäuslerpaar, das gerne seine goldene Hochzeit gefeiert hätte, wenn es nur ein paar Groschen gehabt hätte. Der Pfarrer ordnete nun zu Ehren des kaiserlichen Brautpaares die goldene Hochzeit dieses Greisenpaares am Sankt Georgitag 1854 an. Die ganze Gemeinde beteiligte sich. Es war ein ergreifendes Fest, und die zwei Leutchen erhielten so viele Brautgeschenke, daß sie bis zu ihrem Lebensende sorgenlos leben konnten.« – Eine schönere Umsetzung des kaiserlichen Hochzeitstags wird nirgendwo im Reich stattgefunden haben, mutmaßt der steirische Dichter.

Nach ihrer Hochzeit nahmen Kaiser Franz Joseph und seine Gemahlin in Schloß Laxenburg bei Wien Quartier, das für die Flitterwöchner zwar neu hergerichtet worden war, für Elisabeth aber eine große Enttäuschung darstellte. »Das aus dem 18. Jahrhundert stammende Lustschloß wirkte ebenso streng wie Schönbrunn, auch wenn es bedeutend kleiner war; wie so manche königliche Sommerresidenz machte es einen unbewohnten, trostlosen Eindruck. Fünfundzwanzig Kilometer von Wien entfernt … wies sein tausend Morgen großer Park eine Reihe phantastischer Gebilde auf, künstliche Seen und Imitationen mittelalterlicher Ruinen, gotische Brücken und Meiereien, die dazu bestimmt waren, gelangweilten, unglücklichen Kaiserinnen etwas Abwechslung zu bieten.« (Haslip, S. 85)

Tatsächlich begann sich die junge Kaiserin und Ehefrau schon bald zu langweilen, als ihr Gemahl wegen Erledigung dringender Staatsgeschäfte kurz nach der Hochzeit den täglichen Dienst in der Wiener Hofburg wieder aufnahm. Die knapp Siebzehnjährige fühlte sich unbeachtet, einsam und allein. Dem Alltagstrott entgegenzuwirken ersann sie ein sehr persönliches, auf sie aufgestimmtes Programm. Oftmals ließ sie den Kutschierwagen einspannen und bereiste ohne jegliches Begleitpersonal die Gegend rund um Schloß Laxenburg. Hier geriet sie das erste Mal mit den höfischen Sitten in Konflikt, da es einer Kaiserin von Österreich niemals gestattet sein konnte, alleine auszufahren oder auch nur im Park zu promenieren. Denn unabhängig von den protokollarischen Vorschriften stellte die alleine spazierende Frau ein ungeheures Sicherheitsrisiko dar.

Elisabeths Obersthofmeisterin Gräfin Marie Sophie Esterházy (eine geborene Prinzessin Liechtenstein, die seit 1835 verwitwet war) nahm als erste Anstoß an den etikettewidrigen Ausflügen. Sie meldete die Exkursionen ohne Begleitung spontan – und wahrscheinlich in bester Absicht – dem Kaiser, der für sie der fleischgewordene Begriff von Etikette, von Ehrgefühl, von Pflicht und von Ordnung war. Und obwohl er sich zeit seines Lebens allem höfischen Protokoll unterwarf und weiterhin zu unterwerfen gedachte und sich und seinen Untergebenen jede Selbstdisziplin abverlangte, gestand er der jungen Gemahlin die Freiheit zu, auch in Hinkunft für sich selbst zu entscheiden, und untersagte dem Hofstaat fürs erste, den geringsten Einfluß auf die Pläne seiner Frau zu nehmen.

In den Wintermonaten bezog das Kaiserpaar eigene Appartements in der Hofburg, und als Elisabeth zum ersten Mal ihre Räume betrat, ordnete sie als erstes an, daß man ein Bad für sie bereiten sollte. Sie staunte nicht schlecht, als man sie in eine mit Wasserdampf gefüllte Kammer führte, in der nichts anderes als ein ovales Badeschaff stand. Unter diesen Umständen verzichtete sie auf das Bad und nahm mit den für jedes Mitglied des Kaiserhauses vorgeschriebenen sieben Waschschüsseln vorlieb. Schließlich verfügte auch der Kaiser über kein eigenes modern eingerichtetes Badezimmer. Er wusch sich zunächst auch in einem Holzschaff – später in einer Gummibadewanne – und benutzte anstatt eines Wasserklosetts einen Leibstuhl. Diese wenigen Gegenstände stellten die kaiserliche sanitäre Gesamtausstattung dar. Es dauerte einige Jahre, bis anläßlich von Umbauarbeiten in Schloß Schönbrunn für die Kaiserin ein Badezimmer eingerichtet wurde, das mit etlichen Spiegeln an den Wänden, mit Fließwasser und anderen kleinen Annehmlichkeiten ausgestattet war. 1876 erhielt Elisabeth auch in der Hofburg ein eigenes Badezimmer, das in ihren Garderoberäumen, den sogenannten Bergl-Zimmern (nach dem Ausführenden der Wandmalereien Johann Bergl benannt) Platz fand. Es verfügte über eine große Badewanne aus verzinktem Kupferblech, über ein separates Wasserschaff aus Kupferblech und war mit Wandarmaturen bestückt. In einem Nebenraum wurden ein porzellanenes, zart bemaltes Wasserklosett und ein eigenes Waschbecken installiert. Schloß Laxenburg sollte noch im Jahr 1881, zur Zeit der Vermählung des Thronfolgerpaares, Kronprinz Rudolf und Prinzessin Stefanie von Belgien, über keinerlei ernstzunehmende sanitäre Einrichtungen verfügen: »Nirgends lagen … Teppiche, kein Toilettetisch, kein Badezimmer – nur ein Lavoir auf einem dreibeinigen Schemel.« (Haslip, S. 357)

Es sollte bis knapp vor die Jahrhundertwende dauern, bis die Villa in Ischl über ein modernes Ensemble an Bade- und Waschgelegenheiten verfügte. Aus einem Brief Kaiser Franz Josephs an seine bei ihren Verwandten in Bayern weilende Gemahlin gehen einige Einzelheiten der Einrichtung hervor, die sich auf vorher gegebene Anweisungen Elisabeths beziehen: »Ich habe Valérie (der jüngsten Tochter des Kaiserpaars) Deine Aufträge ausgerichtet, habe Dein Badezimmer praktisch gefunden, nur steht der neue Abschwemmarnyékszék (ungarisch für Wasserklosett) vollkommen öffentlich im Zimmer. Das Wasser kommt, wie mir Zellner sagte, aus der Wasserleitung am Jainzen, mittels eines in der Nähe des Cottage neu errichteten Reservoires.« (Ischl, 2. Juli 1896)

Nach dem Geschmack der Kaiserin ließ auch die andere Einrichtung der Hofburg zu wünschen übrig, obwohl Erzherzogin Sophie, die Mutter Kaiser Franz Josephs, anläßlich der Hochzeit ihres Sohnes die Appartements für das junge Paar hatte vollständig überholen lassen (die Räume waren allesamt mit neuen Möbeln, Tapeten und Vorhängen versehen worden). Nicht geändert werden konnte das Beheizungssystem, das sich in den frühen fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts auch noch nicht wesentlich von dem vorhergehender Zeiten unterschied. Die Öfen in dem vom Kaiserpaar bewohnten Trakt der Hofburg stammten zum Großteil aus dem 18. Jahrhundert. Es waren weiße Stücke aus Fayence mit Barock- oder Rokokoverzierungen, die in den bewohnten Räumen standen und von den Garderoberäumen und Korridoren, wo sich die Ofentüren befanden, beheizt wurden. Diese Öfen erregten – wie die ungenügend ausgestatteten Badezimmer – die besondere Unzufriedenheit der jungen Kaiserin. Sie brachten in den zugigen Räumen nicht die gewünschte Wärme zustande, weshalb Elisabeth in einigen ihrer im Amalientrakt der Hofburg gelegenen Zimmer zusätzliche Kachelöfen einbauen ließ, die bis heute – in ihrem großen Salon zum Beispiel – einen aus dem 17. Jahrhundert stammenden, offenen Kamin flankieren. Es entsprach dem zeitweils unsteten Naturell der Kaiserin – bei gegebenem Anlaß – in denselben Räumen winters die Hitze nicht zu ertragen, wie aus einer poetischen Tagebucheintragung des Griechischlehrers der Kaiserin (Constantin Christomanos) hervorgeht: »Über die roten, samtweichen Teppiche, die den Boden bedeckten, schritten wir (während des Studierens) auf und ab … zwischen den stillen Wassergründen der Spiegel, in einer Luft, die so rein und kühl war, wie die auf den Gipfeln der Berge – weil die Fenster (im Dezember!) alle offen standen – und lasen die Odyssee.« (ders., S. 54)

Dieselben Räume der Hofburg waren im Sommer wegen des Hitzestaus, der sich dort bildete, kaum bewohnbar. Dem Kaiser mußte zur Verbesserung des Raumklimas ein elektrischer Ventilator aufgezwungen werden, und die Kaiserin floh die Hofburg ohnehin schon bald, nachdem sie sie bezogen hatte. Zunächst hielt sie sich an heißen Sommertagen in einem eigens für sie in der Meierei der Fasanerie des Schönbrunner Schloßparks eingerichteten ungarischen Bauernzimmer auf. Das Zimmer stand ausschließlich zu ihrer persönlichen Verfügung, das sie als eines der ersten zu einem ihrer Elfenbeintürme erkor. Wenn sie es verließ, sperrte sie es mit einem goldenen Schlüssel ab, über den sie alleine verfügte, und kehrte meist wenig später – die Hofgesellschaft fliehend – wieder dorthin zurück.

2

»… im Sommer zog sie die Schuhe über die nackten Füße und trug das Kleid unmittelbar auf dem nackten Körper.«

(Gräfin Larisch-Wallersee über ihre Tante, die Kaiserin)

Die Garderobe der Kaiserin

Als Herzogin Elisabeth in Bayern kurz vor ihrer Vermählung stand, erhielt sie wie jede andere Prinzessin oder hohe Bürgertochter von den Eltern eine entsprechende Aussteuer (im Wert von 50 000 Gulden, das entspricht einem heutigen Wert von knapp über sechs Millionen Schilling), die aber zu spät und deshalb sehr hastig zusammengestellt werden mußte, da man zunächst darauf vorbereitet gewesen war, die ältere Tochter Helene (Néné) mit Kaiser Franz Joseph zu verheiraten. Auf ihre Ausstattung hatte man viel Zeit und Mühe aufgewendet, da sie seit langem als kaiserliche Braut ausersehen war. Deshalb stellte die Garderobe Elisabeths zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit noch kein vollständiges, dem höfischen Zeremoniell am Habsburgerhof entsprechendes Ensemble dar. Es mußte erst in den Monaten nach der Hochzeit und unter Mithilfe des Wiener Hofstaates ergänzt und vervollkommnet werden.

Zunächst wurden vierzehn Dutzend Paar (168 Stück) Strümpfe, zwanzig Paar verschiedener Handschuhe, sechs Paar Lederstiefel sowie 113 Paar Schuhe (im Gesamtwert von 700 Gulden, mehr als 85 000 Schilling, was bedeutet, daß ein Paar Schuhe um die S 760 kosteten) aus Samt, Atlas, Seide oder »Zeug« (Leinen) angeschafft, da die Kaiserin von Österreich ein Paar Schuhe oder ein Paar Handschuhe nur wenige Male tragen durfte. Bei feierlichen Anlässen mußten sie sogar mehrmals täglich gewechselt werden. »Elisabeth mußte lernen, daß eine Kaiserin zu jeder Stunde des Tages tadellos gekleidet zu sein hatte, auch wenn sie sich auf dem Lande aufhielt (das bezieht sich vor allem auf die erste Zeit nach der Hochzeit, als das kaiserliche Paar in Schloß Laxenburg wohnte) und niemand außer ihren Hofdamen sah; sie mußte lernen, daß eine Kaiserin nie ohne Handschuhe erscheinen und ein Paar Schuhe höchstens sechsmal anziehen durfte; danach standen sie ihren Zofen zu.« (Haslip, S. 87) In späteren Jahren hat sich die Kaiserin von allen Vorschriften freigemacht, die ihr nicht nur lästig gefallen waren, sondern die auch – was das Tragen immer neuer Schuhe betraf – dem Zustand ihrer ohnehin problematischen Beine und Füße nicht förderlich waren.

Der Kaiser zeigte sich von Beginn der Ehe an als großzügiger Gemahl. Laut eines Vertrags vom 4. März 1854 hatte Elisabeth von ihrem Vater 50 000 Gulden (rund 6 Millionen Schilling) Mitgift erhalten, die Kaiser Franz Joseph mit 100 000 Gulden (rund 12 Millionen Schilling) »kompensierte«. Außerdem erhielt die junge Kaiserin am Tag nach der Hochzeitsnacht zwölftausend Dukaten Morgengabe (Dukaten waren kein Zahlungsmittel, weshalb der Wert schwer umzurechnen ist), die der Kaiser der Gemahlin kraft eines alten Brauches für die eingebüßte Jungfernschaft »schuldete«. An »Spenadelgeld« (Budget für Kleider und wohltätige Spenden) waren 100 000 Gulden (rund 12 Millionen Schilling) vorgesehen, die »während der Ehe zu Ihrem eigenen Gebrauche und freien Verwendung alljährlich … in monatlichen Raten bar« auszubezahlen waren. Diese Summe sollte »lediglich für Putz, Kleider, Almosen und kleinere Ausgaben dienen, indem alle übrigen Kosten und Auslagen für Tafel, Wäsche und Pferde, Unterhalt und Besoldung der Dienerschaft und sämmtliche (sic) Hauseinrichtung von Seiner Majestät dem Kaiser bestritten« wurden. Außerdem kam Kaiser Franz Joseph für die Kosten der Reisen auf, die die Kaiserin ab dem Jahr 1860 unternahm und die sich – wegen des zahlreich mitfahrenden Personals und der hohen Mietkosten für ganze Schlösser und Wirtschaftsgebäude – immer zwischen sechzig- und achtzigtausend Gulden (rund 4,8 bis 9,6 Millionen Schilling) – beliefen. An sonstigen großzügigen Geschenken erhielt Elisabeth zahlreiche Reitpferde zu ihrer privaten Verfügung und die Kosten, die sich aus dem Bau und der Einrichtung des Achilleons (der schloßartigen Villa der Kaiserin in Korfu) ergaben, erstattet, wenn man davon absieht, daß ihr zu Ehren die Villa in Ischl umgebaut und die Villa Hermes in Lainz als Privatwohnsitz errichtet worden waren.

Wesentlich weniger Geld benötigte die Kaiserin für ihre Garderobe, die entgegen der Moden der Zeit, schlicht, praktisch und elegant zu sein hatte. Allfällige Galaroben wurden nur für bestimmte Zwecke angeschafft, und auch der Handschuh- und Schuhluxus entsprang nicht dem persönlichen Wunsch Elisabeths, sondern war – wie die Wartung der Stücke – Bestandteil der Hofetikette. Die Glacéhandschuhe (aus feinem, glänzenden Zickel- oder Lammleder) wurden von den Putzerinnen der Hofburg ständig gereinigt und in weiße Kartons verpackt. Ein bestimmter Koffer enthielt 120 Paar Handschuhe, die farblich aufeinander abgestimmt waren (weiße, schwarze und graue Stücke befanden sich zum Beispiel in einem Behälter). Zum Reiten waren stärkere, lederne Handschuhe in Verwendung, mitunter trug die Kaiserin drei Paare übereinander, um die Hände vor etwaigen Einschnitten durch die Zügel zu schützen.

Elisabeth trug auffallend schmale, handgesteppte, meist schwarze Atlasschuhe mit niederen Absätzen, die an der Seite mit Schnürbändern versehen und am oberen Rand mit schwarzer Spitze verziert waren. Bei kalter Witterung stülpte sie gamaschenartige, mit lila Seide gefütterte Lederstutzen über Schuhe oder Stiefletten. Um das Jahr 1861 bevorzugte die Kaiserin weiße Atlasschuhe mit Spitzenrosetten und Gummibändern, die die Schuhe fest zusammenhielten, oder Schnürstiefletten, die in Genf, München oder Wien maßangefertigt wurden und mit sechs Knöpfen versehen sein mußten. Ihre Seidenstrümpfe bezog Elisabeth bei der englischen Firma Swears & Wells in London.

Wahrscheinlich ab den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts verzichtete die Kaiserin auf einen Unterrock (und hielt es weiter so bis an ihr Lebensende), wie ihre Lieblingsnichte, die Tochter des ältesten Bruders der Kaiserin, Herzog Ludwig Wilhelm in Bayern, Gräfin Larisch-Wallersee, in ihren Erinnerungen festhält: »Tantes Wäsche war wundervoll und außerordentlich fein. Ihre Nachthemden waren ganz einfach, aber immer mit mauve Seidenbändern durchzogen und gebunden. Unterröcke trug sie nie, und bei ihren frühen Spaziergängen im Sommer zog sie die Schuhe über die nackten Füße und trug das Kleid unmittelbar auf dem nackten Körper.« (Wallersee, S. 54)

Die Sommerunterwäsche der Kaiserin bestand aus leichten Hemdchen und Beinkleidern aus Seidentrikot. Ähnliche Unterwäsche, die aus feinem Waschleder hergestellt wurde und in die sich Elisabeth einnähen ließ, verwendete sie im Winter. Das Einnähen geriet zu einem Tick und wurde auch auf die Reitkleidung übertragen, die sie – am Pferd sitzend – anpassen ließ. »(Das Reitkleid der Kaiserin) saß wie angegossen; sie wurde jedesmal, wenn sie ausritt, hineingenäht. Hiermit meine ich, daß der Schneider, nachdem sie die Taille