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Elfriede Ott

KATZE, was schnurrst du

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Elfriede

Ott

KATZE,

was schnurrst du

Erlebte und
gesammelte

Geschichten
und Anekdoten

Mit 80 Abbildungen,
davon 30 Aquarelle und
Zeichnungen der Autorin

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Bildnachweis:

Alle Fotos, Zeichnungen und Aquarelle von Elfriede Ott;
Foto Marlen Haushofer (S. 20) © Sybille Haushofer;
Foto Elfriede Ott (S. 25) © Mihaela Stipic.
Wir danken Volker Reuschenbach, Nettetal, für die historischen
Ansichtskarten auf den Seiten 14, 35, 36, 45, 47, 51, 55, 71 und 107,
die er freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Der Verlag hat alle Rechte abgeklärt. Konnten in einzelnen Fällen
die Rechteinhaber der reproduzierten Bilder nicht ausfindig gemacht werden,
bitten wir Sie, dem Verlag bestehende Ansprüche zu melden.

Besuchen Sie uns im Internet unter:

© 2014 by Amalthea Signum Verlag, Wien
Alle Rechte vorbehalten
Umschlaggestaltung: Silvia Wahrstätter, vielseitig.co.at
Umschlagabbildungen: Elfriede Ott © Daniel Gebhart de Koekkoek;
Katzen © CanstockPhoto/Bokicai
Herstellung und Satz: VerlagsService Dr. Helmut Neuberger
& Karl Schaumann GmbH, Heimstetten
Gesetzt aus der 12/15 Punkt Adobe Garamond Pro
Printed in the EU
ISBN 978-3-902862-91-4

Die von der Autorin für dieses Buch gesammelten Geschichten und Anekdoten

THEODOR STORM

Von Katzen

MARLEN HAUSHOFER

Die Ankunft

HANS WEIGEL

Hund und Katze

KAREL ČAPEK

Hund und Katze

Die Katze

Die unsterbliche Katze

Der Katzenfrühling

FELIX SALTEN

Katzen

KAREL ČAPEK

Noch einmal die Katze

ELFRIEDE OTT

Sissy

BARBARA RÜTTING

Auch ein Kater hat seine Probleme

FELIX SALTEN

Mieze aus dem See

E. T. A. HOFFMANN

Lebensansichten des Katers Murr

ELFRIEDE OTT

DU – KATZE

EPHRAIM KISHON

Die Katze als Wille und Vorstellung

ELFRIEDE OTT

Den Frieden spüren

HANS WEIGEL

Vom Kennenlernen der Katzen

ELFRIEDE OTT

Katzen-Vor-Schrift

CLAIRE GOLL

Mandalay

EDUARD MÖRIKE

Mausfallen-Sprüchlein

LOTTE INGRISCH

Sankt Kringel und seine Tiere

LORE KRAINER

Als meine Katze starb

HUGO WIENER

Beim Tierpsychiater

CHARLES BAUDELAIRE

Die Katze

Katzen, diese Wesen, haben die
un-menschliche Geduld der Erde
;

da ist ein Jahr, was für den
Menschen nur eine Sekunde
.

Christian Morgenstern

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UNHEIMLICH. Was ist das in der Dunkelheit? Zwei Sterne, die die Erde besuchen?

Plötzlich weg. Jetzt dort, jetzt da.

Natürlich beobachtet uns ein Wesen, dessen Augen die Fähigkeit haben, zu leuchten.

Ein Fuchs? Vielleicht ein Reh? Ein Hund? Eine Eule? Ein Drache? Ein Zwerg? Eine Elfe? Eine Schlange? Ein Wolf? Ein Löwe? Ein Tiger? … In den Weinbergen vom Wienerwald?

Nein! Natürlich eine Katze. Es ist der Peter vom Haus auf dem Hügel. Dort wohnen einige Katzen, aber die sind nicht so schwarz in der Nacht. Eine schwarze Katze! Sie hat etwas Unheimliches.

Unlängst auf dem Friedhof. Eine Bank in der Sonne neben dem Grab meiner Mutter. Ich bin müde. Nicht nur körperlich.

Friedhof – Sonne: Plötzlich etwas bei meinen Füßen. Etwas zum Erschrecken.

Eine kleine schwarze Katze. Sie legt sich wohltuend auf meinen Bauch. Ein Sprung zu meinem Gesicht. Bei den Ohren macht sie es sich gemütlich. Totale Ruhe. Warmes Schnurren in der Wärme. Bitte rühr dich nicht weg. Du tust mir so gut. Bleib bei mir. Immer. Du wirst es gut haben. Kaum gedacht, husch ist sie weg. Warum kann ich sie nicht halten?

Es stimmt, wenn sie sagen, das ist halt so mit dem Glück.

Das ist halt so mit dem Glück. Es kommt nur in den Märchen vor!

Ich sitze auf der Bank und dichte ein Märchen:

Man sagt mir, ich heiße Mutzi. Ich bin soeben herausgekrochen aus meiner Mama, in die sogenannte Welt. Ich weiß zwar nicht, was das ist, aber meine Mami gibt mir etwas Gutes zu trinken und so spüre ich, dass ich schon viel größer bin. Ich bin sicher schon zehn Zentimeter groß. Eines Tages kann ich meine Augen öffnen. Ich will mir diese Welt anschauen. Ich schlüpfe zur Haustüre und schau in den Garten. Da wachsen ja Gänseblümchen, die sind schon so groß wie ich. Am Gartenzaun ist ein kleines Loch. Ein Schritt und ich bin draußen.

Ich schleiche am Gartenzaun entlang und bin auf dem, das sie Straße nennen. Aus einem Haus erklingen Töne, die sie Musik nennen. Im Takt spaziere ich die Straße entlang. Die führt plötzlich auf einen Berg hinauf. Sehr hoch, aber ich muss mich gar nicht anstrengen. Ich bin schon oben. Von dieser Bergspitze sehe ich weit, weit ins Land. Sie sagen, das wäre Österreich, ein riesiges Land. Aber wo wieder hinunter? Das habe ich vergessen. Ich kann nicht mehr zurück. Also dann irgendwo halt.

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Als ich wieder unten bin, verspüre ich schrecklichen Hunger. Aber da werde ich von Leuten weggejagt. Warum? Ich bin doch nur eine kleine Katze.

Plötzlich kommt aus einem der Häuser eine Frau heraus. Sie schaut mich an mit gütigen Augen, breitet die Hände aus und sagt zu mir: »Komm, du kleine Katze. Bei mir sollst du es gut haben.«

Und so war es auch. Ich blieb bei ihr. Es ging mir so gut wie dann auch in meinem ganzen Leben.

Plötzlich hörte ich, wie sie in einen Apparat hineinsprach: »Ja, sie ist hier bei mir.« Da verkroch ich mich in den letzten Winkel.

Es kamen fremde Leute, fanden mich und nahmen mich mit. Ich fürchtete mich und schrie. Doch dort, wo sie mich absetzten, kam mir alles so bekannt vor. Ja, meine Mama kam mir entgegen und schnurrte mich an. Da schnurrte ich zurück.

Plötzlich waren um mich viele kleine Katzenkinder, meine Geschwister. Ich forderte sie alle auf, mit mir zu kommen. Ich fand den Weg zurück. Und als die Frau aus dem Haus kam, schlug sie die Hände über dem Kopf zusammen und rief: »Ihr dürft alle bei mir bleiben, wenn ihr auch so viele werdet, wie Herr Theodor Storm geschrieben hat.«

Wir lebten alle glücklich und zufrieden bei der Frau mit den gütigen Augen.

Und wenn wir nicht gestorben sind, dann leben wir noch heute.

Meine Gedanken gehen zu Theodor Storm,
zu seinen »Maikätzchen«:

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THEODOR STORM

Von Katzen

Vergangnen Maitag brachte meine Katze

Zur Welt sechs allerliebste Kätzchen,

Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.

Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen!

Die Köchin aber – Köchinnen sind grausam,

Und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche –

Die wollte von den Sechsen fünf ertränken,

Fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen

Ermorden wollte dies verruchte Weib.

Ich half ihr heim! – Der Himmel segne

Mir meine Menschlichkeit! Die lieben Kätzchen,

Sie wuchsen auf und schritten binnen Kurzem

Erhobnen Schwanzes über Hof und Herd;

Ja, wie die Köchin auch ingrimmig dreinsah,

Sie wuchsen auf, und nachts vor ihrem Fenster

Probierten sie die allerliebsten Stimmchen.

Ich aber, wie ich sie so wachsen sahe,

Ich pries mich selbst und meine Menschlichkeit. –

Ein Jahr ist um, und Katzen sind die Kätzchen,

Und Maitag ist’s! – Wie soll ich es beschreiben,

Das Schauspiel, das sich jetzt vor mir entfaltet!

Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel,

Ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen!

Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen,

In Schränken, Körben, unter Tisch und Treppen,

Die Alte gar – nein, es ist unaussprechlich,

Liegt in der Köchin jungfräulichem Bette!

Und jede, jede von den sieben Katzen

Hat sieben, denkt euch! sieben junge Kätzchen,

Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.

Die Köchin rast, ich kann der blinden Wut

Nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers;

Ersäufen will sie alle neunundvierzig!

Mir selber, ach, mir läuft der Kopf davon –

O Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren!

Was fang ich an mit sechsundfünfzig Katzen! –

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ICH HATTE EINMAL ein Vortragsprogramm über Katzen. Dadurch hatte ich ein Katzenpublikum.

Es waren andere Menschen als sonst, lauter Katzenbesitzer. Sie strahlen etwas aus, das ungewöhnlich ist. Sie schauen ihren Katzen direkt ein bissl ähnlich. So wie ich meinem Hund.

Wir haben ähnliche Bedürfnisse. Eine Gedankenwelt. Wir erraten gegenseitig unsere Gedanken. Wir hatten jahrelang eine Nebelkrähe in unserer Familie. Ich beobachtete sie einmal, wie sie im Nachbargarten Hand in Hand mit unserem Kater spazieren gegangen ist.

Jemand, der kein Tier besitzt, kann die Beziehung Mensch – Tier und auch die Beziehung von Tieren zueinander nicht verstehen.

Ich weiß nicht warum – wahrscheinlich, weil ich immer Hunde hatte, die mir so nahe waren –, aber ich war überzeugt: ich bin ein Hundemensch. Fast mein Leben lang. Meine Philosophie war der des Hundes immer näher. Ich weiß, was mein Hund denkt, was er gerne möchte, warum er traurig ist. Es ist mir auch sehr unangenehm, wenn mein Hund zu den »Mode-Hunden« gehört.

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Am Anfang war ich auch überzeugt, das Leben geht nicht mehr weiter, als ich meinen Dackel verloren habe. Diese Nähe zu einem Tier könnte es nicht mehr geben. Wie ich mich da geirrt habe!

Mein kleiner schwarzer Pudel Muserl. Ein Wunderhund. Ich war, um ein Beispiel zu nennen, mit meinen Vortragsprogrammen auf immer anderen Bühnen, in anderen Städten unterwegs. Erik Werba war mein Begleiter am Klavier. Ich trat mit Muserl im Arm auf, verbeugte mich mit ihr, dann setzte ich sie auf den Flügel, sie erntete Applaus, dann legte sie sich hin und war damit für das Publikum verschwunden. Der Flügel war ja so schwarz wie sie. Sie setzte sich erst auf, bereit, herunterzuspringen, wenn sie wusste, jetzt ist Pause.

Eine kleine Geschichte möchte ich erzählen. Das Schicksal oder wie man es auch nennen will, führte mich mit Hans Weigel zusammen, der für mich immer der gefürchtete Theaterkritiker war, ein strenger Literat. Das war er auch. Nach Premieren hatten wir alle Angst vor seinen Kritiken. Meine Angst löste sich, als ich ihn einmal zufällig traf. Er hielt mich auf und griff in seine Tasche, zog eine Medaille heraus – ich besitze viele Ehren, aber das ist für mich die schönste. Ich spielte damals in dem Stück Zeit der Kirschen eine für mich nicht so besondere Rolle. Aber auf der Medaille standen mein Name und dieses Stück. Ich kann mich erinnern, wie stolz ich war.

Aber etwas gab es, das mich entsetzte. Hans Weigel mochte keine Hunde, und das hatte einen Grund: Als er aus der Emigration nach Wien zurückgekehrt war, wurde er von einer Familie eingeladen, die einen Hund besaß. Der »Herr« Hund sprang ihn an und riss ein Loch in seine Hose. Leider war es die einzige Hose, die er besaß. Aber ich bin doch immer auf der Seite der Tiere, wenn ich auch in diesem Fall die Verzweiflung verstanden habe.

Ich erzähle diese Story nur, weil ich ein Bild aus späteren Jahren vor Augen habe: Wir gingen in einer deutschen Stadt in der Fußgängerzone spazieren, vor uns ein Spielzeuggeschäft. Hans mit Muserl an der Leine. Muserl stürzt zu der Auslage, schaut sich die Sachen an, führt Hans in das Geschäft. Ich warte eine Weile, denk mir, jetzt sucht sie sich was aus – die beiden kommen heraus. Muserl hatte eine rote Trompete im Maul, die sie dann immer verwendete, wenn sie Schmerz oder Freude empfand.

Irgendwann werde ich das tragische Ende von diesem einmaligen Hund erzählen. Und von ihren Nachfolgerinnen, die von mir und ich von ihnen ebenfalls geliebt wurden. Aber ich schreibe doch ein Buch über Katzenleben! Ja, die Katzen lebten immer für mich so ein bissl nebenher als selbstverständliche »Zuhausetiere«.

Und dann waren plötzlich die Katzen da, Sluki, dann Mutzi und Butzi, und plötzlich war keine Spur von Selbstverständlichkeit mehr. Sie haben in mir etwas geöffnet, das bisher verschlossen war. Es waren auf einmal »meine« Katzen.

Und dann war ER da. Nicolaus, der weiße Perser. Die ersten Jahre kam er nur zu mir, um »Gutis« zu bekommen. Dann begann das Drama mit dem Computer: Er legte sich vor den Bildschirm und dort blieb er. Ich kann nichts mehr schreiben, ich weiß nicht mehr, wer mir was schreibt.

Seine Augen! Wir schauen einander lange Zeit in die Augen. Dann legt er sich hin und verbringt die Nacht beim Computer, um mir morgen wieder in die Augen zu schauen. Ich liebe mein Katerle!

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Ich war sehr befreundet mit Marlen Haushofer.

In ihrem wunderbaren Roman

Die Wand – ein Kapitel:

MARLEN HAUSHOFER

Die Ankunft

An jenem Abend kam die Katze in mein Haus. Als klatschnasses graues Bündel hockte sie vor der Tür und jammerte.

Später, in der Hütte, schlug sie entsetzt ihre Krallen in meinen Schlafrock und fauchte den bellenden Luchs wütend an.

Ich schrie den Hund an, und er kroch unwillig und gekränkt in sein Loch zurück. Dann setzte sich die Katze auf den Tisch, eine magere, grauschwarz gestreifte Bauernkatze, hungrig und durchnässt, aber noch immer bereit, sich mit Krallen und Zähnen zu verteidigen. Sie beruhigte sich erst, als ich Luchs in die Schlafkammer verbannt hatte.

Ich gab ihr warme Milch und ein wenig Fleisch, und sie vertilgte hastig und sich fortwährend umblickend alles, was ich ihr vorsetzte. Dann ließ sie sich streicheln, sprang vom Tisch, stelzte durchs Zimmer und glitt auf mein Bett. Dort ließ sie sich nieder und fing an, sich zu waschen. Als sie trocken war, sah ich, dass sie ein schönes Tier war, nicht groß, aber apart gezeichnet. Das Schönste an ihr waren ihre Augen, groß, rund und bernsteingelb. … Sie war ein sehr nervöses und misstrauisches Geschöpf, zuckte bei jedem Geräusch zurück und befand sich meistens in einem Zustand der Fluchtbereitschaft und Spannung.

Es dauerte wochenlang, bis sie sich beruhigte.

Seltsamerweise schien sie Luchs bald weniger zu misstrauen als mir. Die Erfahrungen, die sie mit Menschen gemacht hatte, mussten sehr schlimm gewesen sein. Ich war immer gleichmäßig freundlich zu ihr, näherte mich ihr nur langsam und nie, ohne dabei zu ihr zu sprechen. Und als sie sich Ende Juno zum ersten Mal von ihrem Platz erhob, über den Tisch auf mich zukam und ihr Köpfchen an meiner Stirn rieb, empfand ich dies als großen Erfolg. Von da an war das Eis gebrochen. Nicht dass sie mich mit Zärtlichkeiten überhäuft hätte, aber sie schien bereit, das Böse, das ihr von Menschen widerfahren war, zu vergessen.

Noch jetzt geschieht es manchmal, dass sie ängstlich vor mir zurückweicht oder zur Tür flieht, wenn ich mich zu plötzlich bewege. … Während ich dies schreibe, liegt sie vor mir auf dem Tisch und sieht aus großen gelben Augen über meine Schulter auf einen Fleck auf der Wand. Dreimal hab ich mich schon danach umgedreht und kann dort nichts sehen als das alte dunkle Holz. Manchmal starrt sie auch mich lange und unverwandt an, aber nie so lange wie die Wand, nach einer gewissen Zeit wird sie unruhig und dreht den Kopf weg oder kneift die Lider zu. …

Luchs entwickelte mit der Zeit eine gewisse Zuneigung für sie, und er wäre jeden Angreifer angefallen, um sie zu beschützen. …

Die Katze fing bald an, gewisse Forderungen an mich zu stellen. Sie wollte jederzeit, auch nachts, kommen und gehen, wie es ihr gefiel. …

Ich sehe mein Gesicht, klein und verzerrt, im Spiegel ihrer großen Augen. Sie hat sich angewöhnt zu antworten, wenn ich zu ihr spreche. Geh nicht fort heute Nacht, sage ich, im Wald sind der Uhu und der Fuchs, bei mir bist du warm und sicher. Hrrr, grrr, mau, sagt sie, und das mag heißen, man wird ja sehen, Menschenfrau, ich möchte mich nicht festlegen. Und dann kommt bald der Augenblick, an dem sie aufsteht, einen Buckel macht, sich zweimal lang ausstreckt, vom Tisch springt, in den Hintergrund gleitet und lautlos in der Dämmerung untertaucht. Und später werde ich meinen leisen Schlaf schlafen, einen Schlaf, in dem die Fichten rauschen und der Brunnen plätschert.

Gegen Morgen, wenn der vertraute kleine Körper sich an meine Beine schmiegt, werde ich mich ein wenig tiefer in den Schlaf sinken lassen, nie ganz tief, denn ich muss sehr auf der Hut sein.

 

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ICH DENKE VIEL AN DICH, MARLEN. – Ich habe Die Wand zu meinem Lieblingsbuch erklärt.

Ich bin schon sehr alt und jedes Jahr meines langen Lebens war angefüllt mit Sorge um meine Tiere. Vom Anfang: Hund – Katze – Hund – Hund – Katze – Hund – Katze – Katze – Katze – Hund – Hund – nein, ich gebe das Zählen auf.

Zurück in die Gegenwart: Weißer Perser, große dunkle Striche in den Augen, ganz ruhiger Blick. Er schaut dich an, dass du nachdenken musst. Ist das Liebe oder Verachtung? Man hat ihn nie zu stören, wenn er schläft. Und das tut er den ganzen Tag an verschiedenen Lieblingsplätzen, die man nur erahnen kann. Man sagt, die dreifärbigen seien Glückskatzen. Vielleicht – ich weiß es nicht. Für mich sind es alle. Mein Katerle, nein, ich darf dich nicht klein machen! Du bist ein großer, stiller, sanfter Bube, nein: »Herr«! Nicolaus ist dein Name, hörst aber nicht auf ihn. Ich soll Katzen beschreiben, aber das geht ja nicht – es gibt schon so viel über dich, Texte, die deine Seele, deine Launen beschreiben.

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Vor einigen Tagen besuchte mich das Fernsehen, die Seitenblicke. Ich war aber nicht die Hauptfigur. Sie stürzten sich auf Nicolaus und er war so schön im Bild nachher. Man hat dann auf nichts anderes geschaut.

Wo du dich aufhältst, fragt mich die Dame, die dich interviewen möchte. »O, bist du ein schöner Kater«! Ein Blick auf sie. Er steht auf, wendet sich und geht. Auf seinen Lieblingsplatz. Ja? Wo ist der? Das möchte ich nämlich auch gern wissen. Jedenfalls nicht dort, wo ich ihn vermute. Er wechselt ständig. Gestern war es der: mit dem Hinterteil auf dem Klavier, mit dem Kopf auf der Stehlampe, der lange weiße Schweif hängt in der Luft herunter. Unten sitzt Pipsi, mein Chihuahua. Sie starrt auf Nicolaus, ihr kleiner Schweif ist ein rasender Propeller. Nein, nicht jetzt! Diese Situation endet nämlich immer in einem Rasen durch die Wohnung. Pipsi bellt, aus Nico kommen Schreie. Bei uns kann man nämlich im Kreis rennen. Vorzimmer – Wohnzimmer – Computerzimmer – Malzimmer – Esszimmer – Küche – Vorzimmer – Wohnzimmer – Computerzimmer – Malzimmer … über Möbel und alles, was man überspringen kann. Aber nichts wird zerstört!

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Miez – Miez – Miez! … Keine Reaktion. Dieses »Miez« ist eine Beleidigung, nur Katzen reagieren auf solche Zurufe. Aber zu einem stolzen Kater kann man doch nicht lieblich »Miez« sagen. Noch dazu, wenn er ein Perser ist, ein weißes Fell besitzt, so schöne grünblaue Augen hat, die er verändern kann.

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Katerle, wie bist du eigentlich zu uns gekommen, in unsere Familie? Wir bestehen aus drei Personen. Da ist einmal die Fritzi, die seit ihren Kindertagen bei uns ist. Mit ihr bin ich »übrig« geblieben, und Goran, mein Adoptivsohn. Alle anderen, die zu mir gehört haben, sind nicht mehr auf dieser Welt. Ob es eine andere gibt, weiß vielleicht mein Kater.

Ja, wieso ist er bei uns? Ich möchte so gern erfahren, wie er bis zum Eintreffen in unsere Familie gelebt hat. Er musste weg, wie so viele seiner Artgenossen, wegen einer Katzenhaarallergie.

Er war bei einer Frau, die drei Katzen besaß. Ihre Mutter wurde ein Pflegefall und hatte eine Katzenhaarallergie. Sie nahm die Mutter zu sich, musste sich aber von ihren Katzen trennen. Wir beschlossen, eine aufzunehmen. So fuhren wir alle drei zur Katzenadresse in einem Vorort von Wien zu einem Gemeindebau. Wir hatten alle drei Herzklopfen. Wie wird er sich mit unseren Hunden Pipsi und Annie verstehen?

Eine weinende Frau öffnet uns. In ihrem Arm ist ein weißes Knäuel. Goran spricht mit ihr, erledigt den Vorgang, und ich habe dieses Etwas in meinem Arm. Wir waren sofort verliebt in den weißen Perser. Bei uns zu Hause angekommen, wurde der Neue von allen Seiten beschnuppert, und wir wussten: akzeptiert!