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WOLFRAM PIRCHNER

NUR KEINE KRISE

WOLFRAM PIRCHNER

NUR KEINE KRISE

Meine 52 Mental-Tipps

AMALTHEA

Bewahre mich vor dem naiven Glauben,
es müsste im Leben alles gelingen.
Schenke mir die nüchterne Erkenntnis,
dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge,
Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe
zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.

Antoine de St. Exupery

Besuchen Sie uns im Internet unter: www.amalthea.at

© 2016 by Amalthea Signum Verlag, Wien
Alle Rechte vorbehalten
Umschlaggestaltung: Elisabeth Pirker/OFFBEAT
Umschlagfoto: Oskar Schmidt
Herstellung und Satz: Gabi Adébisi-Schuster
Gesetzt aus der Elena 10,6/14
ISBN 978-3-99050-032-3
eISBN 978-3-903083-17-2

Inhalt

Vorwort

Zeitplanung ist die halbe Miete

TIPP 1: ZEITPLANER BESORGEN

Lebensturbulenz

Ist jede Krise eine Identitätskrise?

Die Krise

Selbstlob stinkt nicht

TIPP 2: DER BLUMENSTRAUSS DEINER ERFOLGE

Reaktionen

Zeit zum Nachdenken

Wohlstand – und Humor

TIPP 3: SMILEY ODER SADDY?

Optimist oder Pessimist?

TIPP 4: ANAGRAMM ZU »OPTIMISMUS«

Selbstwirksamkeit

TIPP 5: NEUE GRUNDHALTUNG

Bauch oder Kopf?

TIPP 6: STABIL UND SELBSTSICHER AUFTRETEN

Trennung, Verlust, Neubeginn

Blickwinkel ändern

TIPP 7: LEBENSMENSCH-BILANZ

Wer hilft dir in der Krise?

TIPP 8: LOSLASSEN – VERABSCHIEDEN

Neue Wege

TIPP 9: NEUE WEGE BESCHREITEN

Krisen lösen sich nicht von selbst

Wo bleibe ich?

TIPP 10: NEIN SAGEN

Perfektionismus – nein danke!

Das Pareto-Prinzip – die 80:20-Regel

TIPP 11: 80:20 FÜR DICH

Geduld und Selbstachtung

TIPP 12: KONZENTRATIONSÜBUNG GEDULD

Geschenke des Lebens

Und immer wieder – professionelle Begleitung!

Wie finde ich den »richtigen« Begleiter?

TIPP 13: MIT EINEM VERTRAUTEN REDEN

TIPP 14: NOTFALLPLAN ERSTELLEN

Du bist die Meisterin deines Lebens

TIPP 15: DEINE MEISTERLICHEN FÄHIGKEITEN

Sichtweise und Standpunkt

TIPP 16: INNERE HALTUNG VERÄNDERN

Urvertrauen

Mein Gedächtnis

Wo sind unsere Fähigkeiten und unsere Ressourcen?

Mein Anker

TIPP 17: ANKERN

Resilienz

Die Fähigkeiten der Resilienz

Widerstandskraft ist trainierbar

TIPP 18: »5-FINGER-TECHNIK«-TAGESBILANZ

Versöhnung mit dir?

Atmen ist Leben

TIPP 19: ATEMÜBUNG

Körperecho

TIPP 20: BODYSCAN

Wertehierarchie

TIPP 21: PERSÖNLICHE WERTEHIERARCHIE

Betroffene berichten

Furcht – wovor?

TIPP 22: ANGSTSITUATION BEWÄLTIGEN

Jahreszeitlich bedingte Krisen

Der Elefant auf dem Dorfplatz

Machen, Handeln, Tun

TIPP 23: REFLEXION

Die Fabel von den Fröschen

Entdigitalisieren

TIPP 24: KONTAKTHYGIENE AM HANDY

TIPP 25: HANDY-AUSZEIT

Pausenmanagement

TIPP 26: JEDE STUNDE EINE KLEINE PAUSE

Erholsamer Schlaf

TIPP 27: DIE GUTER-SCHLAF-VORBEREITUNG

Keine Zeit am Morgen?

TIPP 28: ZEITGERECHT AUFSTEHEN

TIPP 29: FRÜHSPORT

Morgenplanung

TIPP 30: DER MOPLA (MORGENPLAN)

Die wichtigste Tagesmahlzeit

TIPP 31: NEURO-SHAKE-REZEPTE

Energie durch richtige Ernährung

TIPP 32: KALORIEN SPAREN

Man ist, was man isst (und trinkt)

TIPP 33: WASSER TRINKEN

Yoga – Wege zum Selbst

Yoga und Burn-out

TIPP 34: YOGA ZUR ENTSPANNUNG UND AKTIVIERUNG

Burn-out

TIPP 35: ANSPANNEN/ ENTSPANNEN NACH JACOBSON

Keine Zeit für mich?

TIPP 36: LEBENSROLLEN BEWUSST MACHEN

Autosuggestion verändert alles

TIPP 37: POSITIV FORMULIEREN

Das Mantra als Seelenschlüssel

TIPP 38: MANTRA-MEDITATION

Mein Glaubenssatz

TIPP 39: MEIN/DEIN LEBENSQUALITÄTS-MANTRA

Weihnachten – »oh Trubel, oh Leid …?«

TIPP 40: WEIHNACHTSPLANUNG

Jahreswechsel – Neubeginn?

TIPP 41: MEIN JAHRESRÜCKBLICK

Lebensnotwendige Bewegung im Freien

Bewegungslust aktivieren

TIPP 42: ENERGIEREICH DURCH FRISCHE LUFT

Selbstmotivation

TIPP 43: DER 5-MINUTEN-START-TRICK

Aufschieberitis

TIPP 44: ENDLICH ERLEDIGT!

Heilfasten

TIPP 45: DREI SANFTE TAGE

Aufräumen und Entrümpeln

TIPP 46: ENTRÜMPELN / AUSSORTIEREN

Meditatives Malen

TIPP 47: MEDITATIVES ZEICHNEN / MALEN

Haben wir genügend Zeit?

Der Rest des Lebensbandes

TIPP 48: MEINE GEBURTSTAGSREDE

Dringend oder wichtig?

TIPP 49: DER EISENHOWER-QUADRANT

Gratis-Talente-Brainstorming

TIPP 50: TALENTE SAMMELN

TIPP 51: ERFÜLLENDE ERFAHRUNGEN UND ERLEBNISSE

Nur keine Krise …

TIPP 52: WO FINDE ICH HILFE? (AUSZUG)

P.S.

Anmerkungen

Bildnachweis

Vorwort

Ich freue mich, dass du auch dieses Buch gekauft hast. Und wie in den beiden vorangegangenen »Werken« möchte ich dir auch diesmal wieder das Du-Wort anbieten. An und für sich ist das mein kleiner Trick, um Vertrautes, um Ungewohntes, um Persönliches leichter an die Frau bzw. an den Mann zu vermitteln. Wir gehen auch diesmal, für die nächsten Stunden, wieder eine vertraute, fallweise auch enge Beziehung ein, da passt das vertraute »Du« meiner Meinung nach einfach besser. Wenn du möchtest, können wir, nachdem du das Buch gelesen hast, wieder zum distanzierten »Sie« zurückkehren. ☺

Interessanterweise haben auch viele Männer meine Bücher gelesen, zumindest wenn ich den vielen Reaktionen trauen kann. Und das tue ich. Ich glaube – was heißt ich glaube, ich bin überzeugt davon –, dass genau so viele Männer wie Frauen von psychischen Indispositionen, Störungen, Krisen, Katastrophen, Krankheiten betroffen sind. Nur geben die Männer, wie wir richtig vermuten und wissen, das nicht so gern zu. Das Bild des starken, unverwundbaren Mannes, des Helden des Alltags, des Ritters ohne Furcht und Tadel und ohne Gefühle und Tränen – ja, das kennen wir. Weil ich ein Mann bin, weiß ich schon, wovon ich spreche, in diesem Fall schreibe. Auch wir Männer sind verwundbar, wir sind schwach, wir weinen auch (auch ich weine, nicht immer, aber doch manches Mal – das befreit!), auch wir Männer machen uns Gedanken über uns und lassen uns emotional leiten. Die Geschichte mit diesen Feststellungen ist freilich, wie du dir vorstellen kannst, nicht immer leicht – eine Art Strohhalm, oder besser ausgedrückt, fast ein Baumstamm, an den ich mich gerne klammere, um nicht regelmäßig in einen wie immer gearteten, möglichen Argumentationsnotstand zu geraten.

Noch etwas: Ich gendere im täglichen Leben gerne und zumeist korrekt. Ich begrüße die Besucherinnen und Besucher meiner Vorträge hin und wieder als »liebe Mitmenschinnen und Mitmenschen« – jaja, ich weiß, das ist übertrieben und vielleicht auch blöd, aber es ist zumeist ein Lacher. Vor allem bei den Frauen. Also: gendern ist meine Sache, ja, jedoch nicht in diesem Buch. Das würde zu viel Platz verschwenden, und es ist mühsam. Wenn ich dann das eine oder andere Mal darauf vergesse, dann bist du möglicherweise leicht oder mittelschwer irritiert und in Folge sogar grantig auf mich. Und das möchte ich nicht. Ist es okay für dich, wenn ich diesmal die weibliche Form wähle? (Falls mir nicht ganz gelingt, das durchzuziehen, bitte ich auch um Nachsicht …)

Ganz wichtig, bevor du eintauchst in meine Ansichtswelt der Krisen und vor allem in die vorgeschlagene Bewältigung einiger davon, ist die Tatsache, dass es sich bei meinen Ausführungen ausschließlich um meine Meinung(en) und persönlichen Erfahrungen handelt. Es ist, unschwer zu erkennen, kein wissenschaftliches Buch, es ist eine Sammlung von Geschichten, von mentalen Tipps und Tricks, die ich im Rahmen meiner Ausbildungen und vor allem in zahlreichen Gesprächen und Recherchen mit Fachleuten zusammengestellt habe. Ich habe viel gelesen, viel erfahren, einiges von anderen mit hoffentlich korrekter Quellenangabe verwendet. Es handelt sich um Methoden und Techniken, die mir hinsichtlich meiner Lebensqualität gutgetan haben und immer noch guttun. Und diesen Erfahrungsschatz gebe ich, teilweise zumindest, in diesem Buch weiter. Du sollst ja auch etwas davon haben!

Dein Ziel könnte und sollte es sein, dein Leben zu deinen eigenen Gunsten (zumindest hin und wieder) ein wenig zu überlisten und es mehr zu er-leben denn zu ver-leben. Wie oft vergeuden, verschleudern, verludern wir kostbare Lebenszeit, unwiederbringliche wertvolle Lebensstunden, Lebensmonate, gar Lebensjahre. »Überlisten« gefällt mir, das passt, das ist ein schönes Wort. Es ist stimmig, hat Humor, birgt aber auch genug Ernsthaftigkeit in sich, um zu vermitteln, wohin die möglichen Wege führen (können). List bedeutet auch Gewitztheit, Kunstgriff, Manöver, Schachzug, durch die positive Brille betrachtet – es kann aber auch Durchtriebenheit, Intrige, Täuschung in sich vereinen. So wie Yin und Yang. Gut und Böse. Gegensätzliche Kräfte, Einflüsse, die unser Leben bestimmen, die in ihrer Verbundenheit und Gemeinsamkeit unsere Lebensenergie ausmachen. Wer mit beiden Seiten und auch mit dem »Dazwischen« existieren kann, und dann noch eine gute Lebensqualität schafft, dem geht es gut. Der kann auf die oft floskelhaft gemeinte Frage »Wie geht’s dir denn?« sehr beruhigt mit »sehr gut« antworten. Vielleicht antwortest du darauf einmal mit »Wahnsinnig gut geht’s mir, fantastisch!« Auch wenn es nicht stimmt. Aber das müssen die anderen, unsere Gegenüber, nicht zu jeder Zeit detailliert wissen.

In diesem Buch geht es um mentale Techniken und Übungen, die mir geholfen haben, neben meinen bisherigen guten, erfreulichen, positiven Erfahrungen vor allem auch den zahlreichen mit Fehler behafteten, traurigen, auch dramatischen persönlichen Erlebnissen eine doch immer wieder positive Wende zu ermöglichen. Es ist ein Zurückgreifen auf Bewährtes, auf Erkenntnisse, die gebildetere, gescheitere Menschen als ich es bin, erforscht, gewonnen und niedergeschrieben haben, ein Reflektieren, das mich in meiner Entwicklung, in meiner Lebenserfahrung weitergebracht hat. Das mich vor allem Eines gelehrt hat, und zwar aus festgefahrenen, generationenübergreifend vorgegebenen Strukturen auszubrechen, sie hinter mir zu lassen, über meinen eigenen Tellerrand hinauszuschauen und damit mehr Weitblick, Durchblick und Klarheit zu erlangen. Vor allem über mein eigenes Leben.

Es war und ist jeden Tag ein mühsamer Prozess, nicht hinter jedem Ratschlag zugleich eine Zurechtweisung zu erkennen. Es gibt sie, ganz sicher, jene Mitmenschen, die es mit uns – mit dir und mir – vorbehaltlos gut meinen. Unvoreingenommen. Wir erkennen das leider manchmal gar nicht oder zu spät. Faktum ist, dass du und ich unsere Umwelt, unser Umfeld nicht massiv und nachhaltig verändern werden und können. Das funktioniert ausschließlich theoretisch, es geht in der Praxis nicht. Du kannst die Rahmenbedingungen deines Daseins ändern, aber nur dann, wenn du selbst zur geplanten Veränderung bereit bist. Nicht können heißt nicht wollen. Aber das wissen wir mittlerweile schon, oder?

Wollen heißt machen – ins Tun kommen. Vergiss das nicht und rufe es dir bitte täglich ins Gedächtnis: Du allein bist die Gestalterin deines Lebens, auch wenn es sich manchmal manipuliert, gesteuert, düster und dunkel darstellt und als Ganzes nur schwer ertragen lässt. Die Schatten, die sich auf deine Seele legen, die dir das Herz schwer machen, sie werden sich eines Tages auflösen. Ich glaube fest daran. Sie werden sich lichten, langsam, aber stetig. Nur musst du etwas dafür tun, etwas dazu beitragen und vor allem musst du investieren: Zeit und Energie. Du musst deine Wünsche und Ziele formulieren und ins Tun kommen. »Hin zu« statt »weg von«.

Glaube mir, liebe Leserin, auch ich kenne intensive Gefühle der Beschwertheit, des Eingeengt-Seins, der Verzweiflung. Und das hat nichts mit meinen erlebten Panikattacken und der (Fast-)Heilung derselbigen zu tun. Nur höre ich in diesen dunklen Momenten und Situationen immer öfter auf mit dem Grübeln, mit der Resignation, mit meinem gelebten Selbstmitleid. Das Grübeln, das Denken in Spiralen, das so gut wie nie zu einem produktiven und nährenden Ergebnis führt, kann man sich selbst sanft versagen. Nicht verbieten oder unterbinden. Sanft versagen! Überhaupt würde uns Sanftheit, Nachsicht, Rücksichtnahme, nicht nur anderen gegenüber, guttun.

Nicht können heißt nicht wollen.

Man kann es lernen: sich Gedanken zu versagen. Und das wird nur einer meiner 52 Mental-Tipps sein, die ich dir in diesem Buch näherbringen werde. Du fragst dich, warum 52? Zugegebenermaßen war das eine Idee der von mir sehr geschätzten Damen meines Amalthea Verlags. Ich bin – erlaube mir nur einen Satz dazu – sehr dankbar, dass ich meine Gefühle, meine gelernten und entdeckten Lösungsvorschläge so mancher Daseinskrisen schriftlich festhalten darf und somit einem intensiven (Wieder-)Erleben Raum geben kann. 52 steht natürlich für die 52 Jahreswochen, und nachdem wir wissen und immer wieder periodisch im Jahreszyklus draufkommen, dass zahlreiche Krisen stimmungsmäßig in einem wie auch immer gearteten Zusammenhang mit der jeweiligen Jahreszeit stehen, fand ich den Vorschlag, genau 52 Mental-Tipps zu geben, ausgezeichnet.

Die Crux an der Geschichte ist, dass du immer dranbleiben musst. Vergleiche es mit körperlichem Training. Wenn du einmal in zwei Wochen laufen gehst oder einen anderen Sport deiner Wahl betreibst, dann ist das zwar »regelmäßiger« Sport, ganz nett, aber es wird dir nichts bringen. Es geht um die beinahe tägliche Regelmäßigkeit, fast schon rituell, und es geht vor allem ums Dranbleiben! Egal, ob es sich um Techniken aus den körperlichen Bereichen handelt, oder ob die Tipps deinen kognitiven Bereich, zum Beispiel deine Merkfähigkeit, deine Konzentrationsfähigkeit oder dein Zeitmanagement betreffen. Oder ob wir uns mit den emotionalen Kapiteln unseres Lebens beschäftigen.

Das Wichtigste in diesem Konnex, wenn ich »etwas« für mich tun möchte, ist der Plan. Wie schaut mein (Lebens-)Plan aus? Habe ich einen? Einen Plan zugunsten meiner »Lebensqualität«? Das ist immer wieder der mir persönlich wichtigste Oberbegriff: die Lebensqualität. Wie steht es um die Qualität deines (einzigen) Lebens? Viele möchten diese Frage nicht beantworten, weil sie vermutlich traurig sind, weil sie depressiv werden, weil sie die Lebenslust auf ihrem Weg irgendwo verloren haben. Aber die gute Nachricht ist: In jedem Alter, in jeder Abhängigkeit, kann ich, kannst du, die Lebensqualität wiederfinden und er-leben. Aber eines muss ich dir sagen bzw. schreiben: Ohne Plan wird es nicht gehen! Wir brauchen unbedingt ein »Zeitmanagement«, Planung, Übersicht, Klarheit und damit Durchblick. Wenn wir keinen Plan haben, dann werden wir auch keines unserer Ziele erreichen.

Und wir brauchen die Konzentration auf uns selbst. Wir benötigen dringend die Fokussierung auf unsere Bedürfnisse, auf unsere Wünsche, auf unsere Ich-Rolle. Auf die vergessen wir, auch ich, obwohl ich alle diese Dinge und »Weisheiten« in den letzten Jahren intensiv gelernt habe und sie in vielen Vorträgen oft erzähle. Aber: wir dürfen auch Fehler machen, das ist ganz entscheidend für unsere Lebensqualität. Wir müssen nicht perfekt sein. Und eine sehr bedeutungsvolle Frage ist: »Wie geht es dir mit dir?« oder »Bist du die Gestalterin deines Lebens, oder sind es andere?«

Denk daran: Die österreichische Frau wird laut der jüngsten Statistik-Austria-Erhebung durchschnittlich 83,6 Jahre alt, der Mann schreibt durchschnittlich 78,5 Jahre an. Haben wir noch viel Zeit? Nein, das haben wir nicht. Wann gedenken wir, eine Veränderung zu unseren Gunsten herbeizuführen? Wann sollen wir beginnen? Meine Antwort lautet: jetzt. Wir beginnen jetzt. Lass uns gemeinsam an den Start gehen und ein Stück dieses sicher nicht immer einfachen Weges gemeinsam bewältigen. Räumen wir die Steine und Felsbrocken der verschiedenen Lebenskrisen aus dem Weg. Aller Anfang ist schwer …

Eine Bitte habe ich noch, bevor wir uns gemeinsam den Krisen des Lebens widmen: Bitte besorge dir ein Notizbuch, eines, in das du Gedanken und diverse Aufgaben schreiben kannst – das ist im Fall dieses Buches notwendig. Ich danke dir sehr und ich freue mich, dass du bei mir bist.

Wir brauchen die Konzentration auf uns selbst.

Zeitplanung ist die halbe Miete

»Zeitmanagement« ist ein Begriff, den ich früher nur aus dem – nomen est omen – Managementbereich kannte. Ich dachte irrtümlich, dass »Zeitmanagement« nur etwas für die Gescheiten, für die Mächtigen sei, die viele Terminkalender und Planer haben und sich ihre Zeit genau einteilen müssen, oder anders, deren Zeit eingeteilt wird. Das dachte ich. Und das war und ist ein schwerer Irrtum. Wir alle müssen bzw. sollten unsere kostbare, uns zur Verfügung stehende Zeit einteilen und, vor allem unter Rücksichtnahme auf uns, (ver-)planen. Die Zeit(ver)planung hat mir nicht nur in meinen dunklen Zeiten geholfen, sondern ich betreibe sie mittlerweile geradezu lustvoll, weil ich über jede Minute meines Lebens entscheiden kann. Ich entscheide, womit, mit wem etc. ich meine (stetig) ablaufende Lebenszeit verbringe, genieße, vergeude, verprasse und erlebe. Das ist einzig und allein meine Entscheidung. Und wenn du jetzt sagst: »Nein, das funktioniert nicht!«, dann solltest du dir überlegen, ob du gestaltest oder ob das andere in deinem Leben tun. Aber darüber habe ich schon so oft geschrieben, darüber spreche ich so häufig, diese Entscheidungsfindung liegt bei dir.

Über den Großteil deiner Zeit kannst du entscheiden – vielleicht weißt du es noch nicht … Natürlich ist es mühsam und mit Aufwand verbunden. Das Besorgen eines Zeitplaners ist nicht aufwändig – aber die Verplanung, das Ausfüllen, das Befüllen deines Zeitplaners, deines Kalenders erfordert Konzentration, Aufmerksamkeit und Energie. Weil, vielleicht kennst du das ja auch aus deinem Leben: Ja sagt man relativ schnell, man wird unter Druck gesetzt, Ja oder Nein? Egal wozu: die Geburtstagfeier einer Freundin (vielleicht ist sie ja doch nur eine Bekannte …), das Fest bei Tante Bertha, meistens Termine, die weit weg scheinen, es ist in drei Monaten erst soweit etc. Ich verrate dir nichts Neues: Der Tag des (zugesagten) Termins kommt und dann musst du deine Planung einlösen, deine Zusage realisieren.

Zusagen müssen nicht sofort, nicht in der Minute erfolgen. Überlege dir in Ruhe, ob du etwas tun willst, ob du bei jedem Fest dabei sein musst oder nicht. Es ist durchaus legitim und erlaubt, dankend abzulehnen. Die Begründung könnte lauten: »Ich habe einen Termin.« Und zwar hast du einen Termin mit dir selbst. Das musst du nicht verraten. Du stehst nicht permanent unter einem Rechtfertigungsdruck, egal um wen es sich handelt. »Ich habe einen Termin!« Das reicht. Ich habe diesen Fehler oft gemacht und mich meistens gerechtfertigt – manchmal passiert mir das heute noch. Ich sage viel zu schnell ja oder sage zu, etwas zu tun, irgendwo hinzugehen, etwas zu unternehmen. »Ja, gerne, das wird sicher fein!« Vielleicht in meiner Vorstellung, weil es noch so weit weg scheint … Aber die Zeit vergeht schnell, wie du weißt. Also überlege, schlafe darüber und entscheide dann.

Ein erster Tipp in diesem Buch hat mit deinem persönlichen Zeitmanagement zu tun und ist ein ganz simpler: Ich möchte, dass du dir einen Zeitplaner besorgst. Nein, es ist nicht dein Handy, nicht dein PC, sondern es ist ein Zeitplanbuch, welches du händisch »befüllst«. Ein Terminkalender, ein Buch, in das du deine Termine handschriftlich einträgst. Und wir reden nicht nur von deinen beruflichen Terminen, sondern ich meine vor allem deine privaten Termine, ich denke an die »Termine« mit dir! Zum Beispiel: Du hast dir nach langer Zeit endlich wieder eine Massage ausgemacht oder eine Kosmetikbehandlung etc. – das solltest du in deinen Kalender eintragen. Und zwar mit dem nötigen Zeitpuffer, den du brauchst, um dorthin zu gelangen und zurück. Es ist ganz wichtig, Zeitpuffer einzuplanen. Dein persönliches Zeitplanbuch sollte dir Platz bieten, also groß genug für alle deine Vorhaben, Termine, Ziele und Wünsche sein – und es sollte auch weit mehr als »nur« ein Terminkalender sein. Deine Aktivitäten, deine Listen finden darin Platz, deine Prioritäten, die Zeitdauer und Zielsetzungen der Aufgaben, die du selbst erledigen oder delegieren willst.

Merke:
die wichtigsten Termine sind jene mit dir.

Entscheidend ist, dass du nicht Prioritäten für das setzt, was da alles auf dem Terminplan steht, sondern dass du für deine Prioritäten Termine festlegst. Es gibt einzuhaltende Termine in deinem Leben, die scheinbar alles blockieren: deine Arbeitszeit beispielsweise, daran geht kein Weg vorbei. Im Privatleben tust du dir mit einer Planung vielleicht schon leichter. Hast du Verwandte, Bekannte, Freunde, die auch immer über Zeitmangel (vor allem sich selbst gegenüber) klagen? Möglicherweise könnte man sich arrangieren, u.a. was die Kinderbetreuung, Freizeitaktivitäten, Einkäufe etc. betrifft? Merke: die wichtigsten Termine sind jene mit dir. Du kannst gerne meinen Trick übernehmen und diese persönlichen Termine mit Codenamen versehen: SAU für Sauna (ich habe es immer noch nicht geändert), FIT (für Fitnesscenter), JOG für Laufen – an und für sich Abkürzungen … Prinzipiell hoffe ich zum einen, dass niemand deinen Terminkalender in die Hand nimmt und darin schmökert, und andererseits kannst du diverse Vorhaben kodieren. KOS für Kosmetik oder FP für Fußpflege … Kein Mensch wird herausfinden, was du meinst.

TIPP 1: ZEITPLANER BESORGEN

° Kaufe dir einen Zeitplaner bzw. einen Kalender deiner Wahl.

° Achte darauf, dass er eine Wochenplanung enthält.

° Ich empfehle dir die Wochenplanung, weil du so Übersicht über dein Leben bekommst.

° Trage deine Termine sofort ein, wenn du von ihnen Kenntnis hast.

° Trage alle Feste, Geburtstage, die wichtig für dich sind, sofort ein.

° Vergiss nicht auf die »Pufferzeiten« deiner Aktivitäten.

° Markiere die verschiedenen Bereiche deines Lebens mit jenen Farben, die dir gefallen und die deiner Meinung nach zu den

° Bereichen passen. (Beruf, Privat, Familie, Du, Freunde, Sport …)

° Überlege dir, wenn du deine Wochenplanung betrachtest, welche Termine du absagen/stornieren könntest, welche unbedingt notwendig sind und welche du einhalten willst.

° Analysiere, ob die Termine deinem Vorteil dienen oder nur Termine für »andere« sind …

° Vergiss nicht auf dich: Du solltest jeden Tag einen »Termin mit dir« machen!

Lebensturbulenz

Eine Krise ist eine ernst zu nehmende Turbulenz im Leben. Da ist viel los und es muss auch etwas auf dem Spiel stehen. Oft hört und liest man den Ausdruck »ernste Krise«. Das ist meiner Meinung nach ein Unsinn, weil wenn »es« nicht ernst ist, dann handelt es sich auch nicht um eine Krise. Eine Krise ist immer eine Situation, die in ganz besonderer Art und Weise schwierig ist.

Ist dir bei deinen Krisen vielleicht aufgefallen, dass die bisherigen Methoden, wie du an Problemlösungen herangegangen bist, nicht mehr greifen? Es wird alles derart infrage gestellt, dass eine entscheidende Wende, ein Umdenken, ein »Um-Handeln« notwendig sein wird. In der Krise ist der Zugriff auf Lösungsstrategien, auf etwaige vorhandene Ressourcen schwierig, weil du sie nicht finden wirst. Warum nicht? Weil dein Blick verstellt ist und die bisherigen Problemlösungen, die immer recht hilfreich waren, dir nicht einfallen werden. Deine kognitiven Fähigkeiten sind blockiert, du hast die Lösungen nicht parat.

Ein entscheidendes Kriterium, laut meiner ehemaligen Professorin, Daniela Domig (Psychotherapeutin in Rankweil/Vorarlberg), im Falle einer Krise ist die Angst. Wenn die Angst zu viel Raum bekommt, dann geht das zumeist zu Lasten der Kreativität. Wenn diese fehlt, dann fällt dir nichts mehr ein. Kreativität und Angst sind nicht kompatibel. Kreativität funktioniert nur, wenn du frei bist, wenn du gelassen bist, wenn du dich öffnest. Und bei diesem »Sich-Öffnen« steht permanent ein »Ja« im Hintergrund. Und zwar ein Ja in der Bedeutung von Zustimmung, von Sich-Einlassen. Das hat mit Flexibilität und Authentizität zu tun.

Welche Gefühle machen sich in dir breit, wenn du Angst verspürst? Enge, Blockaden, der »Würgegriff« des Seins, Atembeschwerden etc. Wenn du Angst hast, dann kann auch nichts passieren, weder in die eine, noch in die andere Richtung. Weder rein, noch raus. Was brauchst du vor allem in solchen Situationen? Du brauchst die Fähigkeit mit Angst, Furcht, Ärger, Frust, belastenden Gefühlen besser umgehen zu können. Was kann dir dabei helfen? Ganz sicher Balance, Stabilität, mehr Selbstsicherheit und die Fähigkeit, loslassen zu können. Los-lassen ist am schwierigsten, wenn wir blockiert, gehemmt und/oder beengt sind.

Ist jede Krise eine Identitätskrise?

Ja, natürlich, die Krise an sich stellt die Identität infrage, das habe ich jahrelang gelernt, erfahren und davon bin ich auch überzeugt. Und in den gescheiten Büchern steht das auch so. Daniela Domig hat mir in einem unserer vielen Gespräche recht gegeben: Sie meint, dass dieses Infragestellen der Identität sowohl bei der Entwicklungskrise als auch bei der traumatischen Krise stattfindet.

Damit eine Entwicklung weitergeht oder weitergehen kann, müssen wir Altes zurücklassen, wir müssen loslassen, um Platz für Neues zu schaffen. Möglicherweise gibt es einen Abschied von einer geliebten Person, von einem nahestehenden Menschen, einen Abschied von einer beruflichen Situation usw. Der Abschied, in welcher Form auch immer, muss vollzogen werden, bevor man Neues in Angriff nimmt. Dieser Prozess geht langsam vonstatten, das habe ich am eigenen Leib erfahren müssen oder dürfen. Das ist im Nachhinein immer Anschauungssache.

Kreativität und Angst sind nicht kompatibel.

Bei der traumatischen Krise ist das problematischer – die passiert von einem Moment auf den anderen, schlägt gnadenlos zu und verändert unser Leben in der Sekunde. Aufgrund dieser »Plötzlichkeit« stehen uns keine Ressourcen mehr zur Verfügung. Gerade während ich diese Zeilen schreibe, erfahre ich, dass ein Geschwisterpaar, ein 16-jähriger Bub und eine 21-jährige junge Frau, die Kinder einer entfernten Bekannten, in der Nacht tödlich verunglückt sind. Da stelle ich mir, wie bei manchen dieser gehörten, erfahrenen Katastrophen die Frage: Wie würde ich reagieren? Könnte ich darauf überhaupt reagieren? Da fühle ich allein durch die Vorstellung eine lähmende Schwere in mir, wenn ich an die geballte Schrecklichkeit, an diese Katastrophe denke, die dann unwiderruflich das Leben der Betroffenen beherrscht und nachhaltig prägt. Alleine beim Gedanken, dass eines meiner beiden Kinder sterben würde – also sterben werden sie schon irgendwann einmal –, aber die Vorstellung, dass sie »vor mir gehen«, ist unerträglich, schmerzlich und unvorstellbar.

Auch Naturkatastrophen brechen unangekündigt über uns herein. Erinnerst du dich noch an die schrecklichen Bilder vom Tsunami vom 26. Dezember 2004 im Indischen Ozean? Über 230 000 Menschen sind damals gestorben. Wenn du die Nachrichten im TV siehst, Radio hörst oder Zeitungen liest, dann erfährst du jeden Tag von den fürchterlichsten Geschehnissen und Entwicklungen im In- und im Ausland. Krise hier, Krise da, Katastrophen en masse. Wir fühlen uns immer weit entfernt davon. Das ist ein interessantes Phänomen. Wir beobachten, nicken betroffen, sind berührt, aber wir sind weit weg. Auch wenn, wie in meinem Fall, in unserem Dorf vor Jahren zwei Menschen erschossen worden sind, keine 200 Meter von unserem Haus entfernt. Auch wenn auf der Strecke nach Hause der junge Mann aus der Nachbarschaft gegen einen Baum kracht und verbrennt, wenn die Kinder von Bekannten verunglücken, wenn sich der Anrainer in der Nähe im Garten erschießt. Alles erlebt, alles erfahren und doch gefühlt weit weg. Es ist alles real, alles passiert, aber nicht im eigenen (noch) geschützten Bereich. Hilft da ein kurzes Durchatmen, verbunden mit dem Gedanken »Gott sei Dank, uns hat es nicht erwischt …«?

Wir müssen loslassen,
um Platz für Neues zu schaffen.

Das Wort »Krise« kommt aus dem Griechischen und bedeutet »trennen« und »unter-scheiden«.

Die Krise

Wann sprechen wir allgemein von einer Krise? Wenn es uns nicht gut geht, wenn wir »daneben stehen«, wenn uns das Schicksal unbarmherzig und völlig überraschend trifft? Das Wort »Krise« kommt aus dem Griechischen und bedeutet »trennen« und »unterscheiden«. Es bezeichnet »(Ent-)Scheidung«, »entscheidende Wendung« und bedeutet eine »schwierige Situation, Zeit, die den Höhe- und Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt«. Nimmt die Entwicklung einen dauerhaft negativen Verlauf, so spricht man von einer Katastrophe. »Krise« wird in den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen auf sehr unterschiedliche Weise thematisiert: in der Medizin und Psychologie, in der Wirtschaftswissenschaft und Soziologie, auch in der Ökologie und Systemtheorie.1

Ich beschäftige mich in diesem Buch vor allem mit persönlichen Krisen oder Krisensituationen und deren möglicher Bewältigung. Solche Krisen entstehen oft durch ein völlig überraschendes Ereignis oder ein akutes Geschehen. Die Fragestellungen, die während des Krisenerlebens auftauchen, stellen von einem Moment auf den anderen vieles, wenn nicht alles infrage. Da geht es um bisherige Wertigkeiten, Normen, Erfahrungen und auch Ziele.

Fachleute haben Modelle für die Thematik »Lebenskrise« erstellt, darunter auch der amerikanische Sozialpsychiater G. Caplan. Er teilt diese in vier Phasen ein: In der ersten Phase kämpft der Betroffene gegen sein Unwohlsein und Unwohlbefinden an, vertieft sich damit allerdings jedes Mal stärker in den personalen (den eigenen) Konflikt. In der zweiten Phase bemerkt er, in welchem Zustand er sich befindet und dass die allgemeine Problemlösung nicht zum erhofften Ziel führt. Diese beiden Phasen fallen bei den meisten Menschen in psychischen Krisen sehr ähnlich aus. Differenzierter ist dagegen der Ausweg, die dritte Phase. Dort kann der Betroffene zwei Wege einschlagen. In der einen Variante zieht sich der Betroffene vollkommen zurück und distanziert sich von Menschen sowie von seinen Erwartungen und Zielvorstellungen, damit er keine Enttäuschung mehr empfinden kann. Die andere Variante führt dazu, dass der Betroffene genau das Gegenteil anstrebt und alle noch verbleibenden Kräfte mobilisiert, um einen positiven Ausweg aus der Krise zu finden. Er kann unbekannte Fähigkeiten entwickeln und dadurch die Krise bewältigen. Die vierte und damit letzte Phase tritt ein, wenn der vorherige Schritt ebenfalls keine Verbesserung der Lage hervorbringt. Hier befindet sich der Betroffene vollkommen in einer Krise, trotz sporadisch fehlender Anzeichen. Innerlich steht die Persönlichkeit kurz vor einem Zusammenbruch. Dies führt dann letztendlich zu Orientierungs- und Hilflosigkeit.2

Veränderungen machen auch Angst.

Es gibt eine Reihe von wissenschaftlichen, psychologischen Erkenntnissen darüber, welche Lebensereignisse einem betroffenen Menschen am meisten zusetzen. Ich habe aus Dutzenden Listen eine persönliche Reihung der »Top 7« erstellt – jener Krisen/Katastrophen/Schicksalsschläge/Lebensveränderungen, die sich am intensivsten auswirken:

Tod eines nahen Angehörigen

Scheidung/Trennung

Körperliche Erkrankung

Arbeitsplatzverlust

Wohnungskündigung

Pension

Umzug ins Altersheim

Wir Menschen sind so programmiert, dass wir unangenehme (Vor-) Ahnungen meist nicht zur Kenntnis nehmen (wollen), wir bleiben lieber bei unseren alten Gewohnheiten, bei unseren Mustern, auch wenn wir dann in diesen stecken bleiben, weil wir den Zeitpunkt des Absprungs versäumt haben. Der Absprung ist gleichzusetzen mit Veränderung und diese Veränderungen tun weh, sind mühselig, strapaziös, anstrengend und ermüdend. Sie rauben am Anfang viel Energie. Veränderungen machen auch Angst. Und wenn es passiert, dass sich die Krise unbarmherzig in unser Leben drängt, hereinplatzt wie ein ungebetener Gast, dann ist es zu spät. Dann können wir nicht sagen: »He Krise, verschwinde, ich kann dich jetzt nicht brauchen!« Ich höre dich jetzt aufseufzen und fragen: Wann kann man schon eine Krise »brauchen«? Gar nicht. Sie ist aber da.

In der chinesischen Schriftsprache gibt es bekanntlich ein Zeichen für »Krise«. Dieses setzt sich aus zwei Teilen zusammen, der eine Teil symbolisiert die Gefahr, der andere die Chance. Das heißt im übertragenen, im übersetzten Sinn, dass die Krise eine gefährliche Chance ist. Wieder tut sich eine Frage auf: Welche Chancen bietet uns die Krise – dir und mir? Ja, lass uns gemeinsam nachdenken und dann handeln. Denken wir nach, wie es weitergeht, ob es überhaupt weitergeht, oder ob wir resignieren sollen. Und nachdem resignieren so gar nicht meine Sache ist und ich hoffe auch nicht die deine, kommen wir ins Tun!

Meine Tipps, meine Techniken sind keine Wundermittel, keine Allheilmittel, nein, es sind Möglichkeiten, sich über Minuten, vielleicht sogar Stunden – regelmäßig! – mit Positivem zu beschäftigen. Und auch vor allem mit sich selbst zu beschäftigen. Es geht um Anhaltspunkte, um Anker, um Rituale, um Möglichkeiten, die mir helfen, meinem Lebensmotto näher zu kommen: »Es geht mir von Tag zu Tag in jeder Hinsicht besser und besser!« Und das wünsche ich mir auch für dich.

Selbstlob stinkt nicht

Wenn es uns nicht gut geht, dann denken wir meistens negativ. Entweder sind die anderen an unserem Unglück, an unserer Krise, schuld oder wir selbst. Oftmals ergießen wir uns deshalb in bitterem Selbstmitleid und auch Selbstvorwürfe stehen in den negativen Akutphasen regelmäßig an der Tagesordnung. Du kennst doch gefühlte und gedachte Aussagen wie »Nichts mache ich richtig!«, »Ich stehe vor dem Scherbenhaufen meines Lebens«, »Ich habe alles bisher falsch gemacht«, »Ich bin eine Versagerin auf der ganzen Linie«, »Ich bin unfähig, dies und das und jenes zu schaffen« etc. – durchwegs negative Ansichten, es fallen dir nur sogenannte »Downlights« ein und resignatives Gedankengut macht sich breit.

Das werden wir jetzt gemeinsam zu Beginn unserer mentalen, aktiven (!) Tätigkeit ändern, einverstanden? Wir kreieren zu Beginn meiner vorgeschlagenen Mental-Tipps bald einen Blumenstrauß deiner bisherigen Lebenserfolge. Wir widmen uns ausschließlich der Beantwortung der Fragen »Was habe ich alles richtig gemacht?«, »Was habe ich in meinem Leben gut gemeistert?«. Alle Situationen, alle Dinge, alle Umstände, ja auch Krisen, die ich je bewältigt habe, haben auf einer tieferen Ebene mein Selbstwertgefühl, mein Selbstvertrauen, meinen Bezug zu mir gestärkt. Das haben wir vergessen, diese Erkenntnis ist weit weg von uns, fast verschüttet – wir graben sie wieder aus.

»Es geht mir von Tag zu Tag
in jeder Hinsicht besser und besser!«

Wir dürfen uns gratulieren
zu herausragenden Lebensleistungen.

Wir haben meiner Meinung nach die unbedingte Verpflichtung, uns wertzuschätzen, uns zu würdigen, wir dürfen uns auch selbst loben, ja, das dürfen und das sollen wir! Und wir dürfen uns gratulieren zu herausragenden Lebensleistungen. Zu Leistungen, die wir leider häufig verdrängen und denen wir eine zu geringe Bedeutung beimessen. Wie oft sagen wir nach Erhalt eines Kompliments oder eines Lobes – fast leicht peinlich berührt: »Nein, nein, so gut war das jetzt auch nicht …« Kommt dir das vertraut vor? Nach einem guten Essen, das wir zubereitet haben, nach einer gelungenen Festivität, die wir organisiert haben, nach einer Arbeitsleistung, die wir geschafft haben. »Nein, nein, danke, soooo gut war es jetzt auch wieder nicht.« Hören wir auf damit. Formulieren wir anders: »Ich danke dir/Ihnen, dass du/Sie das ähnlich sehen wie ich. Ja, das ist mir gut gelungen!« Das könnte man antworten, ohne arrogant zu sein. Ja, ich anerkenne, dass ich etwas leiste und dass ich in meiner Leistung qualitativ hohen Ansprüchen gerecht werde. Schieben wir unsere (meist anerzogene) Bescheidenheit ein wenig zur Seite. Bescheidenheit ist kein guter Parameter fürs Leben. Was bringt uns Bescheidenheit? Wenn du mir das plausibel erklären kannst, dann ändere ich meine Meinung.