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Rudolf Muhr

Die Herzenswörter der Österreicher

RUDOLF MUHR

Die Herzenswörter der Österreicher

AMALTHEA

Besuchen Sie uns im Internet unter: www.amalthea.at

© 2015 by Amalthea Signum Verlag, Wien

Alle Rechte vorbehalten
Umschlaggestaltung: Elisabeth Pirker, OFFBEAT
Herstellung und Satz: VerlagsService Dietmar Schmitz GmbH,
Heimstetten
Gesetzt aus der 10,5/13 pt Minion Pro
ISBN 978-3-99050-010-1
eISBN 978-3-902998-98-9

Inhalt

Vorwort

Der Herzenswörter erster Teil Kosenamen und Kosewörter der ÖsterreicherInnen

Einleitung

Die Hitparade der österreichischen Kosenamen

Besondere Kosenamen, die nicht jeder verwendet – samt Erklärungen

Die Kosenamen der ZuwanderInnen

Die Kosenamenwerkstatt: Wie Sie sich einen österreichischen Kosenamen zusammenbauen

Der Herzenswörter zweiter Teil Österreichische Wörter, die den Menschen am Herzen liegen

Einleitung

Herzenswörter von A bis Z

Literaturverzeichnis

Online-Wörterbücher

Fragebogen

Vorwort

Sicher fragen Sie sich als Leser, was Herzenswörter sind. Herzenswörter sind Wörter, die vom Herzen kommen und zum Herzen gehen. Dieses Buch enthält eine Auswahl von Herzenswörtern der ÖsterreicherInnen.

Nicht wenige werden das als Kitsch oder als Peinlichkeit abtun. Tatsächlich aber gehören Herzenswörter zu jenen Schätzen, die wir wie gute Erinnerungen aus der Kindheit tief im Innern hüten: Sie sind etwas durch und durch Persönliches, über das man nur selten spricht und wenn, dann nur zu Menschen, denen man vertraut. Aber es sind auch Wörter, die man vielleicht mit Vorliebe und wohl auch mit Bedacht verwendet. Und dann sind da Wörter, die man verwendet, wenn man sich sehr ärgert, aufregt oder sonst wie erregt ist.

Es ist Zeit, den Schleier zu lüften und zu zeigen, welche Wörter und Ausdrücke den ÖsterreicherInnen am Herzen liegen.

Die Auswahl der Wörter ist nicht zufällig zustande gekommen. Im ersten Teil dieses Buches werden Kosenamen und Kosewörter präsentiert, die im Rahmen einer großen Internetbefragung von mehr als 350 ÖsterreicherInnen eingeschickt wurden. Es ist das erste Mal, dass Daten aus einer umfassenden wissenschaftlichen Untersuchung zu diesem Thema präsentiert werden können.

Im zweiten Teil finden Sie über 1200 Herzenswörter, die Menschen aus ganz Österreich 2014 im Rahmen einer Aktion der Zeitschrift News unter dem Motto eingeschickt haben, dass diese Wörter nicht verloren gehen sollen.

Sie werden vom Autor dieses Buches in Bezug auf ihre Bedeutung, ihren Gebrauch und ihre Herkunft erläutert und beschrieben. Das soll helfen, die Wörter besser zu verstehen.

Es sind sicher zahlreiche Wörter dabei, die Ihnen neu sind, die lustig sind, aber vielleicht auch betroffen machen, weil sie Sachverhalte ausdrücken, die nicht immer offen ausgesprochen werden. In jedem Fall sind viele positive Wörter dabei, die die Menschen geschaffen haben, um ihren Liebsten zu zeigen, dass sie ihnen sehr viel bedeuten.

Vielleicht ist auch Ihr persönliches Herzenswort dabei?

Rudolf Muhr

Graz, im Juni 2015

Der Herzenswörter erster Teil

Kosenamen und Kosewörter der ÖsterreicherInnen

Einleitung

Wie im Vorwort beschrieben, handelt es sich bei Herzenswörtern vor allem um Wörter, die einen hohen emotionalen Wert haben. Dieser kann dadurch begründet sein, dass die Menschen bestimmte Wörter bevorzugt verwenden, mit ihnen besondere Erlebnisse oder vielleicht sogar besonderes Wohlbefinden verbinden.

Zu Letzterem gehören ohne Zweifel die Kosenamen und Kosewörter, die in engen privaten Beziehungen verwendet werden und gewissermaßen das Sinnbild dieser Beziehungen sind. Es sind Wörter, mit denen wir Beziehungen anbahnen, aufrechterhalten und stabilisieren, wenn sie in Gefahr sind, auseinanderzubrechen.

Interessanterweise hat es dazu in Österreich bis vor Kurzem keine wissenschaftlichen Untersuchungen gegeben. Auch in anderen Ländern hat man diesen Bereich nicht besonders beachtet. Das hat wohl damit zu tun, dass WissenschaftlerInnen Angst davor haben, sich zu blamieren, weil Kosewörter angeblich kein »seriöses« Thema sind.

Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Die Erhebung, die der Autor dieses Buches zusammen mit einer Gruppe von Studierenden 2014 gemacht hat, hat gezeigt, dass den Kosenamen und Kosewörtern eine enorme Bedeutung in privaten Beziehungen zukommt. Meistens entstehen sie kurz nach Beginn der Beziehung und bleiben auf Dauer in Verwendung, und das oft jahrzehntelang.

Wie wichtig diese Wörter tatsächlich sind, zeigen die Antworten auf die Frage »Wie würden Sie reagieren, wenn Sie herausfinden, dass der Kosenamen, den Ihr Partner für Sie verwendet, schon für eine/n andere/n Partner/in verwendet wurde?«. Gut 80 Prozent derer, die diese Frage beantwortet haben, meinten, dass sie enttäuscht, gekränkt, beleidigt oder wütend wären und sich verraten fühlen würden. Manche würden den Kosenamen in diesem Fall sogar ablehnen, was ziemlichen Stress für die Beziehung bedeutet. Lediglich, wenn es sich um einen Standard-Kosenamen handelt (z. B. »Schatz«), würde über diese sonst kaum wiedergutzumachende Kardinalsünde hinweggesehen.

Die im Folgenden auszugsweise präsentierten Daten sind Angaben von Personen aus ganz Österreich, die einen anonymen Online-Fragebogen (siehe Ende dieses Buches) ausgefüllt haben und bereit waren, sehr Persönliches preiszugeben. Mehr als 350 Frauen und Männer (eine erfreulich hohe Teilnehmerzahl) haben ihre Kosenamen und die ihrer unmittelbaren Angehörigen und Freunde bekannt gegeben. Der Autor dieses Buches möchte ihnen allen an dieser Stelle herzlich danken.

Die Hitparade der österreichischen Kosenamen

Insgesamt wurden 1270 Kosenamen genannt. Ohne Zweifel sind die ÖstereicherInnen beim Erfinden von Kosenamen sehr kreativ. Gleichzeitig zeigt die Hitparade der Kosenamen, dass Schatz/Schatzi und Zusammensetzungen damit der absolute Favorit ist. Das mag manchen nicht sehr einfallsreich vorkommen. Aber Originalität ist bei Kosenamen nicht unbedingt wichtig. Sie entstehen aus bestimmten Situationen heraus und stehen für ebendiese.

Die Liste der Nennungen mit Schatz/Schatzi hält einige Überraschungen parat. Denn so manchem ist Schatz/Schatzi einfach zu wenig und es wird daher mit einem anderen Ausdruck verstärkt. Das führt zu folgenden Kosenamen: Schatzi Pups, Schatzibäh, Schatzibuh, Schatzi-Mausi, Schatziputz. Schon mit diesen Beispielen gelingt mühelos der Nachweis, dass im Reich der Liebe alles möglich und erlaubt ist, sei es noch so kindisch oder für andere vielleicht sogar lächerlich.

Gleich nach Schatz/Schatzi beginnt die österreichische Kosenamen-Tierwelt. An erster Stelle steht die Maus bzw. das Mausi, die in verschiedenen Abwandlungen vorkommen: Mausal, Mauserl, Mäusele, Mausebär, Mäusebär, Mausebärli, Mäuseken, Mausmaus, Mäusl, Mäuserich, Mäusetier, Bitchmaus. Besondere Beachtung verdient wohl der Ausdruck Bitchmaus. Vermutlich muss man sich darunter eine sexuell hyperaktive Feldmaus vorstellen. Jedenfalls ist es eine moderne Maus, sie hat Englisch gelernt und kennt auch die inoffiziellen Vokabeln.

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Hier regiert das Prinzip der Verkleinerung, indem die ohnehin schon kleine Maus zusätzlich noch reduziert wird. Einer der Teilnehmer der Befragung stellt dazu fest: »Ich verbinde mit ›Maus‹ ein kleines, süßes Tier, das ich beschützen möchte und dessen Anblick mich zum Strahlen bringt.« Das Ergebnis ist dann das Mausi, das Mäusele, das Mauserl und das Mäusl. Während dieser Kosenamen in der Regel für Frauen verwendet wird, eignet er sich leicht abgewandelt auch für Männer. Die heißen dann Mausebär oder Mäusebär, Mausebärli, Mäuseken, Mausmaus, Mäusl, Mäuserich oder Mäusetier.

Während die Mausmaus so etwas wie eine Supermaus ist, ist Mäuserich nicht unbedingt romantisch (oder vielleicht doch?), was man vom trockenen Ausdruck Mäusetier vermutlich noch weniger sagen kann. Der so titulierte Partner wird unbarmherzig der Tierwelt zugeordnet und so auf einen eindeutigen Platz verwiesen. Aber wer weiß, vielleicht ist auch das romantisch – schließlich gibt es bei Kosenamen keine Regeln des guten Geschmacks. Auffallend ist, dass das in Deutschland häufig verwendete Mäuschen in Österreich ein unscheinbares Randdasein fristet. Es wird kaum verwendet.

Und weil wir schon bei der Maus sind: Nicht wenige, die diesen Kosenamen verwenden, verwenden für ihre Liebsten gleich mehrere Kosenamen. Das ergibt dann längere Listen von gleichzeitig verwendeten Kosenamen, wie die folgenden Beispiele zeigen:

Maus, Mausebär, Bitchmaus, Mausmaus, Schatz, Liebster

Mäuschen, Honeybunny, Süße, Baby, Schatzi

Mäusebärli, Hasibutzi, Hetscherlfuchsi

Mausmaus, Bitchmaus, Schatz, Liebste

Mausi, Mausal, Murml

Maus, Prinzessin, Hübsche

Das ist aber erst der Anfang der österreichischen Kosenamen-Tierwelt. Gleich nach der Maus kommt in der Hitparade der Hase mit einer nicht sehr großen Anzahl von verschiedenen Formen. Den harmlosen, kuscheligen Hasen gibt es als mein Hase und ein wenig aufs Podest gehoben als Mr. Hase. Gleich danach kommen die nochmals verkleinerten Hasen als: Hasi, Hasilein, Luki-Hasi, Oster Hasi. Und natürlich gibt es auch die verstärkten Ausdrücke: Hasibär, Hasibärli, Hasiputzi, Hasimausi. Letztere muss wirklich winzig sein! Interessanterweise gibt es bei dem Kosenamen Hase/Hasi bei Weitem nicht so viele gleichzeitig verwendete Kosenamen wie bei Maus/Mausi:

Hasibär, Schatzi, Liebling, Schnuffschnuff

Hase, Schatz, Schnucki

Hasi, Schatzi

Hase, Schatz

Hase, Bär

Hase, Poli

Gleich nach dem Hasen kommt ein weiteres Tier, das ein bevorzugter österreichischer Kosenamen ist: Es ist der Bär bzw. das Bärli. Er steht für Kindheitserinnerungen, wie das kuschelige Einschlafen mit einem flauschigen Teddybären, und die Vorstellung, stark und zuverlässig zu sein und dabei gemütlich und gar nicht aggressiv. Das hat zwar überhaupt nichts mit dem echten Bären zu tun, hat sich aber so eingebürgert. Auffallend ist hier die große Anzahl von Wortkombinationen mit dem Basiswort »-bär«, die sich in zwei Gruppen aufteilen lassen. Sofort verständliche Kosenamen sind Bären-Herz, Brummbär, Bussibär, Chaosbär, Funkbär, Hasebär, Hasibär, Kuschelbär, Nuckelbär, Mr. Putzibär, Otterbär, Papabär, Petzibär, Schatzibär, Schatzimausibärli, Schmusehomobär. Erklärungsbedürftig sind hingegen Kosenamen wie die folgenden:

Bärlikran, Bärlischwan: Ich wecke meinen Partner in der Früh auf und ziehe ihn aus dem Bett, daher bin ich der Kran. Er rollt sich im Bett immer ein, also liegt er wie ein schlafender Schwan.

Werbärchen: Werbärchen entstand bei einer Blödelei über Werwölfe und mich.

Ombibär: Nenne sie immer Ombi und Bär hat mir am besten dazu gefallen.

Bububär: Wenn man den Erklärungen im Internet glaubt, steht bubu kindersprachlich für schlafen. Der Bububär ist also der Schlafbär.

Einmal mehr zeigen diese Beispiele, dass sich jedes, für Außenstehende auch völlig unsinnig erscheinende Wort als Kosenamen eignet, solange seine Bedeutung nur zwischen den Partnern vereinbart ist und für sie einen besonderen emotionalen Wert hat.

Ein weiteres recht häufiges Kosewort aus dem Bereich der Tierwelt ist Spatz. Die Anzahl der Abwandlungen ist jedoch gering. Es finden sich lediglich einige Verkleinerungen und Aussprachevarianten: Spatzi, Spatzl, Spotzl, Spotzi, Spätzchen. Das Wort eignet sich hervorragend als Kosenamen, da damit Verniedlichung/Verkleinerung ausgedrückt wird, wie das zum Beispiel auch mit Maus/Mausi der Fall ist.

Weit abgeschlagen hingegen auf Platz Nummer 11 ist das Kosewort Kater/Katze mit seinen Abwandlungen. Davon gibt es einige: Katerchen, Kätzchen, Katze, Katzy, Schmusekatze. Ansonsten kommen aus dem Bereich der Tiernamen nur einige wenige Male Tiger/Tigerin und einmal kleiner Fuchs und kleiner Wal vor.

Auf Platz fünf der Liste der häufigsten österreichischen Kosenamen steht Baby/Babylein, das ebenfalls ins Schema Verkleinerung/Verniedlichung gehört. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Kosenamen Herr Bebi/Frau Bebi (sic!). Sie sind wohl ein wenig ironisch gemeint, da ein Baby ja hilfsbedürftig ist. So gesehen ist Herr/Frau Baby ein Widerspruch in sich. Der hierher gehörende Ausdruck Babe wurde aus dem Englischen entlehnt, möglicherweise hat auch der Film Ein Schweinchen namens Babe eine Rolle gespielt.

Eine nicht unwesentliche Vorliebe haben die ÖsterreicherInnen auch für Schnuck, Schnucki, Schnuckiputz, Schnuckl, Schnuckele, Schnuckibär, das immerhin an achter Stelle steht. Das Kosewort hat keine nachvollziehbare Bedeutung, außer, dass es verniedlichend wirkt. Dies gilt auch für Schnuffel, Schnuffi, Schnuffelchen, Schnuffikuss, Schnuffschnuff, das von manchen als Kosewort für kleine Hunde verwendet wird und deren Niesen nachmacht. Es gehört damit eigentlich in die Kategorie der Tiernamen-Koseworte.

Recht häufig verwendet wird auch Süße/Süße (Siaße) auf dem siebenten Platz. Dazu gehört auch das englische Honey/Honeybunni (Platz 17, wörtlich: Honig/Honighase; in übertragener Bedeutung: Liebling) und Keks/Keksi auf Platz 18. Sie sind Kosenamen, denen die Grundbedeutung »süß« gemeinsam ist.

Liebling auf Platz 9 und Liebste/Liebster auf Platz 15 sind hingegen allgemein in ihrer Bedeutung und gehören in eine Gruppe mit Schatz. Hübsche/Hübscher gehört ebenfalls in diese Gruppe. Sie umfasst nicht-verniedlichende Kosewörter, da damit eine Aufwertung der Person vorgenommen wird. Ohne Weiteres kann man hierzu auch das etwas provokante Prinzessin auf Platz 16 dazu zählen.

Das stark verniedlichende Puppe, Puppi, Püppi, Puppimaus, Puppy ist hingegen wohl nicht jedermanns Sache, da es die Partnerin zu einem quasi willenlosen Spielzeug macht. Völlig harmlos dagegen ist Schneckal, Schneckerl, Schnecki, Schneck, das auf die gekräuselten Haare des Partners bzw. der Partnerin Bezug nimmt.

Damit wären all jene Kosewörter besprochen, die in der Befragung eine gewisse Häufigkeit gezeigt haben. Allerdings gibt es 192 andere Kosenamen, die nur einmal vorkommen. In dieser Gruppe kommt eine Reihe von echten Schätzen vor.

Besondere Kosenamen, die nicht jeder verwendet – samt Erklärungen

Wie erwähnt, gibt es bei der Verwendung von Kosewörtern im Grunde keine Einschränkungen durch Geschmack, gesellschaftliche Regeln oder Tabus. Das hat damit zu tun, dass diese Ausdrücke von höchst privater Natur sind und sie niemandem zu Ohren kommen, außer den Liebenden, die sie verwenden. Unter den Kosenamen der Befragung sind daher einige, die es wert sind, hervorgehoben zu werden, weil sie sich von der Mehrheit der Kosewörter abheben. Diese besonderen Ausdrücke lassen sich in zwei allgemeine Gruppen einteilen: Kosewörter, die besonders positiv und liebevoll sind und so die Angesprochenen massiv aufwerten, und Kosewörter, die an sich negative Merkmale des Partners/der Partnerin charakterisieren und dennoch akzeptierter Teil der Kommunikation zwischen diesen sind.

Die folgende Liste stellt eine Auswahl aus dem Fundus der besonderen Kosewörter dar, die bei der Befragung eingesendet wurden. Sie werden genau so abgedruckt, wie sie im Fragebogen vorkommen. Alle nachfolgend genannten Kosewörter und Erklärungen sind keine Erfindung des Autors. Sollte einem das eine oder andere ungewöhnlich vorkommen, dann sei daran erinnert, dass im Bereich der Kosewörter alles möglich ist. Deswegen werden auch die Erklärungen wiedergegeben, die zeigen, dass es die ungewöhnlichsten Geschichten gibt, wie Kosewörter zustande kommen.

Kosewörter, die besonders positiv und liebevoll sind und so die Angesprochenen massiv aufwerten

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Kosewörter, die an sich negative Merkmale des Partners/der Partnerin charakterisieren und dennoch akzeptierter Teil der Kommunikation zwischen diesen sind.

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Bemerkenswert ist, dass es nicht wenige Kosenamen gibt, die auf offensichtliche Mängel des Partners abzielen und anscheinend trotzdem akzeptiert werden: Dazu gehört der eindeutig zu kleine Penis (Zwergi, Pimpi), die mangelnde Körpergröße (Gnomi < Gnom/Zwerg), die Übergewichtigkeit bei gleichzeitiger starker Kurzsichtigkeit (dicker Uhu), schlechter Mundgeruch in der Früh (Sumpfschnecke), das häufige Furzen (Böhnchen) oder die übertriebene Pedanterie des Partners (Bitz) usw. Während es bei der Kombination Hottie/Pornostar klar ist, was für die Partnerschaft wichtig ist, zeigt erst die mitgelieferte Erklärung, was hinter der scheinbar harmlosen Kosenamen-Kombination Hase bzw. Mr. Hase/Hasi in Wirklichkeit steckt: »Einfach, weil wir’s wie die Karnickel treiben.« Dass sich ein Paar Muschimaus (Freund zu Freundin) und Hodenbär (Freundin zu Freund) nennt, ist sicherlich auch nicht alltäglich. Beziehungen, in denen von vornherein ein erhöhtes Maß an gegenseitiger Angriffslust üblich ist, sind anscheinend durch abwertende Kosewörter markiert. Das in der Befragung eindeutigste Beispiel dafür ist Gacki/Gackili sowie verschiedene Abwandlungen davon.

Vermutlich sind derartige Sprachverhaltensweisen in die Gruppe der »rituellen Beschimpfungen« einzuordnen, die es in zahlreichen Sprachkulturen gibt. Die Verwendung stark abwertender, emotioneller Wörter ist unter Umständen eine Art spiegelverkehrter Liebesbeweis, weil die negativen Aspekte der Beschimpfung nicht ernst genommen werden.

Die Hitparade der kuriosesten Kosewörter

Die folgende Liste ist eine Aufstellung der ungewöhnlichsten Kosenamen (positiv oder negativ), die von den TeilnehmerInnen der Befragung eingeschickt wurden und nur vereinzelt vorkommen: Äffchen, Ankie-Pankie, Ankie-Spankie, Augenstern, Batzi, bbi, Biz, Blödian (liebevoll), Blume, Bobal, Böhnchen, Bongo, Brösi, Bussinator, Chaos, Citymouse, Cookie, Countrymouse, Croco, Crudl, dicker Uhu, Eidechsi, einfach nur Mann, Fufu, Furzi, Gacki, Gackili, Gladiator, Gnomi, Grumpy, Gügsi, Hamst, Held, Herr Bebi, Herr Schlumsi, Herrli, Hetscherlfuchsi, Hirschlein, Hottie, Inimioara, Käfer, Knofi, Knuffi, Knusper, Knutsi, Krümelmonster, Kugelchen, Kummel, Küssiges, Magic, Marili, Marzipanprinzessin, Maunz, Meister, Micutu, Mini, Minkle, Minkleberry, Missy, Momolito, Muckelchen, Mudl, Murml, My dear, Omry, Otterchen, Otterhaxi, Otterwarzi, Otterbär, Piki, Pimpi, Pinky, Pipi, Piupiu, Pli, Poli, Pommel, Pompom, Poppa, Pornostar, Puisor, Punki, Pupil, Pupsi, Purpl, Quirla, Quirlo, Raupi, Schamina, Scheißerl, Schlafmützchen, Schmoarndi, Schmusehomobär, Schmusipuh, Schnanni, Schnauni, Schnaunimau, Schnu, Schnubbel, Schnuppsibuppsi, Schnupsi, Schnüsi, Schnutzi, Schnuyou, schoafe Katz, Schwuliwurm, Shadzz, Smelly, Snooze, Soare, Sprozzi, Stinky, Strichi, Sumpfschnecke, Tussi, Ütt, Viato, Weibi, Werbärchen, Wurmi, Zuckerpuppe, Zuckerschnitte, Zwergi, Zwetschgerlspeck.

Damit steht den geschätzten Leserinnen und Lesern ein reiches Reservoir an Kosewörtern zur Verfügung, mit dem sie ihre Liebsten überraschen können. Es soll ja nicht so sein, dass nur Sie vom Lesen dieses Buches etwas haben!

Die Kosenamen der ZuwanderInnen

An der Befragung haben auch ZuwanderInnen teilgenommen. Da Österreich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein Zuwanderungsland ist, sollen auch die Kosenamen dieser Bevölkerungsgruppe aufgezeigt werden. Deren Kosenamen stammen aus der Herkunftssprache, die vielfach die Sprache des alltäglichen Umgangs innerhalb der Familie im Freundes- und Bekanntenkreis ist.

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Die Kosenamenwerkstatt: Wie Sie sich einen österreichischen Kosenamen zusammenbauen

Die folgende Anleitung gibt einen Überblick über die wichtigsten Bausteine, die bei österreichischen Kosenamen verwendet werden, und was dabei zu beachten ist. Möglicherweise sollte nicht alles ganz ernst genommen werden …

1. Nehmen Sie ein positives Wort, das Ihrer Partnerin/Ihrem Partner außergewöhnliche Merkmale wie besondere Kraft, besondere Schönheit, besonderen Mut, besondere sexuelle Attraktivität, besondere Unabhängigkeit usw. zuschreibt: Bär/Bärenherz/Bussibär, Gladiator, Held, Kater/Katze, König/Königin, Löwe/Löwin, Prinzessin/Prinz/mein Prinz, Tiger/Tigerin/Tigerherz, Wal etc.

2. Wählen Sie ein positives Wort aus, das Ihre Partnerin/Ihren Partner aus der Mittelmäßigkeit der Menschheit hervorhebt und zeigt, dass Sie es sind, die/der die höchste Wertschätzung für ihn oder sie empfindet: Augenstern, Darling, Engel, Hübscher/Hübsche, Liebchen, Liebling, Liebste/Liebster, meine Himbeere, Lotusblüte, Schatz, Schmetterling, Sonne, Sonnenschein, Süße/Siaße/Süßer, Sunnyboy, Zuckerschnitte usw.

3. Sie können weiters auch ein Wort auswählen, mit dem Sie besondere Fürsorge Ihrem Partner gegenüber ausdrücken. Dazu brauchen Sie ein Wort, das Ihren Partner/Ihre Partnerin verniedlicht: Baby/Babe, Hase, Maus, Pipihendl, Puppe, Schnecke, Spatz, Wurm usw.

4. Sie können die Wirkung Ihres Kosenamens noch erhöhen, indem Sie eine Endung anhängen, mit der Verniedlichung und damit zusätzliche Zuwendung ausgedrückt wird. Dazu steht Ihnen ein reiches Arsenal solcher Endungen zur Verfügung:

-i Beb-i, Bink-i, Fisch-i, Eidechs-i, Has-i, Keks-i, Maus-i, Mäd-i, Pupp-i, Schnuck-i, Schnuff-i, Spatz-i/Spotz-i, Zwerg-i
-li Bär-li, Frau-li, Herr-li, Schnuffi-li
-al/-ale,-le,-ele Enger-le, Schatz-al/Schatz-ale/Schatz-ele, Scheißer-le, Wuz-ele
-erl Laus-erl, Maus-erl, Scheiß-erl, Schneck-erl, Zuckerbrös-erl
-lein,
-chen
Baby-lein, Hasi-lein, Hirsch-lein, Kugel-chen, Lieb-chen, Mäus-chen, Pünkt-chen

5. Damit nicht genug: Sie können zwei oder sogar mehrere Kosewörter samt den verniedlichenden Endungen miteinander kombinieren. Damit erreichen Sie einen maximalen Koseeffekt: Bärenherz, Bärlischwan, Bussibär, Bussinator, Hasimausi, Hasibutzi, Hasischatzi, Herzenstiger, Hetscherlfuchsi, Mäusebärli, Marzipanprinzessin, Schatzimausi, Schatzimausiherzi, Schatzimausiherziliebling, Schatzemäusespatz, Schatzispatz, Schnuffikuss, Schnaunimau, Schnuppsibuppsi, Süßmaus, Zuckerpuppe, Zwetschgerlspeck.
Und damit kein Zweifel aufkommt: Alle Beispiele stammen aus der Befragung, sind also Kosewörter, die aktuell in Verwendung sind. Da es darauf kein Copyright gibt, können sie jederzeit von anderen und so auch von Ihnen verwendet werden, falls Sie gerade Bedarf an einem neuen Kosenamen haben.

6. Zuletzt sei der Vollständigkeit halber noch auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, dass Sie auch nicht so positive Wörter wählen können, die für Ihren Partner/Ihre Partnerin typische Eigenschaften kennzeichnen: Chaos, Eierkopfi, Furzi, Stinky, Schmutzmugl usw. Da solche Wörter ziemlich verletzend sein können, sollte Derartiges gut überlegt sein. Und wenn es schiefgeht? Raffiniert wie Sie sind, könnten Sie sich bei negativen Reaktionen auf die Verwendung eines solchen Kosenamens auf das Buch über Herzenswörter ausreden, in dem Sie das gerade gelesen und eben ausprobiert hätten, was beweist, dass das alles nicht stimmt, was da so steht.

Damit ist der Abschnitt über die Kosenamen und Kosewörter abgeschlossen. Dem Autor dieses Buches bleibt die Hoffnung, dass er zu mehr Liebe zwischen den Menschen beitragen wird.

Der Herzenswörter zweiter Teil

Österreichische Wörter, die den Menschen am Herzen liegen

Einleitung

Dieser Abschnitt behandelt Herzenswörter einer ganz anderen Art: Es sind Wörter der österreichischen Alltagssprache, die für die meisten ÖsterreicherInnen die eigentliche Muttersprache ist. Es sind Wörter, die herkömmlicherweise von GermanistInnen und DeutschlehrerInnen mit Begriffen wie »Mundart«, »Dialekt«, »Umgangssprache«, »Slang« usw. tituliert und abgewertet werden.

Tatsächlich sind es weit verbreitete und häufig verwendete Wörter, die nur einen einzigen Mangel haben: Sie haben nicht die äußere Form, wie sie von der formalen Schriftsprache vorgegeben ist. Ihre Form ist nicht normiert, sie sind nicht in Wörterbüchern der Schriftsprache verzeichnet und existieren damit offiziell nicht. Sie sind jedoch mit der sogenannten Standardsprache absolut gleichwertig und Teil einer anderen Standardsprache – der alltäglichen, die die Menschen überwiegend verwenden, wenn es darum geht, sich ungezwungen in der Familie, im Freundeskreis, in der informellen Öffentlichkeit bzw. am Arbeitsplatz zu unterhalten. Sie manifestieren die Mehrsprachigkeit, die in Österreich seit langer Zeit vorhanden ist: In der Schule lernt man die formale Schriftsprache, in der Familie und der unmittelbaren sozialen Umgebung verwendet man eine (groß-)regionale Variante des Österreichischen Deutsch.

In geschriebenen Texten und formalen Sprechsituationen wird die Standardsprache verwendet, in allen anderen Situationen Varianten des Österreichischen. Es ist ein Anliegen dieses Buches, diesen Varianten zur Geltung zu verhelfen und zu zeigen, dass es sich nicht um eine defekte oder gar »niedrige« Sprache handelt, sondern um eine Sprache, die den Menschen am Herzen liegt und mit der der Alltag erfolgreich bewältigt wird. Damit soll der formalen Standardsprache keine Absage erteilt werden, sondern lediglich hervorgehoben werden, dass auch die Alltagssprache ihre Berechtigung und einen wichtigen Stellenwert im Leben der Menschen in diesem Lande hat.

Wo kommen die mehr als 1200 Herzenswörter dieses Buches her? Bei den folgenden Wörtern handelt es sich um Einsendungen von Menschen aus ganz Österreich, die im Rahmen einer Aktion der Zeitschrift News im Jahre 2014 gesammelt wurden – unter dem Motto, Wörter zu nennen, die nicht verloren gehen sollen. Das Besondere daran ist, dass diese Wörter aus allen Bundesländern kommen und somit eine ostösterreichische Dominanz vermieden wird. Es sind viele emotionelle Wörter dabei, was nicht verwunderlich ist, denn diese liegen den Menschen ganz besonders am Herzen.

Eine kommentierte Auswahl (aus Platzgründen) der eingesandten Wörter wird hier präsentiert. Beschrieben werden ihre Bedeutung, ihre Verwendung und vieles mehr. Die Angaben wurden mit wissenschaftlicher Sorgfalt gemacht, jedoch ohne den Bierernst, der manche wissenschaftlichen Texte kennzeichnet. Der Autor hofft, dass mit dem Lesen Vergnügen und Erkenntnisgewinn verbunden sein werden.

Jeder Worteintrag setzt sich aus folgenden neun Teilen zusammen:

1 A BOISL; Adv. | 2 Pate: Claudia Kitzbichler | 3 Region: bes. SBG/TIR/OSTTIR | 4 img a bisserl = ein bisschen img a biz(i)le – VBG img a wengal = ein wenig | 5 B: a bissl/ein bisserl/eine kurze Weile; 6 W: a boisl | 7 Der Ausdruck kommt vor in Formulierungen wie 8 Wart a boisl9 Warte ein wenig; A boisl Spaß muss sein; a boisl aufm Wegein wenig Spaß muss sein; eine kurze Weile unterwegs sein. Aus dem altfrz. poise – lat. pensum (Pensum). Hier handelt es sich um einen Ausdruck, mit dem Verkleinerung ausgedrückt wird. Die Verkleinerungen sind in AT wichtig. Damit stuft man sich oder etwas in seiner Bedeutung herunter, damit der Gesprächspartner das korrigieren kann. Auf diese Weise ist man gefällig, nicht übermäßig aufdringlich und erntet trotzdem Lob. Eine ziemlich raffinierte Gesprächsstrategie.

1 Der jeweilige Worteintrag in GROSSBUCHSTABEN, inklusive Angaben zur Wortart, Singular- und Pluralform sowie bei Verben zur Bildung der Vergangenheit mit sein oder haben.

2 Pate/Patin, der/die sich für das Wort einsetzt. Die meisten Wörter wurden von Paten »adoptiert«, d.h. diese haben die Absicht bekundet, dass sie das Wort in Zukunft verwenden und damit erhalten wollen. Dafür wurde ihnen von News eine Urkunde ausgestellt.

3 Region, in der das Wort überwiegend verwendet wird. Markiert mit der Abkürzung bes. = besonders. Die Angabe einer Region ist kein Hinweis darauf, dass das Wort in anderen Gegenden Österreichs nicht vorkommt. Ist keine Region angegeben, ist das Wort in ganz Österreich in Gebrauch.

4 Hinweise auf andere Wörter/Redewendungen, die mit dem jeweiligen Wort in Verbindung stehen. Wenn diese in Großbuchstaben geschrieben sind, handelt es sich um einen Eintrag, der in der alphabetischen Wörterliste steht.

5 B: Bedeutung des Wortes durch Angabe von Synonymen oder Umschreibungen.

6 W: Normalisierte bzw. gängigste Schreibform des Wortes. Das soll zur Vereinheitlichung der Schreibung und zur besseren Verständlichkeit seiner Bedeutung beitragen. Ist die normalisierte Schreibform identisch mit dem Worteintrag, wird sie nicht extra angeführt.

7 Genaue Beschreibung des Wortes, seiner Verwendung und Herkunft (Etymologie).

8 Beispielhafte Formulierungen und Redewendungen, in denen das Wort vorkommt. Sie sind fett und kursiv gedruckt.

9 Kursiv gedruckt ist die standardsprachliche Variante des jeweiligen Wortes zur besseren Verständlichkeit.

Folgende Abkürzungen werden in Folge verwendet:

Adj. Adjektiv
Adv. Adverb
ahd. Althochdeutsch (ca. 800–1100 n. Chr.)
abw. abwertend
AT Österreich
bes. besonders
B Bedeutung des Worteintrags
BGLD Burgenland
DE Deutschland
fem. feminin, weibliches Geschlecht der Substantive
iron. ironisch
KTN Kärnten
mask. maskulin, männliches Geschlecht der Substantive
mhd. Mittelhochdeutsch (ca. 1100–1450 n. Chr.)
neutr. neutrum, sächliches Geschlecht der Substantive
Niederösterreich
Oberösterreich
OSTÖ Ostösterreich
Redew. Redewendung
STMK Steiermark
Subst. Substantiv
SBG Salzburg
TIR Tirol
VBG Vorarlberg
W Normalisierte Schreibform des Worteintrags
WIEN Wien
WSTÖ Westösterreich

Herzenswörter von A bis Z

16ER BLECH, das; Subst. | Pate: Benedikt Kragora | Region: bes. Wien/NÖ/Nördliches BGLD img blaue Hüsn = eine Dose Puntigamer Bier (STMK) img a Glasweckerl = eine Flasche Bier img Gössermuskel = Bierbauch (das Ergebnis von zu viel 16er Blech, blauer Hüsn und dem Genuss von Glasweckerln) | B: eine Dose Ottakringer Bier; W: sechzehner Blech | Leitet sich aus dem Umstand ab, dass die Ottakringer Brauerei im 16. Wiener Gemeindebezirk beheimatet ist. Ursprünglich war damit jede Dose Ottakringer Bier gemeint. Seit 2007 vertreibt die Brauerei eine eigene Biersorte unter diesem Namen. Zweifelsohne handelt es sich bei diesem Ausdruck wie bei allen anderen rund ums Bier quasi um Herzenswörter, gehört doch Bier für viele zu den Grundnahrungsmitteln. In Wien wird am Würstelstand auch a Eitrige, an Bugl und a 16er Blech verlangt, was so viel heißt wie: Eine Käsekrainer, ein Scherzl Brot und eine Dose Ottakringer Helles.

A BOISL; Adv. | Pate: Claudia Kitzbichler | Region: bes. SBG/TIR/OSTTIR | img a bisserl = ein bisschen img a biz(i)le – VBG img a wengal = ein wenig | B: a bissl/ein bisserl/eine kurze Weile; W: a boisl | Der Ausdruck kommt vor in Formulierungen wie Wart a boislWarte ein wenig; A boisl Spaß muss sein; a boisl aufm Wegein wenig Spaß muss sein; eine kurze Weile unterwegs sein. Aus dem altfrz. poise – lat. pensum (Pensum). Hier handelt es sich um einen Ausdruck, mit dem Verkleinerung ausgedrückt wird. Die Verkleinerungen sind in AT wichtig. Damit stuft man sich oder etwas in seiner Bedeutung herunter, damit der Gesprächspartner das korrigieren kann. Auf diese Weise ist man gefällig, nicht übermäßig aufdringlich und erntet trotzdem Lob. Eine ziemlich raffinierte Gesprächsstrategie.

A BRADE/BRAADE (kriegen); Redew. | Pate: Ernst Altendorfer | Region: bes. OSTÖ | B: Ohrfeige; W: A Braade/eine Breite | Wörtlich: eine »Breite« = einen Schlag mit der breiten Hand bekommen. Vor allem die älteren LeserInnen dieses Buches werden sich noch gut daran erinnern können, dass sie von Familienangehörigen oder Lehrern Ohrfeigen bekommen haben, wenn sie sich danebenbenommen haben. Dieses früher weit verbreitete »Erziehungsmittel« wurde glücklicherweise verboten, sodass es sich heutzutage meistens auf herzliche Angelegenheiten wie Hochzeitsraufereien beschränkt.

A BRETZN REISSEN; Redew. | Pate: Richard Hölesic | B: schwer stürzen; W: eine Bretze reißen | Dieser besonders unter Skifahrern weit verbreitete Spruch beschreibt, dass jemand einen katastrophalen Sturz hingelegt hat, sodass man nachher wie eine Bretze verwickelt ist. Das könnte allerdings auch beim Radfahren oder einer anderen Sportart passiert sein. So etwas prägt sich ein.

A BRUNZA, der; Subst. | Paten: Sabine Wittka, Lucas Gojakovich | Region: bes. WIEN/SBG | B: 1. Glückspilz, jemand, der immer Glück hat; 2. vorlauter Bub; W: Brunzer | Wenig charmante Bezeichnung, die wohl ein wenig von Neid getragen ist.

A EITRIGE MIT AN BUGL, die; Subst. | Pate: Walter Gföhler | Region: bes. WIEN | B: eine Käsekrainer mit einem Stück Brot vom Scherzl (= Anschnitt des Brotlaibs); W: eine Eitrige mit einem Bugl (Buckel) | Es handelt sich dabei vor allem um einen im Großraum Wien verbreiteten Spruch am Würstlstand. Verlangt wird damit ein Käsekrainer-Würstl und ein Scherzl Brot (und meistens auch eine Dose Ottakringer) img 16ER BLECH. Die wenig appetitliche Bezeichnung Eitrige kommt daher, dass in der Käsekrainer Käse enthalten ist, der beim Anschneiden herausfließt. Der Ausdruck ist ziemlich anschaulich, jedoch kein Problem, wenn man es sich trotzdem schmecken lässt.

A GUTER LOTSCH, der; Subst. | Pate: Alexandra Bacher | Region: bes. OSTÖ img a guter Lopp img LODSCH/LOTSCH | B: ein gutmütiger, liebenswerter, harmloser Mensch | Ein guter Lotsch bzw. guter Lopp ist einer, der aufgrund seiner Gutmütigkeit nicht leicht Nein sagen kann und daher für andere die Arbeit macht. Ohne Zweifel hat man so jemand ins Herz geschlossen. Das Wort Lotsch könnte von latschen/unbeholfen sein abgeleitet sein oder auch mit dem ungarischen Vornamen Lajos (Ludwig) zusammenhängen, der im Ungarischen sehr häufig ist und in der Zeit der Monarchie zum Synonym für Diener wurde. Das Wort Lopp hängt wohl mit dem Begriff Lappen zusammen, der bekanntlich auch nicht durch übermäßige Selbstständigkeit gekennzeichnet ist.

A LOAMSIRA/LOAMSIDA, der; Subst. | Pate: Ernestine Prock | B: ein Leimsieder; jemand, der Leim kocht; W: Loamsieder | Das Leimkochen aus Tierknochen ist äußerst langwierig und langweilig. Bei einem Leimsieder/Loamsida handelt es sich im übertragenen Sinn um einen langweiligen, langsamen Menschen, was das Wort zu einem Schimpfwort macht. Dazu gibt es noch die Redensart der arbeitet ja wie ein Leimsieder, was auch nicht als Kompliment aufzufassen ist, weil der so Beschriebene im Schneckentempo arbeitet.

A WENGERL/A WENG; Adj. | Paten: Andreas Enzmann, Isabella Moser | B: ein wenig; ein bisschen; W: wengerl/sehr wenig | Hier handelt es sich um eine Verkleinerungsform, die durch die typische Endung -erl ausgedrückt wird. Wie schon bei a boisl beschrieben, lieben die ÖsterreicherInnen die Verkleinerung. Es genügt nicht, dass etwas ein wenig ist, es muss noch weniger als wenig sein – eben ein wengerl! Das Wort gibt es auch ohne Verkleinerungsform: a weng. Zum Beispiel im schönen Spruch: Dos woa a weng zweng! – Das war ein wenig zu wenig.

ABGNEISSEN/OGNEISSN/GNEISSEN; Verb, hat ~ | Pate: Tanya Niedermüller | Region: bes. OSTÖ img Blitzgneisser | B: verstehen; begreifen; durchschauen; W: abgneissen | Dieses schöne Wort wird meistens verwendet, wenn jemand etwas nicht gneisst – also nicht versteht: Er gneisst’s net! Analog dazu gibt es den Gneisser, meistens ironisch für jemanden, der mit Mühe etwas versteht. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde dieses Wort durch den österreichischen Fußballspieler Toni Polster, der bekanntlich nicht auf den Mund gefallen ist. Er bezeichnete einen Journalisten als Blitzgneisser, was im speziellen Fall eher ironisch gemeint war. Ob der das verstanden hat?

ABKRAGELN/OKRAGLN; Verb, hat ~ | Pate: Julia Zeindlhofer | B: den Kragen umdrehen; erwürgen; ein Hendl schlachten; W: abkrageln, entkrageln | Dies ist eine schönfärberische Umschreibung für jemanden umbringen – indem man der Person an den Kragen geht. Das ist wohl mit einer Menge heftiger Gefühle verbunden.

ABNEIDLN; Verb, hat ~ | Region: bes. TIR | B: liebkosen; zärtlich Wange an Wange reiben; W: anneideln | Ein Tiroler Herzenswort ersten Ranges! Nur schade, dass es außerhalb Tirols nicht bekannt ist. Quasi die Tirolerische Version von img ABNUDELN.