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Sabine Fellner/Katrin Unterreiner

Morphium, Cannabis
und Cocain

Sabine Fellner/Katrin Unterreiner

Morphium, Cannabis
und Cocain

Medizin und Rezepte
des Kaiserhauses

Mit 11 Abbildungen

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Abbildungsverzeichnis

Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Rezepte aus den Rezeptbüchern
der Hofapotheke: S. 45, 73, 92, 115, 142
Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv: S. 9, 53, 122, 149
Apotheke zum Goldenen Reichsapfel: S. 132

Danksagung

Für die wissenschaftliche Beratung danken wir:
Mag. pharm. Martina Roschker
Dr. Brigitte Stoiser
Doz. Dr. Martin Hülsmann
Mag. pharm. Helmut Kowarik
Dr. Silke Leidl
Prof. Dr. Harald Kittler
Mag. pharm. Renate Spielmann

1. Auflage Juni 2008
2. Auflage September 2008

© 2008 by Amalthea Signum Verlag, Wien
Alle Rechte vorbehalten
Umschlaggestaltung: Kurt Hamtil, verlagsbüro wien
Umschlagbild: © Alinari Archives/CORBIS
Herstellung und Satz: VerlagsService Dr. Helmut Neuberger
& Karl Schaumann GmbH, Heimstetten
Gesetzt aus der 11,5/14,1 Adobe Garamond
Druck und Binden: CPI Moravia Books GmbH
Printed in the EU
ISBN 978-3-85002-636-9
eISBN 978-3-90286-235-8

Inhalt

Geheime Krankheiten der Habsburger–
Ein Sittenbild der Gesellschaft um 1900

Erzherzog Otto–
Quecksilber gegen Syphilis

Kronprinz Rudolf–
Morphium gegen Gonorrhö

Kaiser Franz Joseph–
Codein gegen Husten

Kaiserin Elisabeth–
Cocain gegen Melancholie

Erzherzog Franz Ferdinand–
Opium gegen Tuberkulose,
Heroin gegen Husten

Glossar

Anhang

Anmerkungen

Quellen und Literatur

Register

Geheime Krankheiten der Habsburger –
Ein Sittenbild der Gesellschaft um 1900

»Und im Stillen schleichen die
Krankheiten herum, von denen man um
Gottes willen nicht reden darf«

Liest man in den Rezeptbüchern des Wiener Hofes, so erschließen sich aus den Rezepten nicht nur die Kranken-, sondern auch die Lebensgeschichten der Habsburger.

Auffallend ist dabei, dass es sich um Rezepturen handelt, die eine Vielzahl von heute als Suchtgift eingestuften Substanzen enthalten. Die Frage, wogegen die Rezepturen eingesetzt wurden, lässt aufhorchen – neben Präparaten wie Hustenpulver, Zahnschmerztinkturen und Abführzäpfchen fallen vor allem jene gegen Syphilis (auch Lues oder Lupus) und Gonorrhö (Tripper) auf. Diese gehörten zu den so genannten »geheimen Krankheiten«, die, wie der Name schon sagt, unbedingt geheim bleiben mussten.

Doch Geschlechtskrankheiten betrafen nicht nur das Kaiserhaus. Blättert man in alten Tageszeitungen, etwa im »Illustrierten Extrablatt«, im »Neuen Wiener Tagblatt« oder in der »Neuen Freien Presse«, so fallen einem im Anzeigenteil auf einer Seite bis zu zwanzig Inserate von Fachärzten auf, die diskrete Heilung versprechen, sollte man in die unangenehme Lage geraten, sich mit einer venerischen Krankheit zu infizieren.

Wie allgegenwärtig die Gefahr einer derartigen Infektion war, beschrieb Stefan Zweig in seinen Lebenserinnerungen: »Denn außer der gesellschaftlichen Bedrückung, die ständig zur Vorsicht und Verheimlichung zwang, überschattete damals noch ein anderes Element die Seele nach und selbst in den zärtlichsten Augenblicken: die Angst vor der Infektion.«1 Um 1900 fielen nach damaliger Schätzung 20 % der Zwanzig- bis Dreißigjährigen derartigen Infektionen zum Opfer und selbst das Straßenbild war von den bedrohlichen Krankheiten geprägt: »Wenn man in Wien durch die Straßen ging, konnte man an jedem sechsten oder siebenten Haus die Tafel ›Spezialarzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten‹ lesen.«2

Eine weitere Geißel des 19. Jahrhunderts war die »Wiener Krankheit« genannte Tuberkulose. War sie salonfähiger als die allgegenwärtige Geschlechtskrankheit und betraf sie nicht ebenso alle Gesellschaftsschichten vom Kaiserhaus bis zur Prostituierten?

Unser Buch widmet sich der Frage nach den gesellschaftlichen Hintergründen dieser Krankheiten, dem Umgang mit dieser Bedrohung, den Behandlungsmethoden, die damals zur Verfügung standen und der für heutige Begriffe erstaunlichen Verwendung von Opiaten wie Morphin sowie Cannabis und Cocain in der Heilkunst. Wie reagierte man im Kaiserhaus auf eine venerische Infektion, was unternahm der ehrbare Bürger, um sich vor einer Ansteckung zu schützen, und wo konnte er Heilung finden, wenn ihn »Amors giftiger Pfeil« getroffen hatte? Welche Möglichkeiten hatten Dienstmädchen, Bäcker, Fabrikarbeiter oder Prostituierte, sich ärztlich behandeln zu lassen?

Die Rezeptbücher der Hofapotheke und anderer Wiener Apotheken, aber auch ärztliche Protokolle, Tageszeitungen, Lebenserinnerungen und Lebensbeichten, Briefwechsel sowie ärztliche Ratgeber halfen uns, diese Fragen zu beantworten.

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Inserate von Ärzten für Rezepte gegen »geheime Krankheiten«, Neues Wiener Tagblatt (2. 8. 1885)

Moral und Krankheit

Wien war um 1900 die Hauptstadt einer Vielvölkermonarchie mit mehr als fünfzig Millionen Einwohnern. Weniger als die Hälfte der in Wien Lebenden war hier geboren, die Stadt wurde durch Migranten zur Metropole und wuchs enorm schnell.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts vollzog sich ein entscheidender Wandel in der Gesellschaft, denn die mittleren und oberen Schichten des Bürgertums nahmen an Zahl, Reichtum und politischem Gewicht zu.

Das Riesenprojekt Wiener Ringstraße veränderte nicht nur das Aussehen der Stadt entscheidend, sondern auch die Struktur der Wiener Gesellschaft. War bis dahin der hohe Adel mit seinen prächtigen Barockpalästen verantwortlich für das repräsentative Erscheinungsbild der Stadt, so drängte nun eine viel breitere Schicht des vermögenden Bürgertums in den Vordergrund. Im Zuge des Ausbaus der Wiener Ringstraße gab sie nun mit ihren prachtvollen Stadtpalais, im Volksmund abschätzig »Palazzi prozzi« genannt, der Stadt ihr neues imperiales Gepräge. Die so genannte Ringstraßengesellschaft setzte sich aus reich gewordenen Handwerkerfamilien, die sich die neuen technischen Entwicklungen, die Industrialisierung und den rasanten Aufschwung des Bauwesens zunutze zu machen verstanden hatten, und reichen jüdischen Bankleuten, Industriellen und Händlern zusammen. 1860 war das Grunderwerbsverbot für Juden gefallen, um den mangels finanzkräftiger Investoren ins Stocken geratenen Ringstraßenausbau wieder anzukurbeln. Zwecks Erlangung des entsprechenden sozialen Status akzeptierte das Bürgertum die horrenden Grundstückspreise an der Ringstraße, um sich Repräsentationsbauten zu errichten, die seiner neuen Stellung in der Wiener Gesellschaft nachdrücklich Ausdruck verleihen sollten. Mit den neuen Architekturprojekten erlebten auch die schönen Künste einen gewaltigen Aufschwung und es entstand ein neuer Kreis einflussreicher Mäzene.

Noble Bürger

Doch Reichtum alleine bedeutete noch nicht einen hohen gesellschaftlichen Status. Höchstes Ziel bürgerlicher Kreise war eine Erhebung in den Adelsstand. Hochbegehrtes Prestigeobjekt war der »Orden der eisernen Krone«, dessen unterste Klasse bereits zum Führen eines Adelsprädikates berechtigte und dessen zweite Klasse eine Erhebung in den Freiherrenstand ermöglichte. Der Hochadel beobachtete diese Entwicklung mit größtem Missvergnügen und verlieh dem Kaiser ob seiner großzügigen Nobilitierungspolitik den Spitznamen »Sehadler« in Anspielung darauf, dass der Kaiser jeden, den er sah, in den Adelsstand erhob.

Umso vehementer versuchte sich der Hochadel von dem so geadelten »Proletariat« abzugrenzen, und dem reichen Bürgertum wiederum war nichts zu aufwändig, um den neuen Status zu unterstreichen. »Und das kommt alles daher, weil die Bürger nicht wissen, wohin sie gehören. So wie sie ihre Wohnungen in allen Stilen der Welt modern einrichten, nur nicht mit den Möbeln, die sie von Eltern und Großeltern geerbt haben, so leihen sie sich von überall Grundsätze, Formen und Manieren aus, als ob Formen vom Inhalt loszulösen wären. Sie sind solide Kaufleute und wollen nicht, daß man ihnen das ansieht; sie erziehen ihre Kinder zu Aristokraten, sind aber dann erstaunt, wenn die Kinder das Geschäft nicht freut und wenn sie als vollendet erzogene Aristokraten in der bürgerlichen Ratlosigkeit des Elternhauses unglücklich sind. Wenn ihnen dann die Kinder die Wahrheit über den Unsinn dieses ausgeborgten, dilettantischen Lebensstils sagen, sind sie unglücklich.«3

Arthur Schnitzler beschreibt in seinem Roman »Der Weg ins Freie« am Beispiel der Familie Ehrenberg anschaulich diesen Generationenkonflikt. Der Vater, einer der neuen Millionäre, wird sowohl von seiner Frau als auch von seinem Sohn ob seiner mangelnden Eleganz und Vornehmheit verachtet: »… Georg mußte noch heute lächeln, wenn er sich erinnerte, wie der Fünfzehnjährige eines Tages im lichtgrauen Schlußrock, mit weißen, schwarz-tamburierten Handschuhen und einem Monokel im Aug, auf der Promenade erschienen war. Frau Ehrenberg war damals vierunddreißig Jahre alt, hoheitsvoll, von übergroßer Gestalt, dabei noch schön, hatte verschleierte Augen und war meistens sehr müde. Es blieb unvergesslich für Georg, wie eines Tages ihr Gemahl, der millionenschwere Patronenfabrikant, die Seinen überrascht und einfach durch sein Erscheinen der ganzen Ehrenbergschen Vornehmheit ein rasches Ende bereitet hatte. Georg sah ihn noch vor sich, so wie er während des Frühstücks auf der Hotelterrasse aufgetaucht war; ein kleiner magerer Herr mit graumeliertem Vollbart und japanischen Augen, in weißem, schlecht gebügeltem Flanellanzug, einen dunklen Strohhut mit rotweiß gestreiftem Band auf dem runden Kopf, und mit schwarzen bestaubten Schuhen. Er redete sehr gedehnt, immer wie höhnisch, selbst bei den gleichgültigsten Dingen; und so oft er den Mund auftat, lag es unter dem Schein der Ruhe wie eine geheime Angst auf dem Antlitz der Gattin. Sie versuchte sich zu rächen, indem sie ihn mit Spott behandelte; aber gegen seine Rücksichtslosigkeiten kam sie nicht auf. Oskar benahm sich, wenn es irgend möglich war, als gehöre er nicht dazu. In seinen Zügen spielte eine etwas unsichere Verachtung für den seiner nicht ganz würdigen Erzeuger, und Verständnis suchend lächelte er zu den jungen Baronen hinüber.«4

Das von Verachtung des Sohnes gegenüber der Herkunft des Vaters geprägte Verhältnis kulminiert in einer öffentlichen Szene vor der Michaelerkirche, in der der Vater den Sohn ohrfeigt – der Sohn begeht in der Folge zutiefst gedemütigt einen Selbstmordversuch.

Es gab aber auch reich gewordene Bürger, die durchaus Selbstbewusstsein entwickelten und keinen Wert auf eine Nobilitierung legten, sondern ihren Status als respektable Bürger behaupteten. So etwa Ludwig Bösendorfer, der sich »bürgerlicher Klaviermacher« nannte und dennoch Eingang in die höchsten Kreise fand. Oder Ludwig Lobmeyer, bei dessen Abendveranstaltungen in der von Theophil Hansen eingerichteten Wohnung Minister, Geheimräte, Künstler und Universitätsprofessoren verkehrten – und der eine Erhebung in den Adelsstand mit den Worten »Ich bin lieber der erste Bürger als der letzte Ritter« ablehnte.

Neben dem Besitzbürgertum etablierte sich das Bildungsbürgertum, das seine soziale Stellung nicht aufgrund von materiellen Mitteln errungen hatte, sondern durch den Erwerb von Bildung. Rechtsanwälte, Ärzte, Beamte, Architekten, Künstler eroberten sich ihren Platz in der Gesellschaft, den sie vom Kleinbürgertum deutlich abgegrenzt wissen wollten.

Elend und Wohnungsnot

Die unteren Schichten wurden im Zuge der Industrialisierung zahlenmäßig größer, aber ihre gesellschaftliche und finanzielle Situation besserte sich nicht. Durch den Zuzug von Arbeitskräften aus den Kronländern Böhmen, Mähren und Schlesien nach Wien wurden die Wohnverhältnisse immer drückender. Eine Wohnung hatte im Schnitt zwei Räume, eine Küche und ein Zimmer, in denen sich oft bis zu zehn Personen aufhalten mussten. Die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal, Wasser war ein Luxus, denn die Versorgung mit Fließwasser begann erst langsam in den 1870er Jahren mit dem Ausbau der Wiener Hochquellwasserleitung. Trotz des Substandards dieser Elendsquartiere war ihr Preis horrend. Musste vergleichsweise die bürgerliche Oberschicht lediglich 10 % ihres Jahreseinkommens für Mietkosten aufwenden, so hatten Arbeiter oft bis zu 40 % ihres Jahreseinkommens für die Miete zu bezahlen. Man darf bei all dem Reichtum, der im engsten Umfeld der Wiener Ringstraße zur Schau gestellt wurde, nicht außer Acht lassen, dass 70 % der Bevölkerung über ein Jahreseinkommen von 250 Gulden nicht hinauskam. Im Vergleich dazu verdiente ein Universitätsprofessor 2000 Gulden im Jahr und ein Küchenchef am Wiener Hof 1200 Gulden. Um die hohen Mietkosten abdecken zu können, waren die Arbeiter gezwungen, trotz der äußerst beengten Wohnsituation noch so genannte Bettgeher aufzunehmen, die nur über Nacht zum Schlafen blieben. Dass es angesichts dieser Zustände oft zu unerwünschten Übergriffen kam, liegt auf der Hand.

Adelheid Popp, die sozialdemokratische Frauenführerin, beschrieb, wie man sich die damalige Situation, selbst in einer eigenen kleinen Wohnung, vorzustellen hat: »Zum Glück war meine Mutter mißtrauisch, und wir mieteten ein Kabinett, das wir für uns allein hatten. Auch mein jüngerer Bruder kam wieder zu uns und brachte einen Kollegen mit, mit dem er das Bett teilte. So waren wir vier Personen in einem kleinen Raum, der nicht einmal ein Fenster hatte, sondern das Licht nur durch die Fensterscheiben erhielt, die sich in der Tür befanden. Als einmal ein bekanntes Dienstmädchen stellenlos wurde, kam sie auch zu uns, sie schlief bei meiner Mutter im Bett, und ich mußte zu ihren Füßen liegen und meine eigenen Füße auf einen angeschobenen Stuhl lehnen.«5

»Den hohen Aristokratinnen ist jede Freiheit erlaubt«

Unter den Wiener Aristokraten war es Mode, mit kleinen Skandalen auf sich aufmerksam zu machen und mit entsprechender Exaltiertheit auf den hohen Stand, der einem alles erlaubte, hinzuweisen. Felix Salten schrieb 1884 in seiner Publikation über den Wiener Adel: »Junge Aristokraten, die den Popularitäts-Ehrgeiz hatten, dachten es sei das Einfachste, in übermütigen Streichen zu paradieren, um bekannt zu werden. Und bei den Bürgerlichen bildete sich der Glaube, man müßte, um nobel zu sein, Schabernack treiben und exzentrische Dinge begehen.«6

Berühmt berüchtigt waren vor allem die »Scherze« des Grafen Sandor, darunter jener, als er einmal auf einem Kostümfest mit sechs gefesselten Sklaven als Großtürke verkleidet erschien. Die armen Burschen, die er »gemietet« hatte, band er mitten im Saal an einen Pfeiler, nachdem er vorher ihren Wein mit Abführmittel versetzt hatte. Dann verschwand der Graf, während die angebundenen »Sklaven« sich in Krämpfen wanden und alle Vorübergehenden mit der Frage anhielten: »Ham’s kan Türken g’seh’n?«. Solche Späße fand man witzig, man erwartete sie sogar, und jeder, der einen Kavalier spielen wollte, war darauf aus, mit derartigen Streichen seine Vornehmheit zu betonen. Dies galt nicht nur für Herren – auch adelige Damen trachteten danach aufzufallen: »Den hohen Aristokratinnen ist jede Freiheit erlaubt: Sie dürfen so schäbig oder so kühn angezogen sein, wie sie wollen, sie dürfen sich laut schreiend unterhalten, die Füße übereinanderschlagen, daß man die halben Waden sieht, sich schminken, Verhältnisse haben. Wenn eine bürgerliche Frau solche Dinge tut, ist sie unmöglich und ist eine ›Person‹. Die Leute, die etwas auf sich halten, verkehren nicht mit ihr und die Lieferanten nehmen sich Vertraulichkeiten heraus.«7

Makellos in die Ehe

Weniger nonchalant beurteilte man sexuelle Kontakte vor der Ehe. Während es selbstverständlich war, dass junge adelige Herren vor ihrer Verheiratung Erfahrungen sammelten – meist wurden sie von Dienstmädchen »in die Liebe eingeführt«–, wurden Töchter streng unter Verschluss gehalten. War ein Mädchen auch nur in den Verdacht gekommen, nähere Bekanntschaft mit einem Mann zu unterhalten, galt sie als nicht mehr heiratsfähig. Waren Frauen jedoch erst einmal verheiratet, hatten sie beinahe die gleichen Freiheiten wie Männer, denen man Liebschaften und Affären durchaus zubilligte. Sie gehörten sogar zum guten Ton, und eine schöne, reich beschenkte Geliebte galt als Statussymbol. Die meisten Frauen machten sich keinerlei Illusionen über die Treue ihrer Männer – besonders dann, wenn sie attraktiv und beliebt waren. So schilderte Nora Fugger in ihren Memoiren anlässlich der Verlobung mit ihrem Cousin Karl Fürst Fugger: »Mein Vetter war der Mann meiner Wahl, wir waren über beide Ohren ineinander verliebt, er war von gutem, altem Adel … Nur eines ging mir schon damals durch den Kopf: ich sollte einen ausnehmend hübschen und lebensfrohen Mann heiraten; den würde ich wohl mit anderen teilen müssen. Doch ich fand mich mit dem Gedanken ab und zog ihn einem weniger hübschen vor, den ich wahrscheinlich ganz für mich gehalten hätte.«8

Nora Fuggers Erinnerungen zum Skandal um den Kronprinzen Rudolf, der 1889 gemeinsam mit seiner letzten Geliebten, der jungen Baronesse Mary Vetsera in den Tod gegangen war, dokumentieren auch, wie wichtig es war, »makellos« in die Ehe zu gehen. Marys Mutter Helene wurden schwerste Vorwürfe gemacht und man unterstellte ihr, sie hätte das Verhältnis des Kronprinzen mit ihrer Tochter gefördert: »Es ist ihr (Helene Vetsera) dadurch ein großes Unrecht geschehen. Ich habe sie gut gekannt. Sie war eine gescheite Frau und liebte ihre Tochter Mary abgöttisch, zog sie ihren anderen Kindern vor und hatte nur den einen Traum, sie in der ersten Gesellschaft Wiens gut zu verheiraten. Dazu hätte sie wohl jedes Mittel angewendet. Als mein nachmaliger Mann in der Welt erschien, gelang es ihr, diesen hübschen jungen Gardeleutnant zu einem häufigen Besucher ihres Salons zu machen. Es entspann sich bald ein Flirt, den sie auf alle mögliche Art zu fördern verstand. Sie wußte es so einzurichten, daß er mit Mary oft allein blieb. Beinahe wäre mein Mann damals in die Netze von Mutter und Tochter geraten, wenn nicht seine Schwester, Gräfin Wydenbruck, rasch nach Wien gefahren wäre, sich energisch ins Mittel gelegt und einen unüberlegten Schritt ihres Bruders dadurch verhindert hätte. Gerade der Umstand, daß Baronin Vetsera so voll großer Ambitionen für ihre Tochter war und die Hoffnung hegte, die Schönheit werde Mary zu Stellung und Reichtum verhelfen, schließt es aus, daß sie deren Beziehung zum Kronprinzen gekannt und gefördert hätte. Aus Mary die Geliebte eines Prinzen – selbst wenn es der Kronprinz war – zu machen, wäre ihr nie in den Sinn gekommen; denn sie wollte, daß ihre Tochter angesehen und bewundert in der Wiener Gesellschaft eine Rolle spiele, nicht aber daß sie, aus ihr verstoßen, im Verborgenen ein passe temps des Thronerben werde, daß sie einer seiner Launen zum Opfer falle. Als Baronin Vetsera am Tage, der der Katastrophe voranging, von der unglückseligen Liebesaffaire Marys erfuhr, vereinbarte sie auch gleich mit ihrem Bruder Alexander Baltazzi, er solle mit Mary rasch, bevor es zu einem Skandal käme, nach Konstantinopel fahren und sich dort mit ihr verheiraten. Als Frau könnte sie dann machen was sie wolle9

»Wir heiraten, um Kinder zu haben, und nicht,
um die Sehnsüchte unserer Herzen zu stillen«

Gleiches galt für das Kaiserhaus. Affären – zumeist mit Tänzerinnen, Sängerinnen und Schauspielerinnen – waren an der Tagesordnung und wurden auch deshalb toleriert, da in diesen Kreisen Hochzeiten keine Herzensangelegenheiten, sondern ausschließlich Politik waren und niemand verlangte, dass man ein Leben lang einem Partner treu blieb, den man aus rein dynastischen Gründen geheiratet hatte. Kinder waren Spielbälle der Politik, wurden dementsprechend erzogen und fügten sich meist widerspruchslos den Entscheidungen der Eltern. Die Erhaltung der Dynastie war oberstes Prinzip, oder wie es Staatskanzler Metternich formulierte: »Wir heiraten, um Kinder zu haben, und nicht, um die Sehnsüchte unserer Herzen zu stillen10

Den Geliebten gegenüber zeigte man sich großzügig, kaufte ihnen Wohnungen und Häuser und verschaffte ihnen nicht selten »gute Partien«, die ihnen ein gesellschaftlich angesehenes Leben ermöglichten. Etwaigen Kindern, die aus diesen Verbindungen entstanden, finanzierte man eine gute Ausbildung, und bisweilen erhielten sie auch eine gute Stellung bei Hof.

Waren nicht standesgemäße Heiraten in adeligen Kreisen selten, aber möglich, waren sie für Mitglieder des Kaiserhauses de facto ausgeschlossen. Eine Ausnahme stellte Erzherzog Johann dar, der im Jahre 1829 die Postmeisterstochter Anna Plochl heiratete. Unter Kaiser Franz Joseph mussten Habsburger, die Bürgerliche heiraten wollten, aus der Familie ausscheiden, durften den Namen Habsburg nicht mehr tragen und bekamen vom Hof keine Apanage mehr. Dennoch entschlossen sich einige Habsburger zu diesem Schritt – darunter Erzherzog Ferdinand Karl, ein Neffe Kaiser Franz Josephs, der 1909 Berta Czuber heiratete, aus dem Familienverband ausschied und unter dem Namen Ferdinand Burg in Südtirol lebte. Gleiches galt für Johann Salvator und Leopold Salvator, die nach ihrem Austritt als Johann Orth und Leopold Wölfling mit ihren bürgerlichen Frauen ein mitunter abenteuerliches Leben lebten. Da sie als Erzherzoge ausschließlich eine militärische Ausbildung erhalten hatten und dieser Beruf nach ihrem Austritt aus der Familie nicht mehr möglich war, stellte sie ihr bürgerliches Leben mitunter auch vor große finanzielle Schwierigkeiten. Leopold Wölfling, der sich von seiner Frau Wilhelmine Adamovics wieder scheiden ließ, arbeitete schließlich unter anderem als Journalist und als Schauspieler im Berliner Kabarett »Rakete«. Johann Orth wurde Schiffseigner, sein Frachtdampfer ging vermutlich bei einem Sturm am Kap Hoorn im Jahre 1890 unter. Mit an Bord war seine Frau Milli Stubel.

Aber auch Erzherzoginnen hatten ihre amourösen Abenteuer – meist jedoch diskreter als die Herren. So verliebte sich Kronprinzessin Stephanie im Jahre 1888 in den polnischen Grafen Arthur Potocki, und Erzherzogin Maria Josefa verband viele Jahre eine enge Freundschaft mit dem Burgschauspieler Otto Tressler. Für einen echten Skandal sorgte die Schwester der Kronprinzessin Stephanie, Louise von Coburg, die ihren Mann und ihre Kinder verließ, um mit dem kroatischen Oberleutnant Géza von Mattachich in Nizza zu leben.

Bürgerlicher Anstand

Das Bürgertum war einerseits bestrebt, der adeligen Lebensform nachzueifern, andererseits darauf bedacht, sich vom Kleinbürgertum und Proletariat deutlich abzugrenzen. Es entwickelte Moralvorstellungen, die sich sowohl von denen des Adels, aber auch jenen des Proletariats unterschieden. Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, den Kindern diese bürgerlichen Umgangsformen und Moral-prinzipien zu vermitteln. Vor allem musste die eigene, streng sublimierte Sexualität gegen den hemmungslosen Adel auf der einen Seite und das Proletariat, das roh und unbekümmert war, auf der anderen Seite verteidigt werden. Die Triebe und Leidenschaften des Bürgertums sollten möglichst im Verborgenen bleiben.

Ganz anders die Situation in den untersten Schichten, wo Diskretion schon aufgrund der engen Wohnverhältnisse gar nicht möglich war. Da die gesamte Familie auf engem Raum zusammengepfercht lebte, blieb den Kindern das Sexualleben der Eltern keineswegs verborgen. Umso peinlicher war man in Bürgerkreisen darauf bedacht, die eigenen Kinder von jenen »Gassenkindern«, die über ein höchst zweifelhaftes Wissen verfügten, fernzuhalten und den Umgang mit ihnen zu unterbinden.

Die Erziehung der bürgerlichen Mädchen war generell darauf ausgerichtet, sie von jeglichem unanständigen Gedankengut fernzuhalten. Die Unterweisungen im Klavierspiel, Gesang, in Handarbeiten, Sprachen, Kunst und unverfänglicher Literatur dienten zur Beschäftigung und Ablenkung von eventuell aufkeimenden unzüchtigen Gedanken. Streng bewacht von einer Gouvernante, verließen die Mädchen das elterliche Haus, um Gesangs- und Klavierstunden zu besuchen. Ein Zusammentreffen mit dem anderen Geschlecht musste unter allen Umständen unterbunden werden, die Gefahr, dass etwas »passieren« könnte, war zu groß. Ganz wie in adeligen Kreisen hatte ein einmal »gefallenes« Mädchen auf dem Heiratsmarkt keinerlei Chancen.

Stefan Zweig beschreibt in seinen Lebenserinnerungen diesen bürgerlichen Zugang zur Sexualität: »… unser Jahrhundert … empfand die Sexualität als ein anarchisches und darum störendes Element, das man nicht am lichten Tage schalten lassen dürfe, weil jede Form einer freien Liebe dem bürgerlichen »Anstand« widersprach. In diesem Zwiespalt erfand nun jene Zeit einen sonderbaren Kompromiß. Sie beschränkte ihre Moral darauf, dem jungen Menschen zwar nicht zu verbieten, seine Vita sexualis auszuüben, aber sie forderte, daß er diese peinliche Angelegenheit in irgendeiner unauffälligen Weise erledigte. War die Sexualität schon nicht aus der Welt zu schaffen, so sollte sie wenigstens innerhalb ihrer Welt der Sitte nicht sichtbar sein. Es wurde also die stillschweigende Vereinbarung getroffen, den ganzen ärgerlichen Komplex weder in der Schule, noch in der Familie, noch in der Öffentlichkeit zu erörtern und alles zu unterdrücken, was an sein Vorhandensein erinnern könnte.«11

Da die Mädchen ihrer eigenen Schicht für sie unerreichbar waren, entwickelten die heranwachsenden Jünglinge einen »Hang zum Personal«. Dem Stubenmädchen, das im Verband der Familie lebte und herkunftsbedingt einen lockereren Umgang mit der Sexualität hatte, wurde mehr oder weniger freiwillig die Aufgabe der praktischen Aufklärung übertragen. Dies hatte einerseits den Vorteil, dass die Angelegenheit in den eigenen vier Wänden und das Dekorum gewahrt blieben und dass andererseits die Gefahr der Ansteckung mit einer venerischen Krankheit geringer war.

Aber nicht nur die Söhne bedienten sich des Personals, wie ein Artikel in der Dienstbotenzeitung verrät: »Im Hause eines bekannten reichen Fabrikanten des dritten Bezirkes diente ein Stubenmädchen, welches leider so leichtsinnig war den Versprechungen des Bruders der ›Gnädigen‹ Glauben zu schenken und mit diesem ein Verhältnis einzugehen. Von diesem Verhältnis wusste die ganze Familie, was auf die Moral dieser ›Herrenmenschen‹ allein schon das entsprechende Licht wirft. Als das Verhältnis Folgen zeigte, wurde das Mädchen überredet, zur Verhütung derselben einen verbotenen operativen Eingriff vornehmen zu lassen. Auch davon wußte die ganze Familie.«12

Henrik Ibsen thematisierte in seinen »Gespenstern« genau diese Scheinmoral der bürgerlichen Gesellschaft, die Verhältnisse des Hausherrn mit dem Dienstpersonal tolerierte und die daraus entstehenden Folgen nach eigenen Interessen exekutierte: »Das Mädchen wurde sofort aus dem Dienst entlassen und bekam eine ansehnliche Summe, damit sie bis auf weiteres schwieg.«13

Auch Arthur Schnitzler nahm in seinem 1896/97 geschriebenen »Reigen« die bürgerliche Doppelmoral aufs Korn. Im Reigen an Liebeleien, der sich quer durch alle Gesellschaftsschichten spannt, kommt das Verhältnis des jungen Herrn mit dem Stubenmädel ebenso vor wie der Ehebruch des jungen bürgerlichen Paares. Die junge, eben aus den Armen ihres Liebhabers kommende Frau führt mit ihrem Ehemann, der in der nächsten Szene ein junges Mädchen in einem Chambre séparée verführen wird, folgendes, die bürgerliche Scheinmoral entlarvendes Gespräch:

DER GATTE: Für einen Mann, der sich ein bißchen in der Welt umgesehen hat – geh, leg den Kopf an meine Schulter –, der sich in der Welt umgesehen hat, bedeutet die Ehe eigentlich etwas viel Geheimnisvolleres als für euch junge Mädchen aus guter Familie. Ihr tretet uns rein und … wenigstens bis zu einem gewissen Grad unwissend entgegen, und darum habt ihr eigentlich einen viel klareren Blick für das Wesen der Liebe als wir.

DIE JUNGE FRAU: (lachend) Oh!

DER GATTE: Gewiß. Denn wir sind ganz verwirrt und unsicher geworden durch die vielfachen Erlebnisse, die wir notgedrungen vor der Ehe durchzumachen haben. Ihr hört ja viel und wisst zu viel und lest ja wohl eigentlich auch zu viel, aber einen rechten Begriff von dem, was Männer in der Tat so erleben, habt ihr ja doch nicht. Uns wird das, was man so gemeinhin die Liebe nennt, recht gründlich widerwärtig gemacht; denn was sind das schließlich für Geschöpfe, auf die wir angewiesen sind!

DIE JUNGE FRAU: Ja, was sind das für Geschöpfe?

DER GATTE: (küsst sie auf die Stirn) Sei froh mein Kind, daß du nie einen Einblick in diese Verhältnisse erhalten hast. Es sind meist recht bedauernswerte Wesen – werfen wir keinen Stein auf sie.

DIE JUNGE FRAU: Bitt dich – dieses Mitleid – das kommt mir da gar nicht recht angebracht vor.

DER GATTE: (mit schöner Milde) Sie verdienen es. Ihr, die ihr junge Mädchen aus guter Familie wart, die ruhig unter der Obhut eurer Eltern auf den Ehemann warten konntet, der euch zur Ehe begehrt; – ihr kennt ja das Elend nicht, das die meisten von diesen armen Geschöpfen der Sünde in die Arme treibt.14

Neben den im eigenen Haushalt lebenden Stubenmädchen boten sich für die Söhne je nach Stand und Portemonnaie des Vaters auch Schauspielerinnen, Tänzerinnen oder aber Kellnerinnen und Verkäuferinnen für Verhältnisse an. Dass Beziehungen dieser Art aber hinsichtlich einer Infektion mit einer venerischen Krankheit nicht ungefährlich waren, schilderte Arthur Schnitzler in seiner Biographie: »So begegnete es mir kurz nach Beendigung meines Militärjahres an einem Novembernachmittag, daß ich mit Richard eine sehr hübsche Choristin des Wiednertheaters in ihre Wohnung begleitete und daß wir um die Gunst der durchaus nicht spröden, nur unentschiedenen jungen Dame zu losen oder vielmehr zu zipfeln beschlossen. Der Gewinnende war ich. Aber da sie uns vorher den Namen ihres Liebhabers genannt, eines ungarischen Aristokraten, über dessen Gesundheitszustand ich durch die Indiskretion seines Arztes zufällig genau unterrichtet war, und ich außerdem, meinen Arm um ihren Nacken schlingend, eine meinem medizinischen Verständnis sehr verdächtige Drüse getastet hatte, verzichtete ich edelmütig auf den Preis, überließ ihn meinem Freund, dem glücklich-unglücklicherweise auf solchen Wegen keine Gefahr mehr drohte, und begab mich in ein nahe liegendes Kaffeehaus.«15

Mehr oder weniger dauerhafte Verhältnisse mit einer so genannten »Grisette«, wie man Mädchen dieser Art nannte, waren für viele junge Männer die einzige Möglichkeit einer Beziehung zum anderen Geschlecht, wenn sie noch nicht in der Lage waren zu heiraten. Das Konkubinat, die wilde Ehe, war zwar eine weitverbreitete Praxis, wurde aber von der bürgerlichen Moral offiziell natürlich strikt abgelehnt, wie Henrik Ibsen in den »Gespenstern« sehr treffend beschreibt:

PASTOR MANDERS: Sie sprechen also von ungesetzlichen Verhältnissen! Von diesen sogenannten wilden Ehen!

OSVALD: Ich habe nie etwas besonders Wildes im Zusammenleben dieser Menschen bemerkt.

PASTOR MANDERS: Aber wie ist es möglich, daß ein – ein auch nur einigermaßen wohlerzogener Mann oder eine junge Frau sich dazu entschließen können, auf diese Weise zu leben – vor den Augen der Öffentlichkeit.

OSVALD: Aber was sollen sie denn sonst tun? Ein armer junger Künstler – ein armes junges Mädchen – es kostet viel Geld zu heiraten. Was sollen sie also tun?

PASTOR MANDERS: Was sie tun sollen? Nun, Herr Alving, ich werde Ihnen sagen, was sie tun sollen. Sie sollen Abstand voneinander halten, und zwar von Anfang an – das sollen sie!16

Leichter hatten es Studenten, ein Verhältnis zu unterhalten, wenn sie aus der Provinz zum Studium nach Wien kamen und über ein eigenes Zimmer verfügten. Es hing natürlich auch von der Moral der Zimmervermieterin ab. War diese eine anständige Person, duldete sie nicht einmal den Besuch von Studienkollegen auf dem Zimmer, geschweige denn Damenbesuch. Oder aber es handelte sich um eine zwielichtige Person, die eine »sturmfreie Bude« vermietete. Wie man sich diese vorzustellen hat, beschrieb Otto Friedländer: »In der Regel sind sie in irgendeinem Haus, das oft den Besitzer wechselt und um das sich der Hausherr nie recht kümmert. Denn in Wien sind auch die Hausherrn Tugendwächter, und kein Hausherr, der auf sich hält, duldet daß in seinem Haus Unzucht getrieben wird. Ein solches Haus, in dem eine sturmfreie Bude ist, sieht also natürlich danach aus: der Verputz fällt ab, das Tor ist zerkratzt, an der Stiegenwand haben Knaben ihre Wunschträume verewigt, und die Stufen sind ausgetreten. Die Wohnungstür öffnet eine geschminkte Person in einem roten Schlafrock; sie hat eine große blonde Frisur mit Straßspangen im Haar, und warmes Fleisch umwogt sie.«17