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Peter Blau

Was gibt es Neues?

Peter Blau

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Das Buch zur Sendung

Mit Beiträgen von
Oliver Baier & Michael Niavarani

Mit 61 Abbildungen

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Besuchen Sie uns im Internet unter: www.amalthea.at

© 2014 by Amalthea Signum Verlag, Wien

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Elisabeth Pirker, OFFBEAT

Umschlagfotos: vorne: © ORF/Milenko Badzic (Vitásek, Baier, Marold, Gernot, Beimpold), ORF/Ali Schafler (Maurer), ORF/Thomas Jantzen (Niavarani); hinten: © ORF/Milenko Badzic (alle)

Lektorat: Victoria Bauernberger

Herstellung und Satz: Franz Hanns

Gesetzt aus der Charlotte Book 10/13,8 Punkt

Printed in the EU

ISBN 978-3-85002-886-8

eISBN 978-3-902998-09-5

Inhalt

»Herzlich willkommen und einen schönen Freitagabend …«

Vorwort von Oliver Baier

Wie alles begann

Der Welttag der Frustrationsschreie

Das Ding der Woche

Das lustigste Rateteam der Welt

Ihr Postfach ist voll

Alles eine Frage der Frage

Fragen über Fragen

»Stets findet Überraschung statt, wo man’s nicht erwartet hat.«

Eine Aufwärmrunde

Vom Säuferbalken ins Trottelbecken

Andere Länder, andere Sitten

Willst du mich pflanzen?

Bäume, Blumen und Gemüse

Gedruckt und verbucht

Zeitungen, Bücher, berühmte Autoren

Die Dramaturgie des Durchfalls

Theater, Film und Fernsehen

Nackte auf Noten

Schilling, Dollar, Yen und Euro

Im tiefen Tal der Ahnungslosen

Länder, Berge und Gewässer

Glück im Spiel

Zocker, Würfler, Hasardeure

Wollen Sie mich beleidigen?

Suppenbrunzer und Runzelbruder

Vier Wände für ein Halleluja

Knast, Hotels, berühmte Bauten

Wechselnase und Weichteilhemmung

Mensch, Körper, Krankheit

Alles Gute kommt von oben

Glaube, Gräber, Gotteshäuser

Kampfstuhl mit Spätblähung

Geschichten vom stillen Örtchen

Zitronensaft und Seifenblasen

Verbrecher, Polizisten und Spione

Saftkugler in der Schnitzelgrube

Speisen, Getränke und Gastronomie

Ins Land einischaun

Fragen mit dem Duft frischen Kuhmists

Zwerge in der Nikolausfalle

Märchen und Mythen

Der letzte Schrei der Widerstandshose

Modisch geht die Welt zugrunde

Schmuckeremiten mit Dufttauben

Monarchen und Marotten

Alles eine Frage der Technik

Von Zuwachsbohrern und Wendehämmern

Ein Tanzmuffel und ein Seifenspender

Politiker und Prominente

Gewitterfurzer sucht Mondscheinanschluss

Wind, Wetter und Weltraum

Auf Schlittschuhen am Strand

Es lebe der Sport

Mit Auftrittsrohr am Fummelplatz

Zweideutiges und Anzügliches

Nachwort von Michael Niavarani

Stichwortverzeichnis

Personenregister

Bildnachweis

»Herzlich willkommen und einen schönen Freitagabend …«

Vorwort von Oliver Baier

Fast schon 350 Mal habe ich Sie auf diese und ähnliche Weise begrüßt und vierzig Minuten eingeläutet, die sich im Laufe von zehn Jahren zu einem Dauerbrenner im österreichischen Fernsehen entwickelt haben. Dank Ihrer Treue ist »Was gibt es Neues?« ein Fixpunkt in der heimischen TV-Landschaft geworden. Wiewohl dieser Sendung kein neuartiges Konzept zugrunde lag und wir am Anfang mit diesem Format gegen eine übermächtig scheinende deutsche Konkurrenz angetreten sind, haben wir uns innerhalb unseres ersten Jahres mit eigenständigen Ideen, Rubriken und spontanem Witz zu dem gemausert, wofür wir heute bekannt sind.

Gegenüber Kritikern, die das Konzept als nichts Originäres angesehen haben, konterte ich damals, im Jahr 2004, dass Fußball auch in England entstanden ist, aber Griechenland Europameister wurde. Ja, Griechenland! Diese Tatsache zeigt, dass zehn Jahre ein wirklich langer Zeitraum sind.

Aber der eigentliche Erfolg dieser Sendung lag nie in den konzeptionellen Gedanken, sondern in der Qualität von fünf variierenden Menschen, die Woche für Woche in meinem Rateteam Platz nehmen, um meinen absurden Fragen noch absurdere Antworten entgegenzusetzen.

Der richtige Mix dieser Kandidatenrunde ist das eigentliche Erfolgsgeheimnis, denn ohne die Speerspitzen der heimischen Kabarettlandschaft wäre »Was gibt es Neues?« nicht machbar.

In diesem Buch wollen wir Sie einladen, uns von den Anfängen bis zur Gegenwart zu begleiten, und Sie werden überrascht sein, wie sich diese Sendung von den ersten Ausgaben bis heute entwickelt hat. An dieser Erfolgsstory sind mehrere Leute beteiligt, einige sogar von Anfang an, und bei all diesen, die im Hintergrund eifrig geleitet, gelenkt, organisiert, inszeniert, mobilisiert, kreiert und produziert haben, möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken.

Sie, das Publikum, haben uns innerhalb dieser zehn Jahre begeistert aufgenommen und lieb gewonnen, da solche Sendungen wie der wöchentliche Stammtisch funktionieren, an dem man Platz nimmt und sich daran erfreut, dass einem vertraut gewordene Menschen ein Thema, das man eventuell sogar selbst eingebracht hat, mit Spontanhumor und schrägem Witz abhandeln.

Ich hoffe, wir schaffen das auch weiterhin. Aber solange Sie uns mit Fragen versorgen, werden wir versuchen, verrückte Antworten zu finden. So gesehen freue ich mich auf weitere zehn Jahre und vielleicht schreibe ich im Vorwort des Jahres 2024, dass Fußball auch in England entstanden ist, aber Österreich Europameister wurde. Einen 300-Euro-Büchergutschein wär’s mir wert.

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OLIVER BAIER

Wie alles begann

Wer hätte das gedacht? Damals im Frühsommer 2004, als sich drei kreative Köpfe zusammensetzten, um eine österreichische Version der in Deutschland gerade so erfolgreichen Comedy-Quiz-Serie »Genial daneben« zu ersinnen. Wer hätte gedacht, dass dabei eine Sendung herauskommt, die sich schon nach wenigen Sendungen so sehr in die Herzen der Zuschauer spielen würde, dass sie auch zehn Jahre später noch mit ihrem ureigenen Schmäh als unangefochtener Fixpunkt der Freitag-Abend-Unterhaltung Woche für Woche für Spiel und Spaß sorgt? Sandra Winkler hatte es gedacht. Die ehemalige Comedy-Chefin des ORF überraschte die Mitarbeiter von »Was gibt es Neues?« bereits während der zweiten Staffel mit der mutigen Prophezeiung: »Mit der Sendung gehen wir noch alle in Pension!« Die ersten haben das bald geschafft.

Doch zurück zu den Anfängen der Entstehungsgeschichte dieses komischen Kleinods der Fernseh-Belustigung. Natürlich war es dem kleinen Entwicklungsteam ein fröhliches Bedürfnis, eine originäre und eigenständige Sendung zu erschaffen. Also verfiel das neben Sandra Winkler noch aus Redakteur Peter Wustinger und Moderator Oliver Baier bestehende Trio auf die Idee, ihr einen brisanten Anstrich zu verleihen: Dem möglichst phantasievollen und komödiantisch begabten Rateteam sollten ausschließlich Fragen rund um das aktuelle Wochengeschehen gestellt werden. Zusätzlich solle jede Sendung mit einer pointenreichen fünfminütigen Stand-Up-Comedy des Moderators beginnen, in der sich abermals alles um das aktuelle Wochengeschehen dreht.

Die Frage, ob wirklich jede Woche so viel Witziges und »Fragwürdiges« passiert, dass sich damit eine Sendung füllen lässt, stellte sich zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Ganz zu schweigen von der ebenfalls nicht ganz unwesentlichen Frage, wie diese Wochenaktualität überhaupt zu bewerkstelligen sein soll, wenn die Sendungen zum Teil bis zu drei Wochen vor ihrem Ausstrahlungstermin aufgezeichnet werden. Kaum war dieser Plan gefasst, begann die Suche nach dem Sendungstitel. Das ist üblicherweise ein langwieriger Vorgang, der mit allgemeinem Brainstorming beginnt und über etliche endlose Sitzungen im Idealfall zu einem Ergebnis führt, das dann schlussendlich wieder zur Diskussion gestellt wird, sodass das Prozedere von vorne beginnen kann. In seltenen Glücksfällen genügt das richtige Wort zum richtigen Zeitpunkt, um die Debatte zu beenden. Nur ein einziger Fall ist bislang bekannt, in dem ein spontan ein Liedchen anstimmender Redakteur im Schnellverfahren zum Taufpaten einer Sendung avancierte. In Anbetracht der gerade eifrig angepeilten Aktualität der zu betitelnden Sendung erwachten in Peter Wustinger nämlich Kindheits- und Jugenderinnerungen an einen beliebten Dauerbrenner des ORF: Heinz Conrads’ zunächst als Radiosendung konzipierte und später auch fürs Fernsehen adaptierte Sendung »Was gibt es Neues?«. Deren berühmte gleichnamige Kennmelodie stimmte er unwillkürlich an – und bekam für diesen Vorschlag den spontanen Zuschlag.

Von dem einst geplanten unmittelbaren Gegenwartsbezug der Sendung ist allerdings außer dem Titel und den auf das Tagesgeschehen gemünzten satirischen Anspielungen des Rateteams nicht viel geblieben. Eine ursprünglich für den Beginn jeder Folge geplante aktuelle Stand-Up-Comedy wurde bereits nach der ersten Staffel gestrichen, weil sich rasch herausstellte, dass der Unterhaltungswert geschriebener Pointen nur in seltenen Fällen jenem improvisierter Scherze und Blödeleien des Rateteams das Wasser reichen kann. Das zeigte sich nicht nur bei jener unvergesslichen Probesendung, für die ein namentlich nicht genannt werden sollender und mit dem Füllen der Besucherränge beauftragter Mitarbeiter einer Komparserie unter Vermeidung jeglichen Mitdenkens kurzerhand eine Busladung tschechischer Studenten als günstige Publikumskulisse engagiert hatte. Die Sprachbarriere ließ die ganze Show über keinerlei Stimmung aufkommen. »Das war eine Pilot-Sendung wie ein Geisterspiel vor leeren Rängen«, erinnert sich Oliver Baier mit Schaudern.

Dass spontane Späße ganz grundsätzlich eher für ausgelassene Heiterkeit sorgen als gescriptete Witze, weiß man auch im Kabarett, wo ja gelegentlich sogar vermeintlich spontane Reaktionen auf (sorgsam eingeplante) Pannen oder (absichtlich) fehlende Requisiten genau einstudiert werden, um einem schwächeren Sketch zu etwas mehr Komik und Publikumswirksamkeit zu verhelfen. Bei »Was gibt es Neues?« wird vorher nichts geprobt. Keiner im Rateteam kennt die Fragen oder weiß, was auf ihn zukommt. Wenn also dort einmal der Schmäh rennt, ist das garantiert immer lustiger und authentischer als jede vorbereitete Pointe. Je schneller das Team sich auf die Fragen stürzen kann und in Fahrt kommt, umso besser. Dieses Argument war schlussendlich auch ausschlaggebend dafür, dass ein zweiter – vermeintlich unverzichtbarer – Eckpfeiler der Sendung gefällt wurde. Und das, ohne ihre Stabilität auch nur im Mindesten zu gefährden.

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10 years after: Moderator Oliver Baier bei der ersten Sendung am 1. Oktober 2004 …

Um dem Titel »Was gibt es Neues?« zumindest halbwegs gerecht zu werden, wurde die ersten Jahre über geradezu krampfhaft versucht, jede Frage und jeden rätselhaften Fachbegriff zumindest in einen pseudoaktuellen Kontext zu setzen. Sollte nach dem »Schweizer Riegel« gefragt werden, wurde – nur für die Anmoderation – so lange recherchiert, bis eine zufällig gerade eröffnete, aber grundsätzlich völlig unerhebliche Messe für Bauen und Wohnen in Basel gefunden war. Die im Pilotenjargon gebräuchliche Floskel »kill the rabbit« konnte erst am Welttierschutztag begründet zum Einsatz kommen, der »Stechgroschen« stand bis zum Weltspartag auf der Warteliste. Lautete die Frage, warum auf mittelalterlichen Marktplätzen an geheimen Stellen Spielwürfel versteckt waren, musste für die Überleitung gar die Eröffnung eines »würfelförmigen Kunstmuseums auf einem zentralen Platz in Stuttgart« bemüht werden. Ganz schön viel Aufwand und Arbeit für die Einflechtung vornehmlich verwirrender und bremsender Fremdkörper im Sendungsablauf.

Der Erkenntnis, dass vorgefertigte Witzigkeiten eine vom spontanen Schmäh lebende Sendung nur in Ausnahmefällen humoristisch bereichern können, fiel auch die ursprüngliche Version der »Promifrage« zum Opfer. Nicht mehr viele werden sich daran erinnern können, dass es anfänglich nur selten die Prominenten selbst waren, die die Schlussfrage stellten, sondern Parodisten, die die Promis auf möglichst lustige Weise persiflierten. Kabarettist und Stimmtalent Herbert Haider fragte beispielsweise als »bäriger« Hansi Hinterseer nach dem »Vibrationsbär« und Ö3-Comedian Christian Schwab stellte in seiner damaligen Paraderolle als »Sepp Schnorcher« gleich in mehreren Folgen Fragen mit sprachlichem Heimatbezug zu seinem »Klingenden Österreich«. Inzwischen ist es – abgesehen vom »Sendungsthema« – ausgerechnet diese einst als Element von vermeintlich zeitloser Lustigkeit geplante »Promifrage«, die in jeder Folge von »Was gibt es Neues?« zumindest für einen abschließenden Hauch der vom Sendungstitel angedeuteten Aktualität sorgt.

Ganz schnell wieder verworfen wurde auch die 2008 in einigen wenigen Folgen ausprobierte »Panikfrage«. Zur Erinnerung: Dabei handelte es sich um eine aus sendungsdynamischen Gründen eingeführte Schnellraterunde, bei der jeder im Rateteam die Aufgabe hatte, eine ganz kurze Erklärung für das in die Runde geworfene Rätselwort aus der Hüfte zu schießen. Sie erwies sich jedoch vielmehr als Schuss ins eigene Knie, beraubte sie das Team und die Sendung doch der unverzichtbaren Möglichkeit, entspannt miteinander Schmäh führen zu können.

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… und zehn Jahre später.

Als durchaus funktionell erwies sich indes die Einführung der Figur des ratlosen Archivars Bruckmann. Wenn es darum geht, Fragen aus aller Welt zu stellen, die einer etwas ausführlicheren Anmoderation bedürfen, hat dieser komische Kauz, der in Form einer ununterbrechbaren Zuspielung zugeschaltet wird, deutlich bessere Karten als Oliver Baier, der oft darum kämpfen muss, sich inmitten der Kindergeburtstagsstimmung beim Rateteam Gehör zu verschaffen. ORF-Innenpolitik-Redakteur und Nebenerwerbs-Kabarettist Claus Bruckmann verkörpert die Rolle des etwas unbeholfenen Kollegen aus den lichtlosen Katakomben überdies dermaßen glaubwürdig, dass ihn immer wieder Fragen per Post erreichen, die mit »ORF-Archiv, z. H. Herrn Bruckmann« adressiert sind.

Der Welttag der Frustrationsschreie

Das Sendungsthema ist ein Kapitel für sich. In erster Linie dient es ja nur dazu, das Wesen oder den Charakter der Goodies zu bestimmen, mit denen Oliver Baier seine Spielkameraden für besonders originelle Rateleistungen belohnt. Gelegentlich orientiert sich auch die eine oder andere Frage an dem Sendungsmotto oder -thema. Nach über 350 Ausgaben von »Was gibt es Neues?« wäre es aber reichlich einfallslos, alle Jahre wieder auf die gängigen saisonalen Feiertage wie Weihnachten, Ostern, Song Contest oder Halloween zurückzugreifen. Auch die ORF-internen Anlässe, wie der Start einer neuen »Dancing Stars«- oder »Die große Chance«-Staffel, wiederholen sich mit der Zeit. Weltbewegende Großereignisse wie Olympische Spiele oder Venus-Transits finden leider auch nicht alle paar Monate statt. Und so manche ORF-Schwerpunktaktion, zu deren Thema sich die Direktion auch eine eigene »Was gibt es Neues?«-Sendung wünschen würde, ist für eine Sendung, in der es möglichst spaßig zugehen soll, schlicht ungeeignet. Nichts gegen »Bewusst gesund«, aber Blutdruckmessgeräte und Ergometer sind schlicht zu unhandlich und gefährlich, um sie den Lustigen aus der ersten Reihe zuzuwerfen.

Die Aufgabe, möglichst viele neue, außergewöhnliche Anlässe ausfindig zu machen, gestaltet sich folgerichtig von Staffel zu Staffel herausfordernder. Immer hemmungsloser wird daher in letzter Zeit zu diesem Zweck in dem reichhaltigen Angebot kurioser Gedenktage und merkwürdiger Jubiläen gewildert: Vom 100. Todestag Karl Mays, dem 250. Geburtstag des Puzzles oder dem 150. Jahrestag der ersten Hundeausstellung in Österreich bis zum »Sprich wie ein Pirat«-Tag, dem »Tag des verlorenen Sockens« und dem »Welttag der Frustrationsschreie«.

Besonders beliebt sind natürlich Feier-, Gedenk- und Welttage, zu denen es Lustiges zu erzählen gibt. Wie zu dem alljährlich am 4. Mai begangenen – und selbstverständlich auch bereits von »Was gibt es Neues?« abgefeierten – »International Star Wars Day«. Welche Floskel entspricht im Universum der Jedi-Ritter unserem »Grüß Gott«, »Mahlzeit« oder »Auf Wiederschauen«? Ganz klar: »Möge die Macht mit dir sein.« Mit genau diesem Satz verabschiedete sich daher auch George Lucas – Drehbuchautor, Produzent und Regisseur der epischen Science-Fiction-Saga – im Jahr 2005 von einem Interviewer des deutschen Nachrichtensenders »n-tv«. Auf Englisch versteht sich: »May the force be with you.« Übersetzt wurde dieser berühmte Satz vom offenbar nicht besonders »Star Wars«-affinen Simultan-Dolmetscher auf inzwischen schon legendäre Weise: »Am 4. Mai sind wir bei Ihnen.« Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Diese schöne Geschichte war nicht der Auslöser dafür, dass der 4. Mai zum »International Star Wars Day« ernannt wurde. Die akustische Ähnlichkeit von »May the fourth« und »May the force …« war schon einige Jahre zuvor von ein paar humoristisch begabten Fans zum Anlass genommen worden, dieses Datum zum Feiertag zu küren.

Die Liste jener Gedenktage, denen möglicherweise schon bald eigene »Was gibt es Neues?«-Sendungen gewidmet sein sollen, ist noch lang. Als ganz besonderes akustisches Erlebnis könnte die Sendung zu Ehren des »Welttags der Blockflöte« (10.1.) in die ORF-Geschichte eingehen. Der »Welttag der Taschenlampe« (21.12.) würde für ein im österreichischen Fernsehen erst- und letztmaliges Beleuchtungskonzept sorgen. Am »Tag der Schachtelsätze« (25.2.) müssten alle Wortmeldungen des Rateteams mindestens drei Nebensätze beinhalten, am »Tag der schlechten Wortspiele« (12.11.) mindestens ein schlechtes Wortspiel. Am »Zuspätkommtag« (30.7.) beginnt »Was gibt es Neues?« – aber wirklich nur ausnahmsweise – nicht zu dem im Fernsehprogramm angegebenen Zeitpunkt. Dafür dann umso feierlicher.

Drei Welttage könnten von der Redaktion kurzerhand zu internen Feiertagen umfunktioniert werden. Am »Unsichtbarkeitstag« (11.4.) gibt es zur Freude der kaufmännischen Direktion nicht nur kostengünstige unsichtbare Goodies, er wird vor allem zu Ehren all jener Mitarbeiter von »Was gibt es Neues?« gefeiert, die »unsichtbar« hinter den Kulissen werkeln. Neben den vielen Fachkräften für Licht, Ton, Kamera, Maske, Kostüm etc. sind es vor allem der seit Anbeginn zuständige ORF-Redakteur Peter Wustinger und das kleine, umsichtige und unendlich emsige Team von »Gebhardt Productions«, die von den Voraufzeichnungen der Zuschauerfragen über die exakte Organisation der Aufzeichnungen bis zum Versand der Büchergutscheine alles, dessen es für den reibungslosen Betrieb der Sendung bedarf, sorgsam aber fest im Griff haben.*

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Im Februar 2013 feierte »Was gibt es Neues?« seine 300. Ausgabe! Stehend v. l. n. r.: Gerold Rudle, Autor Peter Blau, Redakteur Peter Wustinger, Regisseurin Heidi Haschek, Michael Niavarani, »Gebhardt Productions«-Chef Florian Gebhardt, Viktor Gernot, Eva Marold, Bildmeisterin Kornelia Meriä, Aufnahmeleiter Christian Srnka. Sitzend v. l. n. r.: Regieassistentin Karin Tschabuschnig, Dominique Dünser, Uli Beimpold, Oliver Baier, Claudia Kellner, Laura Haschek.

Kein Gedenktag wäre indes geeigneter als der »Ich habe die Kontrolle«-Tag (30.3.), um jenen Herrn und all seine Verdienste gebührend hochleben zu lassen, der Woche für Woche sein Talent und Geschick als Flohzirkus-Direktor und Ratefüchse-Dompteur unter Beweis stellen muss. Schließlich hat er als Radiomoderator (z. B. »One o’clock«), Kabarettist (z. B. »Schlagerschlachtung«), TV-Regisseur (z. B. »Echt Fett«) und Schauspieler (u. a. in dem zweiteiligen TV-Film »Aufschneider«, im »stadtTheater Walfischgasse« und bei den »Komödienspielen Porcia«) die heimische Unterhaltungslandschaft in den letzten 20 Jahren multimedial mitgeprägt: »Was gibt es Neues?«-Moderator Oliver Baier. Ihm obliegt die verantwortungsvolle Aufgabe, das fröhliche Chaos zu leiten und die oftmals ausufernde Stimmung im richtigen Moment in die gewünschten Bahnen zu lenken.

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Am »Tag des scharfen Essens« (19.8.) gibt es dann für das Rateteam büschelweise frische Pfefferoni als Goodies. Und das nur, um Regisseurin Heidi Haschek und ihrer Regie-Assistentin Karin Tschabuschnig, die von Anfang an maßgeblich Anteil am Erfolg von »Was gibt es Neues?« haben, eine Freude zu bereiten. Ob sie Fans scharf gewürzter Speisen sind, spielt dabei keine Rolle. Vielmehr geht es um das Gefühl der Genugtuung und der Glückseligkeit, dass das Rateteam trotz der – von ihnen immer wieder heftig kritisierten – Essbarkeit der ihm zugeworfenen Belohnungen voraussichtlich keine tonstörenden Kau- und Knabbergeräusche erzeugen wird.

* Zumindest in dieser Fußnote unbedingt namentlich erwähnt werden müssen in diesem Zusammenhang Dominique Dünser, Laura Haschek, Claudia Kellner, Angela Stockinger und Aufnahmeleiter Christian Srnka.

Das Ding der Woche

Über so manche Sendungen und Sendungselemente wird wochenlang konzeptionell nachgedacht, bevor sie pilotiert, verbessert oder wieder verworfen werden. Andere stolpern einfach auf Sendung und dürfen ungeplant und unerprobt ihre Feuertaufe bestehen. So in etwa war das mit dem »Ding der Woche«. Ehre, wem Ehre gebührt: Radio-Redakteurin Julia Korponay-Pfeifer war es, die nach der Ausstrahlung der ersten Folgen von »Was gibt es Neues?« eines Morgens ein merkwürdiges Plastikteil mit zwei Bändern in der Redaktion vorbeibrachte und vorschlug, das Rateteam doch auch nach dem Zweck unerklärlicher Gegenstände suchen zu lassen. Die zum Teil sehr kreativen, vergeblichen und komischen Versuche der Anwesenden, dem Sinne des Erfinders auf die Spur zu kommen, veranlassten die Sendungsverantwortlichen, dieses Spiel gleich tags darauf bei der nächsten Aufzeichnung auszuprobieren. Das »Ding der Woche« war geboren.

»Hätte dieser Versuchsballon nicht auf Anhieb funktioniert«, erinnert sich Peter Wustinger an seine damalige Rückversicherung, »wäre die Passage halt wieder herausgeschnitten worden. Und außer den Besuchern im Studio hätte niemand etwas gemerkt.« Heute hagelt es Beschwerden, wenn das »Ding der Woche« einmal fehlt. Denn die Rubrik wurde vom Publikum sofort mit Begeisterung aufgenommen. Beim Rateteam stieß sie indes anfangs nicht auf ungeteilte Gegenliebe. Vor allem Gerold Rudle machte aus seinem Missmut gegenüber dem »doofen Ding« monatelang keinen Hehl – und münzte seine schlechte Laune gekonnt in einen Running Gag um. Tatsächlich setzt diese aus dem Rahmen fallende Raterunde das Team besonders unter Druck. Denn im Gegensatz zu den »normalen« Fragen, bei denen sich jeder in Ruhe seine Antworten überlegen und sich in einem günstigen Moment ins Geschehen einschalten kann, wird das »Ding« einfach gnadenlos weitergereicht. Und mit ihm auch der Brennpunkt der Aufmerksamkeit. Da heißt es dann, punktgenau die Pointen parat zu haben. Das stresst verständlicherweise etwas mehr als die beruhigende Gewissheit, sich im Fall völliger Einfallslosigkeit auch eine ganze Raterunde lang unauffällig zurücklehnen zu können. Bei einem fünfköpfigen Team merkt am Ende im Fernsehen nämlich niemand, ob der Witz bei dem einen oder der anderen vorübergehend Pause gemacht hat. Ist man aber mit dem »Ding« in der Hand schmähstad, fällt es unweigerlich auf.

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Das allererste »Ding der Woche«: Als sich Gerold Rudle am 22. Oktober 2004 spaßeshalber eine orthopädische Sockenanziehhilfe auf den Kopf setzte, wusste er noch nicht, dass er gerade zum Mitbegründer seiner langjährigen Lieblingsrubrik geworden war.

Der Erfolg der Rubrik »Ding der Woche« hat übrigens vor einigen Jahren einen deutschen Sender dazu veranlasst, dieser Idee gleich eine ganze Sendung zu widmen: In dem sehr ähnlich aufgebauten Comedy-Quiz »Das Ding vom Dach« werden dem Panel allerdings überwiegend Gerätschaften und Werkzeugteile zum Enträtseln vorgelegt, die nur sehr selten den strengen Auswahlkriterien von »Was gibt es Neues?« gerecht würden. Ähnlich wie bei den Fragen und Fachbegriffen gilt nämlich auch für das »Ding der Woche«, dass es den Ratefüchsen eine möglichst große Bandbreite an Interpretationsmöglichkeiten und Anknüpfungspunkten bieten muss, um einen Platz in der Sendung zu bekommen. Nur »rätselhaft« oder »unmöglich draufzukommen« ist definitiv zu wenig.

Das lustigste Rateteam der Welt

Frage: Wer war am 1. Oktober 2004 neben Michael Niavarani, Klaus Eberhartinger, Gerold Rudle und Eva Marold der Fünfte im Rateteam der allerersten Ausgabe von »Was gibt es Neues?«?

A Andi Knoll      B Alf Poier      C Armin Assinger      D Alfred Dorfer

Kaum einer kann sich mehr daran erinnern. Er selbst womöglich auch nicht mehr. Es war »Mr. Millionenshow« Armin Assinger, der als gut gelaunter Jolly Joker des ORF auch »Was gibt es Neues?« mit seinem Kärntner Mutterwitz bereichern sollte. Bereits nach zwei Folgen nahm er wieder Abschied, da er sich, so Assinger damals, in der Rolle des Moderators und Quizmasters doch wesentlicher wohler fühle. Er reiht sich damit in die lange Reihe prominenter Kolleginnen und Kollegen ein, die die Sendung im Lauf der Jahre mit ihrem individuellen Stil und Humor um neue schillernde, schräge oder schrille Facetten bereichert haben: weiblicherseits u. a. Dolly Schmidinger, Jazz-Gitti, Angelika Niedetzky, Sigrid Hauser, Elke Winkens, Elli Colditz, Nadja Maleh, Claudia Rohnefeld und Kristina Sprenger, männlicherseits u. a. Ciro De Luca, Joesi Prokopetz, Clemens Haipl, Reinhard Nowak, Christoph Fälbl, Alex Kristan, Fifi Pissecker, Severin Groebner, Klaus Eckel, Martin Puntigam, Gerhard Walter und Werner Brix.

Sie alle durften die Erfahrung machen, dass »Was gibt es Neues?« – so locker die Sendung auch wirkt – doch ganz spezielle Anforderungen an ihre Mistreiter stellt. Und die haben mit dem wirklichen Bühnenleben eines Komödianten oder Kabarettisten nur bedingt etwas zu tun. Vor allem ist es die Fähigkeit, sich mit gefühlvollem Timing und als bedingungsloser Teamplayer in die Dynamik der gut eingespielten Gruppe einklinken zu können. Im Fußball spräche man von blindem Vertrauen beim schnellen Kurzpassspiel und von routinierter Antizipation der Laufwege bei weiten Maßflanken und scharfen Vorlagen. Anders gesagt: pointiertes Tiki-Taka, effektives Flügelspiel und ein – bei Bedarf uneigennütziger – Zug zum Tor. Wer am Ende die Pointe einlocht, ist für das Endergebnis schließlich egal. Die Stimmung während des Spiels und möglichst auch noch nach dem Abpfiff muss stimmen. Auf den Rängen und am Rasen.

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Das Rateteam der ersten »Was gibt es Neues?«-Sendung am 1. Oktober 2004: Rund um Moderator Oliver Baier erstrahlen in jugendlicher Blüte Armin Assinger, Michael Niavarani, Eva Marold, Klaus Eberhartinger und Gerold Rudle.

Special-Guest-Appearances aus aktuellen Anlässen hatten der inzwischen auch als Solokabarettist tätige »SOKO Donau«-Kommissar Gregor Seberg, die Schweizer Kabarettistin Nadja Sieger vom Duo »Ursus & Nadeschkin«, Schauspielerin Katharina Stemberger, Michael Niavaranis kongeniale bayerische Kabarett-Partnerin Monika Gruber und der deutsche Comedian Oliver Pocher.

Am nahtlosesten und unbekümmertsten als Stargast ins Rateteam einfügen konnte sich bislang der bayerische Kabarettist Michael Mittermeier. Er fühlte sich gleich bei seinem ersten Auftritt im Frühjahr 2006 so pudelwohl, dass er im Herbst erneut extra nach Wien reiste, um ein zweites Mal mit von der Partie zu sein. Als besonderen und spezifisch österreichischen Vorzug von »Was gibt es Neues?« im Vergleich zum deutschen »Genial daneben« lockten ihn, wie er begeistert erzählt, die großen Freiheiten, die er als Komiker in »diesem verrückten Team« genieße, »dem es ja viel mehr darum geht, eine Gaudi zu haben, als unbedingt auf die richtigen Antworten draufzukommen«.

Neben der unerlässlichen funktionellen Homogenität des Rateteams ist auch die Vielfalt des vertretenen Humors bei der Zusammenstellung ein wesentliches Kriterium. Jeder Zuschauer soll die Möglichkeit haben, seine »Lieblinge« zu finden: jene Ratefüchse, deren Witz inhaltlich oder stilistisch am ehesten den eigenen Geschmack treffen. Unvermeidlich ist der Umkehrschluss: Jeder Zuschauer ist der festen Überzeugung, dass auf die humoristischen Beiträge des einen oder anderen Rateteam-Mitglieds jederzeit verlustfrei verzichtet werden könnte. Mehr noch: Unhöflichkeiten wie »Wann feuern Sie endlich die völlig unlustige XY« oder »Wenn Herr XY weiter mitmachen darf, schauen wir nie wieder zu« landen in unschöner Regelmäßigkeit im »Was gibt es Neues?«-Posteingang oder beim ORF-Kundendienst. Das Schöne daran: Solche Rückmeldungen betreffen alle. Jeder hat seine Fans und seine – freundlich formuliert – tendenziell eher negativ eingestellten Zuschauer. Wirklich jeder? Zugegebenermaßen gibt es eine Ausnahme: Michael Niavarani. Den mag nun wirklich niemand. Nämlich dann, wenn er nicht im Rateteam sitzt.

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Michael Niavarani betreffen tatsächlich die mit Abstand meisten Beschwerden. Und zwar ausschließlich darüber, dass er nicht mit verlässlicher Regelmäßigkeit jede Woche mit von der Partie ist. Leider hat der gute Mann als gefragter Schauspieler, erfolgreicher Kabarettist, Bestseller-Autor, »Simpl«-Chef und ehemaliger Intendant der »Festspiele Berndorf« jede Menge anderer zeitraubender Verpflichtungen, die es ihm nicht erlauben, bei jeder Sendungsaufzeichnung dabei zu sein. Ansonsten aber ist er, so scheint es, über jede Kritik erhaben. Ein ratloser Blick oder ein Seufzen genügen – schon hat der körperbehaarte Perser mit der Komik im kleinen Finger die Lacher auf seiner Seite. Niavarani wird nämlich nicht nur fallweise von Thalia, der Muse der Komödie, geküsst, er pflegt mit ihr ganz offensichtlich seit seiner Jugend ein inniges Verhältnis. Oder er erpresst sie erfolgreich mit kompromittierenden Fotos.

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Viktor Gernot ist nicht nur Nias Freund und Kabarettpartner, sondern vor allem der verlässlichste Flügelspieler, den sich ein Rateteam nur wünschen kann. Neben seinem schnellen Witz, seinem Esprit und seiner Selbstironie hat der Musiker, Entertainer und Kabarettist vor allem ein genaues Gespür dafür, wann die Stimmung in Gefahr gerät. Nicht erst einmal hat er einem Kollegen, der sich heillos in seinen Erklärungsversuchen verrannt hatte, mit einer Pointe im richtigen Moment aus der drohenden Bredouille geholfen. Ein Teamspieler, wie er im Buche steht. Außerdem verfügt er über das bewundernswerte Talent, das »Ding der Woche« oft innerhalb weniger Sekunden farblich und materiell analysieren und nach versteckten Inschriften untersuchen zu können. Zum Entziffern fehlt ihm allerdings zumeist die Lesebrille.

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Klaus Eberhartinger ist ebenfalls seit der ersten Sendung Stammspieler bei »Was gibt es Neues?«. Vorübergehend auf Pause geht diese als Frontman der legendären Austropop-Band »Erste Allgemeine Verunsicherung« berühmt gewordene geniale Kreuzung aus Spaßvogel und Rampensau nur, wenn sie mal eben die »Dancing Stars« gewinnen oder moderieren muss. Mit seinen zumeist ansatzlos aus der Hüfte geschossenen Antworten macht er einem alten »EAV«-Motto regelmäßig alle Ehre: »Kann denn Schwachsinn Sünde sein?«.

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Eva Marold bereichert die Sendung seit Anbeginn mit einem trockenen Schmäh, der selbst hartgesottenen Humorschaffenden bisweilen den Atem stocken lässt. Hat sie das jetzt wirklich gesagt? Da merkt man die biologische burgenländische Bodenhaltung, der die erfolgreiche Musical-Darstellerin entwachsen ist. Mit ihrer umwerfenden Stimme und einem erfrischenden Schalk im Nacken macht sie auch als Solokabarettistin, Romanautorin (»Zu wahr, um schön zu sein«) und zuletzt sogar als Schlagersängerin Furore. Für »Was gibt es Neues?« aber lautet das Motto »Hauptsache Humor«. Und in dieser Hinsicht hat sie es wahrlich faustdick hinter den Ohren. Nachdem sie auf der Suche nach der Bedeutung eines Fachbegriffs anfänglich des Öfteren auf einen merkwürdigen Tiernamen getippt hatte, gilt für sie bei »Was gibt es Neues?« bis heute ein absolutes »Fisch«-Verbot. Der »französische Grunzer« war und bleibt eine Ausnahme, liebe Eva!

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Gerold Rudle zählt ebenso zum Rateteam der ersten Stunde wie sein langjähriger Bühnen-Kompagnon Herbert Steinböck. Der Startschuss für »Was gibt es Neues?« fiel 2004 zusammen mit dem Schlussstrich unter das erfolgreiche Kapitel »Steinböck & Rudle«. Als Duo hatten die beiden sympathischen Schauspieler die heimische Kleinkunstszene zwölf Jahre lang mit schrägem Sketch-Kabarett der besonders hochwertig-verspielten Sorte versorgt. Das 30-jährige Bestandsjubiläum ihrer künstlerischen Geburtsstätte namens »Kabarett Niedermair« nahmen sie vergangenen Herbst zum Anlass, die besten Nummern von früher zu revitalisieren. Ein Comeback? Wer weiß. Falls ihnen zwischen ihren jeweiligen aktuellen Projekten (u. a. »Weinzettl & Rudle«, »Steinböck & Strobl«) genug Zeit bleibt.

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Andreas Vitásek komplettiert die Riege jener Ratefüchse, die bereits seit der ersten Staffel im Herbst 2004 regelmäßig etwas für ihre persönliche Wortschatzerweiterung tun. Bei Vitásek ist dieser Lerneffekt aber keine Einbahnstraße. Er sorgt seinerseits bisweilen auch für Wortschatzerweiterungen beim Publikum. Womit wir schon wieder beim »französischen Grunzer« wären*. Für einen Künstler, der vor über 30 Jahren ursprünglich von der clownesken pantomimischen Komik kam, hat sich Vitásek mit beachtlicher Wortgewandtheit und subtiler Satire fest im Spitzenfeld des heimischen Humors verankert. In seinen poetisch-gewitzten, satirisch-bissigen und manchmal fast schon märchenhaft-berührenden Soloprogrammen beweist er stets eine Vorliebe und ein besonders feines Gespür für surreale Situationen und merkwürdige Mitmenschen. Kein Wunder, dass er sich bei «Was gibt es Neues?« so wohlfühlt.

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Uli Beimpolds Weg zu »Was gibt es Neues?« verlief völlig schnörkellos. Wer am Burgtheater eine überdimensionale Birne spielt und fürs Kino ein »Schweinchen namens Babe« synchronisiert, qualifiziert sich nämlich direkt fürs Rateteam. Das steht bestimmt irgendwo in den Statuten der Sendung. Die bei Theater, Film und Fernsehen begehrte Schauspielerin bemüht sich seither redlich, ihrer Haarfarbe alle Ehre zu machen. Erstaunlicherweise hat ausgerechnet sie, die so lustig auf allen Leitungen stehen kann, die meisten Fragen bisher richtig beantwortet. Gefühlsmäßig. Mitzählen kann vor Lachen eh keiner.

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Lukas Resetarits ist der Alt- und Großmeister des zeitgenössischen österreichischen Kabaretts. Im Team von »Was gibt es Neues?« ist er aber eher der Benjamin. Erst im Februar 2011 nahm er das erste Mal hinter dem geschwungenen Tisch des Rateteams Platz. Dabei wäre er schon von Anfang an ein willkommener Gast gewesen. Doch da gönnte er sich das wohlerworbene Recht des Älteren, erst einmal abzuwarten, wie sich die Sendung entwickelt. Offenbar tat sie das zu seinem Wohlgefallen. Wenn er das Rateteam nun mit seinem facettenreichen und fundierten Witz und Wissen unterstützt, hat es die Redaktion gar nicht so leicht, Fragen und Fachbegriffe auszuwählen, auf die der lebenserfahrene und auch sonst nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommene Hobby-Mediziner, Freizeit-Pilot und leidenschaftliche Zoologe nicht prompt die richtige Antwort parat hat.

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Thomas Maurer ist für die Redaktion auch so ein unangenehm rundum beschlagener Besserwisser. Der scharfsinnige Politsatiriker verfügt nicht nur über ein geradezu lexikalisches Literatur- und Geschichtswissen, er hat überdies die beneidenswerte Fähigkeit, logisch und analytisch kombinieren zu können. Die genügt ja oft schon, um richtigen Antworten auf die Spur zu kommen. Gepaart mit einem gehörigen Schuss Nonsens, ist sie auf alle Fälle die beste Voraussetzung, um auf Antworten von niveauvoller Bodenlosigkeit zu kommen, die sonst niemandem einfallen würden. Dass er sich über seine eigenen gelungenen Pointen unübersehbar diebisch freuen kann, macht ihn dann wieder sympathisch menschlich.

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Florian Scheuba zählt zweifellos zu den gescheitesten satirischen Kolumnisten des Landes. Außerdem ist er – wie auch Thomas Maurer – ein aktiver »Staatskünstler« und – wie auch Viktor Gernot – Mitglied i. R. des einst als Schülerkabarett gegründeten Quartetts »Die Hektiker«. Als Autor und Bühnenkünstler kombiniert er seine seit frühester Jugend sorgsam gehegte rotznasige Frechheit mit seinem unbeugsamen Engagement zu aufrechtem und enthüllendem Gesellschafts- und Politkabarett. Vom Wesen her ist er einer, der bei einer Glöckerlpartie nicht etwa rasch davonrennt, um nicht erwischt zu werden, sondern sich zur Verdopplung des Spaßes stellen lässt, um sich dann souverän herauszureden. Ein Scheuba lässt sich nämlich nichts gefallen. Selbst dann nicht, wenn er es vielleicht verdient hätte.

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Susanne Pöchacker wollte schon immer auf die Kabarettbühne. Darum hat sie sich auch an der Universität der vielleicht langweiligsten Stadt Mitteleuropas (Hannover) zur Diplomphysikerin ausbilden lassen und arbeitet seither als Unternehmens-Coach. Logisch. Der ORF wurde trotzdem erst auf ihr komödiantisches Talent aufmerksam, als sie 2005 an der theatersportlichen TV-Improvisationsshow »Die Frischlinge« teilnahm. Ins Team von »Was gibt es Neues?« war es dann nur noch ein Katzensprung. Mit ihrer schrägen Bühnenfigur »Grete, die Rakete« gewann sie kurz darauf den Newcomer-Wettbewerb »Grazer Kleinkunstvogel«. Jetzt muss die Spaßmacherin aus Scheibbs nur noch lernen, Goodies sicher zu fangen. In diesem Punkt ist sie nämlich eine Gefahr für sich und andere.

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Monica Weinzettl kann es sich bisweilen auch nicht verkneifen, die öffentlich-rechtlichen Begegnungen mit ihrem Gatten und Kabarett-Partner Gerold Rudle für partnerschaftlich pointierte Neckereien zu nutzen. Den meisten Fernsehzuschauern ist die gelernte Ernährungs- und Fitnesstrainerin als extrem blonde Vorzimmerdame »Frau Knackal« in der Dorfer/Düringer-Sitcom »MA 24/12« unvergesslich. Derzeit beschäftigt sich die vielseitige Künstlerin neben ihren zahllosen Auftritten hauptsächlich mit extravagant-verspielten Möbelrestaurationen. 2006 wurde Weinzettl für ihr bislang einziges, ziemlich schizophrenes Soloprogramm »Knackal lebt« im Rahmen der Ybbsiade die Auszeichnung »Spaßvogel« verliehen. Und diesem Ehrentitel wird sie mit einer Extraportion Selbstironie seit 2007 auch bei »Was gibt es Neues?« gerecht.

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Katharina Straßer bildet mit Thomas Stipsits neben Weinzettl/Rudle das zweite Pärchen bei »Was gibt es Neues?«. Nachdem sie bereits 2007 im zarten Alter von 23 mit dem Nachwuchs-»Nestroy« ausgezeichnet worden war und Volksopern-Fans als »Eliza« in »My fair Lady« unvergessliche Erinnerungen beschert hatte, stieß die Tiroler Schauspielerin 2012 zum Rateteam. Jung, fesch, fröhlich – und ganz schön frech. Das bewies sie gleich in ihrer ersten Sendung, als sie Oliver Baier auf seine freundliche Frage »Wolltest du etwas sagen oder mich nur anlächeln?« trocken entgegnete: »Weder noch, eigentlich.«

Thomas Stipsits stieß auch erst vor wenigen Jahren – 2010 – zu der lustigen Rätselrunde. Dem stets erfrischend unbekümmert und ungekünstelt wirkenden Stinatzer Kabarettisten ist es mit fünf Soloprogrammen in nur zehn Jahren gelungen, sich aus dem Nichts ins Spitzenfeld des heimischen Kabaretts zu katapultieren. Der größte Erfolg gelang ihm im Duo mit Manuel Rubey: »Triest« wurde 2012 mit dem »Österreichischen Kabarettpreis« ausgezeichnet. Seiner Vorliebe für bunt gemusterte Hemden kommt die Kostüm-Abteilung des ORF mit fallweise fast schon übertriebenem Engagement entgegen.

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Andreas Steppan hat sich mit der »Do it yourself«-Serie »Selfman« als Hand- und Heimwerker in das kollektive Bewusstsein all jener Österreicher eingebrannt, die bereits in den 90ern des Fernsehens mächtig waren. In Deutschland wird der smarte Entertainer interessanterweise ausschließlich mit einer bestimmten Sorte Knabbernüsse assoziiert, für die er acht Jahre lang im TV warb. Die Bühnenkarriere des Sängers, Schauspielers und Kabarettisten begann – nach dem Rausschmiss aus dem Max-Reinhardt-Seminar – mit einer Parodie auf Sammy Davis Jr. in der ORF-Talente-Show »Die große Chance«. In »Was gibt es Neues?« versteht er es als Gentleman des Rateteams glänzend, seinen spitzbübischen Charme und entwaffnenden Humor gezielt einzusetzen. Ganz besonders, wenn er wieder einmal treu- und offenherzig eingesteht: »Ich habe nicht die geringste Ahnung.«

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Günther Lainer.