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Erwin F. Lindenau

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Österreich zum Totlachen

Erwin F. Lindenau

Österreich
zum Totlachen

Geschichte in Witzen

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© 2008 by Amalthea Signum Verlag, Wien

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Kurt Hamtil, verlagsbüro wien

Umschlagbild und Karikaturen: Markus Szyszkowitz

Herstellung und Satz: VerlagsService Dr. Helmut Neuberger

& Karl Schaumann GmbH, Heimstetten

Gesetzt aus der 10,5/13,32 Punkt New Caledonia

Druck und Binden: CPI Moravia Books GmbH

Printed in the EU

ISBN 978-3-85002-643-7

eISBN 978-3-902998-38-5

Inhalt

Vorwort

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Das Ende einer langen, bewegten Ära …

oder 90 Jahre Ende der Monarchie

Allerhöchste Herrschaften

Adel verpflichtet

Das Ende

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Das Tausendjährige Reich beginnt …

oder 70 Jahre Ende der Ersten Republik

Erste Schatten

A Strapaz

Sieg in der Tasche

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Was daraus geworden ist …

oder die Jahre nach 1945

Die Vier im Jeep

Schwimmen lernen

Polit-Tohuwabohu

Vorwort

Zu den Gedenkjahren 1918, 1938 und 1945 gibt es ungezählte akribisch recherchierte Arbeiten. Hier wird eine ausschließlich humoristische Betrachtungsweise vorgelegt, wenngleich diese Epochen nicht immer nur heiter waren.

Dieses Buch soll den Älteren zur Erinnerung und den Jüngeren zum Verständnis dieser Zeit dienen. Es enthält also Bekanntes, Unbekanntes und Vergessenes. Wenn Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, auf Bekanntes stoßen, machen Sie es wie ich: So wie ich mich freue, wenn ich auf der Straße einen alten Bekannten treffe, so freue ich mich, wenn ich alte Witze und Anekdoten lese oder höre.

Beim Kapitel über die Ära der Monarchie war mir daran gelegen, niemanden als dumm hinzustellen. Belastend in dieser Zeit war sicher die strenge Zensur. Im Kapitel über das »Tausendjährige Reich« ist zu bedenken, dass diese Witze ein Ventil – fallweise an der Grenze zum Humor – darstellten und es überaus gefährlich war, diese weiterzuerzählen. Die Verbreitung sogenannter »Flüsterwitze« endete oft mit Gefängnisstrafen, in einem Fall sogar mit der Vollstreckung eines Todesurteils, weil man Pauspapier mit solchen Witzen fand.

Gute Zeiten sind schlechte Zeiten für Humor und umgekehrt sind schlechte Zeiten gute Zeiten für Witze. Als Beweis dafür möge gelten, dass die letzten Papierzuteilungen vor dem Kriegsende und die ersten Papierzuteilungen nach dem Krieg für Witzebücher gewährt wurden.

Ich selbst fühlte mich – abgesehen von Hunger und Mangel zum Ende des Tausendjährigen Reiches und nach dem Krieg – besonders beim Grüßen als Opfer: Kam ich aus dem Bezirksort aufs Land und grüßte, wie ich es in der Schule gelernt hatte, mit »Heil Hitler!«, kam der Gegrüßte auf mich zu und schlug mir ins Gesicht mit der Bemerkung: »Das heißt ›Grüß Gott!‹« Zurück im Bezirksort grüßte ich höflich »Grüß Gott!« und kassierte wieder eine Tachtel mit der Feststellung: »Das heißt ›Heil Hitler!‹« Als acht-, neunjähriger Bub war ich sehr verunsichert … Auch der Anlass für den Beginn meiner Witzesammlung war nicht gerade heiter. Wir hatten als Flüchtlingskinder immer Hunger und vertrieben uns den Hunger mit Witzeerzählen. Daraus wurde in mehr als sechs Jahrzehnten eine Sammlung mit neun Eintragungen im »Guinnessbuch der Rekorde«. Inzwischen umfasst meine Sammlung 1,66 Millionen Witze, Anekdoten und Sprüche. Auf mein Archiv habe ich 7225 Zugriffsmöglichkeiten, 9999 Witze habe ich im Kopf.

Humor ist bei mir zu einer Lebenshaltung geworden. Meine Frau und ich lachen auch noch nach unserer goldenen Hochzeit täglich mindestens ein Dutzend Mal und haben uns eine positive, aber realistische Lebenseinstellung erhalten.

Viel Spaß beim Lesen!

Ihr
Erwin F. Lindenau

Das Ende einer langen,
bewegten Ära

oder 90 Jahre Ende der Monarchie

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Allerhöchste Herrschaften

Dank

Die allerhöchsten Herrschaften begaben sich in die Kirche, um dem Höchsten zu danken.

Teuer

Kriege kosten viel: dem Fürsten die Macht, dem Kaufmann das Geld und dem Bauern das Leben.

Aber mein Vater

Der König winkt seinen Untertanen vom Palast aus zu. Da erblickt er einen Bettler in schmutzigen Fetzen, doch von unverkennbar königlicher Gestalt. Er lässt ihn herbeiholen, und die Menge staunt über die auffallende Ähnlichkeit der beiden. Der König aber schmunzelt wissend: Sein Vater war, was Frauen anbetraf, kein Kostverächter gewesen.

»Sag mir, mein Freund«, wendet er sich an den Mann, »hat deine Mutter vielleicht im Palast gedient?«

»Nein, Majestät«, antwortet der Bettler, »aber mein Vater.«

Wie du mir

Eine Geliebte des Kaisers bat eines Tages den Kaiser um Gnade für einen zum Tode verurteilten Edelmanne. »Ich werde mit meinem Minister darüber sprechen«, erwiderte der Monarch. Es vergingen einige Tage, da wünschte der Herrscher seine Schöne zu besuchen und fragte an, wann er kommen könne.

Sie aber antwortete ihm nur: »Ich werde mit meiner Kammerfrau darüber sprechen.« Der Kaiser verstand und dem Edelmann wurde das Leben geschenkt.

Entschuldigung

Der Hofnarr trifft den König an, wie dieser sich über ein Becken neigt, um sich das Gesicht zu waschen. Der Hofnarr schlägt mit der flachen Hand kräftig auf die rundliche Partie der königlichen Anatomie.

Der Herrscher nimmt die Sache krumm, doch er ist unter einer Bedingung bereit zu verzeihen: Der Hofnarr soll eine Entschuldigung vorbringen, die noch schmählicher ist als die Beleidigung.

Der Hofnarr denkt einen Augenblick nach und sagt dann: »Der König möge mir verzeihen. Ich dachte, es sei die Königin.«

Austria nube

Die österreichische Devise war: »Bella gerant alii, tu felix Austria nube.« Das heißt, wenn schon etwas Dummes geschehen muss, so ist es immer noch besser zu heiraten, als einen Krieg zu führen.

Nicht ganz freigesprochen

Kaiserin Maria Theresia setzte neben den Namen einer ihrer Hofdamen, die nicht ganz vorwurfsfrei war, eine scharfe Bemerkung.

Einflussreiche Freunde der Betroffenen legten sich ins Mittel, und es gelang endlich ihren Bitten, die gutmütige Kaiserin zu bewegen, den Tadel wieder auszulöschen. Ungern ließ sich die Kaiserin dazu bewegen. »Aber ich will es so tun«, meinte sie, »dass man sieht, dass da radiert worden ist.«

Männerwelt

»Ihr Mannsbilder«, sagte Maria Theresia einmal bei Tisch mit lächelndem Kopfschütteln, »seids ein narrisches Volk. Ihr betet uns an wegen unserer Tugend – und wenn wir sie behalten wollen, seids ihr bös!«

Kupferstich

Der Gemahl Maria Theresias verehrte eine junge Schauspielerin des Burgtheaters. Franz I. ließ auf seine Kosten einen Kupferstich von ihr machen, der sehr teuer war.

Als die Kaiserin davon erfuhr, sagte sie bedauernd zu ihrem Gatten: »Glaub mir, Franzl, ’s Original von dem talkerten Kupferstich hättest billiger kriegt.«

Esprit

Gräfin R., die geistvolle Tochter eines reichen Kaufmannes, die durch die Verheiratung mit dem Grafen R. Gräfin und damit gesellschaftsfähig geworden war, wurde bei Hofe maliziös gefragt: »Womit handelte Ihr Vater, Frau Gräfin?«

»Mit Verstand!«, antwortete sie rasch.

»Richtig!«, fügte der Kaiser, der das Gespräch gehört hatte, hinzu.

»Und seine Tochter setzt das Geschäft mit Glück fort.«

Beschwerde

Eine resolute Wienerin ließ sich bei Joseph II. zur Audienz melden. Grund: ihr Mann. Sie nannte ihn einen Knicker, Tagedieb und hundsgemeinen Falotten. Der Kaiser hörte sich das Geschimpfe eine Weile an. Dann winkte er ab: »Was ihr Eheleut miteinander habt, geht mich als Kaiser nichts an.«

»So«, begehrt die Frau auf. »Was aber sagen Euer Majestät dazu, dass der gottlose Lump auch über Euer Majestät geheiligte Person sein Maul ausleert?«

Der Kaiser lächelte. »Was Ihr Mann und ich miteinander haben, liebe Frau, das geht wiederum Sie nichts an!«

Unschuldig

Kaiser Joseph besuchte ein Zuchthaus. Jeder der Insassen beteuerte auf Befragen seine Unschuld. Endlich kam der Kaiser zum Letzten.

»Nun, du bist natürlich auch unschuldig?«

»Nein, Majestät«, entgegnete der, »es ist mir ganz recht geschehen. Ich habe gestohlen und wurde dafür bestraft!« »So?«, erwiderte der Kaiser, »was willst du Spitzbube denn hier in Gesellschaft von lauter ehrlichen Leuten – gleich machst du, dass du hinauskommst!«

Die Schmähschrift

Kaiser Joseph II. hatte sich durch seine Lauterkeit und Gerechtigkeit gegen jedermann nicht nur viele Freunde, sondern auch manchen erbitterten Feind geschaffen. So erschien eines Tages eine an Unwahrheiten reiche, äußerst gehässige Schmähschrift gegen ihn, die er natürlich auch zu Gesicht bekam. Der Verfasser wurde in der Person eines wenig bekannten Wiener Schriftstellers ausfindig gemacht und zum Kaiser befohlen. Inzwischen hatte sich Joseph II. auch über die näheren Verhältnisse seines Gegners erkundigt und erfahren, dass dieser mit Frau und Kindern in bitterster Not lebte und die Schmähschrift nur im Auftrag anderer gegen Bezahlung geschrieben hatte.

Zitternd erschien der Schriftsteller vor dem Monarchen. Joseph II. aber nahm ein Bündel Federkiele von seinem Schreibtisch, schlug sie in einen Bogen Papier ein und reichte sie dem Manne hin. »Eure Federn, lieber Freund, sind zu spitz – hier habt Ihr andere!«

Ohne ein Wort war der Schriftsteller entlassen. Zu Hause angekommen, entdeckte er, dass das Einschlagpapier ein Dekret des Kaisers über eine monatliche Rente von 300 Gulden war.

Unter sich

Kaiser Joseph II., der Sohn Maria Theresias, gab den Augarten, der bis dahin nur den Mitgliedern der Hofgesellschaft zugänglich gewesen war, dem Volk zur allgemeinen Benützung frei. Dieses Geschenk des Monarchen erregte das Entzücken aller Wiener, ausgenommen der Aristokratie, die diese Verfügung äußerst missfällig aufnahm und stark bekrittelte.

Eines Tages beklagte sich einer der hochmögenden Herren beim Kaiser über dessen Anordnung und meinte, nun gebe es in ganz Wien überhaupt kein Plätzchen mehr, wo man ungestört unter sich sein könne.

Joseph sagte lächelnd: »Was soll ich denn machen, wenn ich immer unter meinesgleichen sein wollt? Ich müsst meine Tage in der Kapuzinergruft verbringen!«

Eier für den Kaiser

Kaiser Joseph II. ging gern in Wien spazieren, um Studien im Volke zu machen. Einst wollte er auf dem Markt zwei Eier kaufen und fragte nach dem Preis.

»Zwa Gulden«, sagte eine Ahnfrau der Sopherl.

»Sie ist wohl verrückt«, meinte der Kaiser, »sind denn die Eier hier so selten?«

»Eier net, aber die Kaiser«, war die lakonische Antwort.

Adelstitelverkauf

Joseph II. sagte zu Casanova: »Ich verachte alle Leute, die sich einen Adelstitel kaufen.«

Der große Abenteurer antwortete spöttisch: »Und wie steht’s mit denen, die sie verkaufen, Majestät?«

Zerbrechlich

Als Papst Pius VI. in Wien war, besah er auch mit dem Kaiser Joseph II. die Schatzkammer, in welcher unter anderem eine schöne Schale, aus einem kostbaren Stein geschnitten, aufbewahrt wurde. Der Papst äußerte den Wunsch, diese Schale zum Geschenk zu erhalten, aber der Kaiser sagte sehr unbefangen: »Lassen wir’s stehen, wir sind ungeschickte Leute und möchten’s gar zerbrechen.«

Kindesliebe

Ein Bauer im Österreichischen sollte seinem Amtmann binnen 24 Stunden sechzehn Taler bezahlen oder gepfändet und ins Gefängnis geworfen werden. Es war ihm unmöglich, und der Amtmann blieb unerbittlich. Der Sohn des Bauern, ein Soldat, der eben bei ihm auf Urlaub war, beschloss, seinen Vater zu retten.

»Hört Vater«, sagte er, »einer von meinen Kameraden will heute Abend desertieren. Zeigt es dem Schulzen an und Ihr erhaltet drei Louis d’or.« Der arme Mann verwarf diesen Vorschlag, aber sein Sohn stellte ihm vor, dass es erlaubt, ja Pflicht sei und auch der Huldigungseid es von ihm erheische. Der Vater gab nach, erhielt das Geld und befriedigte den Amtmann.

Der Sohn verbarg sich am Abend an dem bestimmten Ort, wurde ergriffen, zum Regiment abgeliefert und zum Gassenlaufen verurteilt. Standhaft ertrug er die Schmerzen und am Ende rief er aus: »Gottlob! Nun ist’s vorüber, mein Vater ist frei!« Dies hörte der Oberste, meldete es dem Kaiser Joseph II. und dieser machte den edelmütigen Sohn zum Leutnant.

Schlaflos

Dem Kaiser Leopold, als er noch Großherzog von Toskana war, wurde eines Abends, als er eben im Begriff war, sich zur Ruhe zu begeben, angezeigt, es habe sich erwiesen, dass ein vor einigen Tagen Verhafteter ganz schuldlos sei.

»So muss er morgen früh auf freien Fuß gesetzt werden!«, sagte Leopold zu demjenigen, der ihm diese Meldung gemacht hatte. Er ging hierauf zu Bette; aber der Gedanke, dass ein Unschuldiger noch eine Nacht über sein Schicksal in unruhiger Ungewissheit schweben sollte, hinderte ihn am Schlaf. Mitten in der Nacht stand er auf und fertigte den Befehl aus, den Gefangenen sofort aus seiner Haft zu entlassen.

Ohne Protektion

Metternich war bei Kaiser Franz zum Vortrag. Eintönig plätscherte die geglättete Rede, hie und da nickte der Kaiser, warf ein kurzes Wort ein, hörte wieder aufmerksam zu. Die Stille emsiger Beamtenarbeit lag über dem Arbeitszimmer, der Burg, ganz Wien – der ganzen weiten Monarchie: »Alles für das Volk, nichts durch das Volk …«

Plötzlich wüster Lärm im Burghof, Geschrei, Gestampfe, Peitschengeknall. Und als die beiden Gewaltigen ans Fenster traten, sahen sie drunten einen Ochsen, der sich losgerissen hatte und frei, fessellos umherjagte, kreuz und quer, aus einer Ecke in die andere.

Kaiser Franz kehrte sich nach Metternich um, verzog das strenge, hagere Gesicht zu einem spöttischen Lächeln: »Das erste Rindvieh, das ohne Protektion da hereinkommt!«

Der Trottel

Ein Gesuchsteller war bereits zum vierten Mal bei Franz I. von Österreich in Audienz erschienen, immer mit dem gleichen Anliegen. Viermal hatte der Kaiser ›Nein‹ gesagt.

Als der Mann diesmal den Saal verlassen hatte, meinte der Kaiser zu seinem Adjutanten: »Sie werden’s sehen: Der Trottel setzt’s durch.«

Gern geschehen

Am 2. Dezember 1848 legte Kaiser Ferdinand die Krone zugunsten seines Neffen Franz Joseph nieder. Es war ein sehr förmlicher und feierlicher Akt. Als aber Franz Joseph auf seinen Onkel zuschritt und ihm mit starker Rührung für den Entschluss dankte, wurde er von ihm mit den Worten beschwichtigt: »Na, na, lass’s gehen, Franzl! ’S is gern g’schehn.«

Keine Untersuchung

Auf einer Jagd wurde Kaiser Ferdinand von einem verirrten Schrotschuss gestreift. Sofort rief er seinen Begleitern zu: »Es darf nicht untersucht werden, woher der Schuss gekommen ist!«

Erstaunen

Als man dem Kaiser Ferdinand den Ausbruch der Wiener Volksrevolution meldete, fragte er ganz erstaunt: »Ja, derfen s’ denn dös?«

Kompliment

Kaiser Ferdinand liebte, wie viele Habsburger, sehr die Musik. Als ihm einmal der sehr eitle und stutzerhafte Leopold von Meyer eines seiner süßlichen »Akazienstückerln« vorgespielt hatte, sprach der Kaiser den Künstler an: »Sehn S’, mei lieber Meyer, ich hab den Thalberg ghört«, Meyer verbeugte sich tief, »ich hab den Liszt ghört«, Meyer verbeugt sich noch tiefer, »aber so g’schwitzt wie Sie hat kaaner.«

Zusammengebracht

Kaiser Ferdinand, der im Ausgedinge auf dem Prager Hradschin wohnte, sagte, als er von der Niederlage bei Königgrätz erfuhr, nach einigem Nachdenken: »Das hätt ich auch zam’bracht.«

Tapfer

Aus den Tagen der Niederlage bei Königgrätz stammt der Ausspruch: »Grennt san ma, dass die Tapferkeitsmedaillen g’scheppert ham.«

Schmutzige Hände

Als Franz Joseph elf Jahre alt war, unternahm seine Mutter mit ihm einen sommerlichen Spaziergang am Attersee. Beim Besuch des Pfarrers war der gerade in seinem Garten beschäftigt. Franz Joseph ging auf den alten Herrn zu und wollte ihm die Hand reichen.

Der Pfarrer meinte abwehrend: »Verzeihen Kaiserliche Hoheit, aber meine Hand ist vom Pflanzenstecken schmutzig.«

Der Bub steckte seine Hände in weiche Gartenerde und streckte sie dann dem Pfarrer entgegen: »So, Hochwürden, jetzt ist auch meine Hand schmutzig, und da können wir uns ruhig die Hand geben.«

Viribus unitis

Der Wahlspruch des jungen Kaisers lautete: »Viribus unitis!« Aber die Vereinigung der auseinanderstrebenden Kräfte der Donaumonarchie war eine schwierige Aufgabe.

Zwar wurde Franz Joseph bei seinem ersten Besuch in Ungarn im Jahre 1852 überraschend freundlich empfangen, aber als der alte Metternich in seinem Londoner Exil davon erfuhr, kommentierte er skeptisch: »Ungarn ist leicht zu enthusiasmieren, aber schwer zu regieren …«

Junger Kaiser

Als der achtzehnjährige Kaiser Franz Joseph, dem sein Onkel Kaiser Ferdinand in Olmütz die Regierung mit den Worten »Brav sein, Franzl« übergeben hatte, in Prag die Hofkalesche bestieg, sagte eine Frau im Spalier der Neugierigen zu ihrem hoch aufgeschossenen Sohn: »Da, nimm dir ein Beispiel, der ist mit achtzehn Jahren schon Kaiser und du liegst mit zwanzig deiner Mutter noch immer auf der Tasche.«

Ein- und ausstehen

Als Unger Minister war, äußerte Kaiser Franz Joseph in einem Gespräch mit ihm Kritik an dem geringen Zusammenhalt im Kabinett.

»Majestät«, erwiderte Unger, »wie sollen wir füreinander einstehen, wenn wir einander nicht ausstehen können?«

Weg der Verfassung

Unger zugeschrieben wird auch: »In Österreich wird auf dem Weg der Verfassung die Verfassung aus dem Weg geräumt.«

Der Leibarzt

Jeden Morgen, den Gott werden ließ, erschien der Leibarzt Hofrat Kerzl beim Kaiser Franz Joseph. Die beiden alten Herren rauchten ein bisschen und plauderten ein bisschen, und nach einer Weile empfahl sich Kerzl. Es gab aber auch Ausnahmen.

Das waren Tage, an denen Franz Joseph I. seinen Kammerdiener anknurrte: »Der Kerzl soll mich heute in Ruh lassen. Ich fühl mich net wohl.«

Geld für Brücke

Wieder einmal wurde vom Kaiser nach langem Amtsweg das Geld für eine Brücke in Bosnien bewilligt.

Der Hofkämmerer dachte sich: »Ohne meine Befürwortung wäre das Geld nie bewilligt worden«, und nahm sich zehn Prozent. Der referierende Hofrat dachte sich Ähnliches und nahm seinen Anteil. Dasselbe tat der beauftragte Offizier und natürlich auch der Architekt.

Als dem Bürgermeister in Bosnien das Geld überbracht wurde, sagte dieser: »Mit dem Geld kann man keine Brücke bauen« und steckte das Geld in seine Brieftasche …

Piefke

Der österreichische Kaiser war beim Deutschen Kaiser zu Gast. Gemeinsam nahmen sie eine Truppenparade ab. Die war preußisch zackig. Ein etwas kleingeratener Offizier schritt voran, der noch zackiger als alle zackigen Preußen marschierte.