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Benedikt Felsinger O.Praem.

Für Leib und Seele

Benedikt Felsinger O.Praem.

Für Leib
und Seele

Tipps vom Kräuterpfarrer

Mit 78 Aquarellen
von Adolf Blaim

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Bildnachweis:

Der Verlag dankt Melitta Blaim

Besuchen Sie uns im Internet unter

© 2014 by Amalthea Signum Verlag, Wien

Inhalt

 

Vorwort

1

Ein Spaziergang im Frühling
Mit Ehrfurcht zu Boden schauen

2

Rosmarin hebt das Gemüt …
… macht munter und lebendig

3

Brüderchen und Schwesterchen
Das Lungenkraut tritt vor den Vorhang

4

Pflanzen speichern Mineralien
Sie nützen unserem Organismus

5

Hör auf das Herzklopfen …
… und schau auf das Veilchen

6

Gesunder Magen – frisches Gedächtnis
Auf den Bärlauch keinesfalls vergessen

7

Der Duft der Nacht
Die Nachtkerze lockt viele Besucher an

8

Eine Nessel, die nicht brennt
Die Weiße Taubnessel

9

Die Zeit des Lindenbaums
Fest verwurzelt im Vertrauen

10

Kleiner Freund am Boden
Gänseblümchen helfen dem Kopf

11

Verschenkte Liebe
Die Pflege der Bettlägerigen

12

Kosmetikum von der Böschung
Lupinen geben ihre Schönheit weiter

13

Wunden und Narben …
… erzählen eine Geschichte

14

Alternative und gesunde Ernährung
Der Buchweizen liefert dazu einen Beitrag

15

Eine Auszeichnung pflanzlicher Art
Der Ehrenpreis ist eine heilsame Pflanze

16

Eine Rose am Stock
Dennoch keine Alterserscheinung

17

Frische von innen heraus
Selbst die Schale einer Zitrone nutzen

18

Erröten ist keine Schande
Immerhin sind es Kirschen

19

Straßen werden repariert
Und wer denkt an die Nervenbahnen?

20

Die Herausforderung des Reifens
Im Rhythmus des Lebens die Kamille nutzen

21

Auf der Wiese Ernte halten
Den Rotklee dabei nicht übersehen

22

Sich seelisch wappnen …
… und den Körper stärken

23

Eine gute Atmosphäre herstellen
Mit der Goldmelisse das Herz öffnen

24

Nicht nur schön anzuschauen
Die Eberraute ist durchaus wirkkräftig

25

Diskussion um Pestizide
Umdenken in der Praxis

26

Eine Unsitte anwenden
Natürlichen Kaugummi kauen

27

Eine Pflanze mit Kulturgeschichte
Der Waldmeister blüht, wenn der Kuckuck ruft

28

Die Himbeeren pflücken
Dabei die ganze Pflanze schätzen

29

Schöne Augen machen
Sich ums Sehorgan kümmern

30

Der Hitze gewachsen
Lavendelblüten beruhigen die Nerven

31

Die heimische Konkurrenz des Pfeffers
Unsere Bienen fliegen auf Bohnenkraut

32

Pflanzenmode in Gelb
Der Steinklee liegt da ganz im Trend

33

Auftanken und frisch werden …
… mithilfe der Hainbuche

34

Unangenehmes Aufstoßen bereitet Probleme
Der Heilziest kann dabei helfen

35

Ein Lichtblick lenkt zum Ausweg hin
Im Schwarzkümmel ein Angebot entdecken

36

Ein anhänglicher Korbblütler
Die Große Klette an der Wurzel packen

37

Trotz der schönen Blüten
Die Hauhechel hat dennoch Dornen

38

Feiertage für den Magen
Er muss nicht permanent etwas leisten

39

Am Ufer dahinschlendern …
… und dabei vielleicht das Seifenkraut erspähen

40

Standort mit bester Aussicht
Die Hauswurz erklimmt selbst Dächer

41

Dezenter Gartenschmuck
Der Estragon bringt Würze in den Alltag

42

Schwarze Ribisel, wahre Kraftspender
Früchte und Blätter nutzen

43

Bei Sonne einen Hut aufsetzen …
… und das Immunsystem stärken

44

Ein legales Hanfgewächs
Der Hopfen trägt wieder reiche Frucht

45

Alternative zu Kürbiskernen
Das Kleinblütige Weidenröschen

46

Vielschichtig und kraftvoll
Wieder einmal die Zwiebel verwenden

47

Prominent und viel Verwandtschaft
Die Pfefferminze hilft bei Stress

48

Ein pflanzlicher Blutdruckregler
Das Hirtentäschel hat noch mehr zu bieten

49

Die Mariendistel
Nicht gerade schmeichelnd, aber wirksam

50

Das »Silber des Westens«
Die Krenwurzel hat viel Kraft

51

Am Boden bleiben
Die Käsepappel macht es uns vor

52

Am ganzen Körper behaart
Der Beinwell ist aber kein Macho

53

Steinfrucht und Scheinfrucht
Der Feigenbaum trägt beides in einem

54

Rauf auf die Alm
Den Gelben Enzian entdecken

55

Unbeliebt und trotzdem heilsam
Die Brombeere verschafft sich Respekt

56

Genießen, stärken und heilen
Die heilige Hildegard und der Knoblauch

57

Augenaufschlag auf prächtigen Blüten
Mit Phantasie den Augentrost betrachten

58

Nicht auf die verschriebene Kur warten
Zu den Weintrauben greifen

59

Ein Kloster, ein Kraut und ein Likör
Der Ysop hilft Augen und Rachen

60

Ausprobieren und studieren
Kräutertinkturen selbst herstellen

61

Gefährliche Waffen und gehaltvolle Früchte
Am Sanddorn finden wir beides

62

Selbstüberwindung
Ein Fremdwort oder ein Reizwort?

63

Ein Baum mit Sinn und heilenden Kräften
Am Wegrand steht die Eberesche

64

Duftende Früchte
Die Quitten helfen der Haut

65

Die Fülle des Lebens aufspüren
Mit der Rosskastanie Ausschau halten

66

Was von den Wildrosen übrig bleibt
Rot leuchten Hetscherln im Hag

67

Experimente mit Ingwer
Versuche in mehrere Richtungen

68

Sie dürfen ruhig rot werden
Über den Kontakt mit der Roten Rübe

69

Entsprechungen im Pflanzenreich
Der Baldrian ist eine nervenbezogene Pflanze

70

Weißer Blütenschleier und herb-saure Frucht
Der Schlehdorn hat seinen Wert

71

Heiter in den Winter
Die Lärche erhellt unser Gemüt

72

Ein befreiendes Rosengewächs
Mit dem Weißdorn aufs Herz achten

73

Die Tanne begleitet uns
Ästhetisches und Heilsames

74

Der Durst ist ein Laster …
… muss es aber nicht sein

75

Zur Weihnachtszeit im Trend
Die Mistel als Heilpflanze

76

Ausschau ins ferne Morgenland
Der Zimtbaum und seine Rinde

77

Einen Ausweg aus der Krankheit suchen
Das Heidekraut stärkt den Willen zur Gesundheit

 

Ausklang: Mit dem Hut in der Hand …

 

Die Pflanzenaquarelle des Naturmalers Adolf Blaim

 

Register

 

Hilfe bei gesundheitlichen Beschwerden

 

Rezepte und Anwendungsmöglichkeiten

 

Pflanzenregister

Wichtiger Hinweis: Dieses Buch dient zur Information und Inspiration. Es ersetzt keinesfalls medizinischen Rat oder Behandlung. Bei bestehenden Krankheiten, akuten Schmerzen, körperlichen Beschwerden jeglicher Art und anhaltenden Befindlichkeitsstörungen sollte in jedem Fall eine qualifizierte Fachperson, ein Arzt oder Apotheker aufgesucht werden.

Wenn nicht anders angegeben, sind allgemeine Formulierungen wie z. B. »man« oder »jeder« im Rahmen des vorliegenden Buches immer auf Leserinnen und Leser zu beziehen.

Vorwort

77 – eine mystische Zahl?

Welches Geheimnis hüten Sie gerade, wenn Sie dieses Buch aufschlagen, um darin zu blättern oder gar zu lesen? Es ist manchmal irrsinnig spannend, wenn man etwas für sich behalten soll, was uns aufgrund vorhandener Vertrauenswürdigkeit ins erwartungsvolle Ohr dringen durfte.

Mancher Begriff, der aber nicht im Geringsten mit der Wahrung meiner Diskretion zu tun hat, hängt mir ganz im Gegenteil zu den Ohren raus. Dazu zählt zum Beispiel das »mystische Waldviertel«. Was ist damit eigentlich gemeint? In Zeiten des voranschreitenden Entwurzeltseins aus dem Humusboden christlicher Lebenskultur haben sich ja schon längst wiederum viele dubiose Elfen, Kobolde, Geister und vor allem »Kräfte« in die Köpfe so mancher Gutgläubiger eingeschlichen, die darin auch ihr dementsprechendes Unwesen treiben. Da ist mir mein Heimatland einfach zu lieb und zu teuer, als dass es quasi ein Reservat für oft willkürlich gedeutete Wesen und Energien zu bilden hat, weil die Angesprochenen nirgendwo sonst in Österreich einen Platz fänden. Derart betrachtet, muss und will ich Ihnen gleich eingangs eine Illusion nehmen.

In dem eben angesprochenen Sinne ist es also nicht meine Absicht, mit der Zahl 77 magisch zu spielen. Mich hat eher der Heimatort meines schon verstorbenen Vaters dazu animiert, bei der Anzahl der Pflanzenkapitel eine heilige Doppelzahl für dieses Buch zu wählen. Die Rede ist vom südmährischen Schaffa (tschechisch: Šafov). Der groß angelegte Friedhof am nordwestlichen Rande der Ortschaft zeugt bis heute von dem hohen jüdischen Bevölkerungsanteil dieser Gemeinde. In der mosaischen Sprachführung bedeutet eine Verdoppelung einer Zahl oder eines Begriffes immer eine gewisse Fülle und Vollendung. Die Mathematik spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle.

Blicken wir ganz konkret in das Neue Testament der Bibel hinein, finden wir eine Stelle im Matthäusevangelium, die ebenfalls diese Zahl beinhaltet. Petrus fragt darin Jesus, wie oft er denn seinem Bruder vergeben müsse. Und die Antwort darauf heißt eben: »Nicht siebenmal, sondern sieben- undsiebzigmal« (vgl. Mt 18, 21–22).

Je technisierter bzw. medial bestimmter unsere Welt wird, desto mehr zählt anscheinend das Berechnende. Wer sich aber nur nach Zahlen richtet, der wird über kurz oder lang das Leben verpassen.

Ein Übermaß an Schönheit und heilvoller Kraft begegnet uns in den Pflanzen, die wir Tag für Tag bewusst oder unbewusst wahrnehmen und nützen dürfen. Und täglich erschließt sich uns eine neue Facette an Zuwendungen der Liebe Gottes, die in den wunderbar geschaffenen Pflanzen Gestalt angenommen haben. Die Aufmerksamkeit des Herzens kann daher so manche Sprache, die von einem Heilkraut ausgeht, in eine für den Menschen verständliche übersetzen.

In den zahllosen Gewächsen sind ja nicht nur chemisch entschlüsselbare Wirkstoffe vorhanden. Zudem gibt es die schlichte Tatsache der Existenz und der Präsenz des jeweiligen Krautes, Strauches oder Baumes, die mir etwas sagen können. In dieser Weise betrachte ich meine täglich verfasste Kolumne »Hing’schaut und g’sund g’lebt« in Österreichs auflagenstärkster Tageszeitung, der Kronen Zeitung, fast als ein stets sich erweiterndes Wörterbuch, das mir hilft, den Dialog mit den Heilpflanzen aufzunehmen. 77 dieser Kolumnen wurden für das vor Ihnen liegende Buch ausgewählt und überarbeitet.

Hermann-Josef Weidinger – ein Mystiker?

Kolumnen haben eben ihre Tradition. Wie viel mag da schon lange vor uns geschrieben worden sein? Menschen haben sich mitgeteilt. Haben versucht, ihre Sicht darzustellen. Teilten Gedanken und Meinungen. Ich bin froh, mit dem Schreiben für andere nicht der Erste sein zu müssen. In meinem Auftrag, nun als Kräuterpfarrer sowohl die Beständigkeit des Klosterlebens als auch das Reisen zu den Vorträgen zu vereinen und zugleich das seelsorgliche Wirken nicht zu übersehen, habe ich ein Vorbild, auf das ich durchaus stolz bin. Es ist kein Geringerer als mein ehemaliger Mitbruder und Pfarrer Hermann-Josef Weidinger. Ohne Umschweife zähle ich ihn zu den Mystikern unserer Zeit.

Mag dieser Begriff vielen von uns Heutigen auch fremd sein, so darf doch klargestellt werden, dass es sich hierbei nicht um eine Sonderform psychischer Auffälligkeit oder gar Abnormität handelt, die einer Therapie bedürfte. Ein mystischer Mensch hat einfach eine tiefere Schau in Dinge und Zusammenhänge und erscheint den Außenstehenden allein aufgrund dieser Tatsache entrückt und manchmal vielleicht schwer verständlich. Hermann-Josef Weidinger schaffte es aber, den Verbindungsfaden von seinen Betrachtungen der Schöpfung zu den Lesern und Zuhörern immer zu halten und nie abreißen zu lassen. Und oft konnte er Dinge in Worte fassen, die uns bis heute helfen können, Seelenverfassungen zu begreifen und zu artikulieren.

Hier ein Beispiel: »Es gibt Augenblicke, da fühlt man sich festgefahren. Es geht einfach nicht. Man kommt nicht mehr zurecht. Ertrinkt an einem Tropfen Wasser, stolpert über das eigene Kopfhaar, das zu Boden fiel, scheint auf einem Sonnenstrahl am Pflaster auszurutschen. – Kurz stehen bleiben. Neue Ziele setzen. Dann weitergehen.« Was hier in einem der zahlreichen Bücher Weidingers geschildert ist, kann vielen niedergedrückten Zeitgenossen womöglich eine Hilfe sein, um ganz neue Blickpunkte innerhalb oft beschwerlicher Tage zu entdecken, die gleichsam einen Ausweg aus einem Tunnel, der durch einen Berg an Hoffnungslosigkeit gebaut ist, darstellen. Und vor allem ist da noch die geistige Sensibilität hervorzuheben, die den einstigen China-Missionar und späteren Prämonstratenser-Chorherrn auszeichnete.

Pflanzen haben eine Ausstrahlung, die allen lebenden Wesen nach dem Willen des Schöpfers zu eigen ist. Somit bleiben sie nicht in sich verschlossen, sondern die Gewächse steigen förmlich aus sich heraus, um mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Mit unseren Seelen- und Geistesgaben wird es uns daher möglich, die Signale der Pflanzen aufzugreifen und in der Folge mit ihnen einen seelischen und ganz praktischen – die Gesundheit unterstützenden – Dialog zu führen.

Mit dem vorliegenden Buch möchte ich einmal mehr den Interessierten eine große Anzahl an Kräutern, Bäumen und Früchten vor Augen führen, damit es dadurch vielleicht eher gelingt, eine ansatzweise ganzheitliche Beziehung zu den in der Erde verwurzelten Geschöpfen aufzubauen. Und immerhin verbergen sich auch für mich noch unzählige Geheimnisse in der grünenden und blühenden Natur, die mich sowohl herausfordern als auch ungeahnt oft überraschen. Es steckt eben meist mehr dahinter, als man denkt.

Jeden Tag einen guten Gedanken fassen

Der Umgang mit nicht selten wildfremden Leuten fällt mir eher leicht. Meine Freunde machen mir des Öfteren scherzhaft den Vorwurf, dass man zusammen mit mir kaum inkognito bleiben könne, weil an der nächsten Straßenecke schon ein weiterer mir bekannter Mensch zum Plaudern stehen bleiben würde. So schlimm ist es, denke ich, nun auch wieder nicht. Dennoch ist es mir ein Anliegen, gerade als Priester eines pastoral ausgerichteten Ordens wie der Prämonstratenser, den möglichen Kontakt zu nutzen, um die Frohe Botschaft der Erlösung bei Gelegenheit anklingen zu lassen.